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Jurte räumt Agenda-Preis ab

Näher an der Natur geht nicht: Das Projekt der Naturfreunde Eberswalde ist Sieger des Agenda-Preises. Der Verein führt seit 2013 Umweltbildungsaktionen mit Kindern durch. Zentral dabei ist der Aufenthalt in einer Jurte.
Näher an der Natur geht nicht: Das Projekt der Naturfreunde Eberswalde ist Sieger des Agenda-Preises. Der Verein führt seit 2013 Umweltbildungsaktionen mit Kindern durch. Zentral dabei ist der Aufenthalt in einer Jurte. © Foto: Naturfreunde Eberswalde e.V.
Julia Lehmann / 19.01.2017, 06:50 Uhr
Eberswalde (MOZ) Die Lokale Agenda 21 würdigt mit einem neuen Format regional verankerte studentische Projekte an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung. Abräumer ist die Waldjurte der Naturfreunde Eberswalde. Gekürt wurde der Sieger durch das Publikum, allerdings mit Umwegen.

Der Dezibel-Messer, mit dem die Lautstärke des Applauses im Saal des Haus Schwärzetal als Abstimmungs-Barometer messen soll, ist defekt. Die Studierenden haben dem Publikum zuvor in Kurzvorträgen ihre Ideen vorgestellt. Eine Bühne, ein Beamer und fünf Minuten Zeit - die Grundausstattung ist für alle sechs Teams gleich. Was die Studenten daraus machen, bleibt ihnen überlassen. Und trotzdem einige Gruppen ihre Vorhaben in teils lyrischer Form präsentieren, ist es nicht der kreativste Beitrag, der den Agenda-Preis gewinnt. Der Einsatz ist es wert, schließlich locken insgesamt 500 Euro Siegprämie, die auf die ersten drei Plätze aufgeteilt wird.

Der Dezibel-Messer ist also unbrauchbar, eine Abstimmung per Handzeichen erscheint zu unübersichtlich. Kurzerhand entscheidet Prof. Dr. Uta Steinhardt, Hochschulprofessorin und Vorstandsmitglied der Lokalen Agenda 21, dass Grüppchen im Saal gebildet werden. Das Projekt, das die größte Gruppe um sich scharen kann, gewinnt.

Mit dieser Methode haben die Naturfreunde klar die Nase vorn. Die Vereinsmitglieder und Unterstützer sind mit 35 Stimmen zahlenmäßig schlichtweg überlegen. Der Vortrag dagegen bleibt knapp: Ein paar einleitende Worte und dann wird plötzlich das halbe Team auf die Bühne geholt - das scheint zusätzlich überzeugt zu haben. Einige von ihnen erläutern knapp die Vorzüge des Projekts: "Das Zusammenleben mit der Natur", sagt jemand. Die Siegprämie von 250 Euro soll in die Neuauflage des Projektes investiert werden, um auch in diesem Herbst mit Kindern eine Jurte im Wald aufzubauen, darin zu leben, die Natur zu erkunden.

"Wir sind ohne Erwartungen hergekommen", sagt Tobias Hoppe nach der Veranstaltung. Gemeinsam mit Hannah Schröder hat der 22-Jährige das Projekt vorgestellt. Das Geld werde für Fahrkosten und Verpflegung benötigt. Ihr ganzheitliches Konzept um die Jurte - ein großes Zelt aus Planen - soll Kindern die Natur erlebbar machen, damit sie sie lieben lernen und schützen wollen. "Der starke Gemeinschaftsgedanke wird schon beim Tragen der Jurte deutlich", sagt Hannah Schröder. Jeder Teilnehmer verstaue beim Transport einen Teil davon in seinem Rucksack.

Das mit 16 Stimmen zweitplatzierte Projekt hat ein Naturschutzkonzept für den Bauernhof Erz in Alt Tucheband im Oderbruch erstellt. Zum Schutz des Bodens und der Biodiversität haben die Studierenden eine acht Meter breite Hecke um die neu erworbene Ackerfläche von zehn Hektar erarbeitet, wie zwei Vertreter knapp referieren. Die Gruppe hat dazu eine Auswahl von neun standortgerechten Strauch- und Baumarten zusammengetragen. Die Umsetzung: eine Investition von 30 000 Euro. 150 Euro Preisgeld gehen aber erst mal an die Entwickler.

Platz drei belegt das Projekt mit dem Titel "Straßenränder und Freiflächen als Biotopverbundsysteme in Bad Freienwalde". Die Gruppe hat in und um die Stadt ungenutzte Freiflächen gesucht. Das Ergebnis ist eine regionale, insektenfreundliche Saatgutmischung, die vor allem ökologische und ökonomische, aber auch nachhaltige sowie ästhetische Kriterien erfüllt. Das Team sahnt 100 Euro ab.

In einer ersten Auswahl sind durch den Vorstand der Lokalen Agenda 21 sowie die Hochschulgesellschaft die besten sechs aus neun eingereichten Projektideen ausgewählt worden. Ausgeschieden war, wer Kriterien wie regionale Verankerung und Nachhaltigkeit nicht erfüllte. "Wir hoffen, dass dieser Preis zur Tradition wird", sagt Uta Steinhardt. An der Auswertung durch das Publikum will man noch arbeiten.

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