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Zapfenstreich für einen Feuerwachturm

Nun liegt das Ungetüm: Förster Ulf Wosnizek sowie Mario und Norbert Maaß (v. l.) von der Groß Schönebecker Firma, die mit dem Abriss betraut ist, stehen an den Überresten des Turms. Die Betonplatten der Verkleidung haben sich zum Teil schon vom Stahlgerüs
Nun liegt das Ungetüm: Förster Ulf Wosnizek sowie Mario und Norbert Maaß (v. l.) von der Groß Schönebecker Firma, die mit dem Abriss betraut ist, stehen an den Überresten des Turms. Die Betonplatten der Verkleidung haben sich zum Teil schon vom Stahlgerüs © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Simon Rayß / 20.03.2017, 22:15 Uhr
Groß Schönebeck (MOZ) Rund 45 Jahre lang stand der Feuerwachturm bei Groß Schönebeck, gleich hinterm Ortsausgang Richtung Groß Dölln. Nun ist das altersschwache Bauwerk abgerissen worden. Doch die Zeiten, in denen dort oben ein Waldarbeiter gewacht hat, sind schon länger vorbei.

Der Traktor gibt Gas, das Seil spannt an und mit Krach und Staub fällt das rund 35 Meter hohe Bauwerk zu Boden - mitsamt Stahlgerüst, dem Mantel aus Betonplatten und den Holzleitern im Inneren. Wobei: Ein bisschen Vorarbeit mussten die Mitarbeiter der Firma Horst Maaß Recycling schon leisten. "Der Turm war achtmal festgeschraubt", sagt Norbert Maaß. Sechs Halterungen haben er und seine Kollegen mit dem Schweißbrenner abgebrannt, die zwei restlichen eingeschnitten, ganz so, wie auch ein Baum gezielt zu Fall gebracht wird.

Nach dem Abriss in der vergangenen Woche dauern die Aufräumarbeiten noch an. "Wir werden bestimmt bis Mitte der Woche zu tun haben", schätzt Maaß. Dass der Groß Schönebecker Betrieb überhaupt von der Forstverwaltung den Auftrag bekommen hat, den Turm zu Fall zu bringen, ist dem stattlichen Alter des Bauwerks geschuldet. "Feuerwachtürme werden alle zwei Jahre auf ihre Standsicherheit geprüft", erklärt der Schorfheider Revierförster Ulf Wosnizek. Ergebnis der jüngsten Untersuchung: schwere statische Mängel. "Da musste gehandelt werden", sagt er.

Dabei hat der Turm in den vergangenen Jahrzehnten für viele einen emotionalen Wert entwickelt. "Generationen von Waldarbeitern haben da draufgesessen", berichtet der Förster. Sobald Waldbrandgefahr herrschte, musste jemand hinauf. Das ging so von der Errichtung des Turms Anfang der 70er-Jahre - das genaue Datum ist in der zuständigen Oberförsterei Eberswalde nicht mehr bekannt - bis 2002.

"Bis zu zwölf Stunden saß man da oben", sagt Ulf Wosnizek. Gerade im Sommer, wenn das Risiko eines Waldbrands am höchsten ist, könne es hinter den Glasscheiben des Ausgucks bis zu 45 Grad heiß werden. Eine Toilette gab es auch nicht. "Wenn man mal kurz runter musste, meldete man das in der Zentrale an", erklärt der Förster. Dann ging es das gute Dutzend Leitern einmal hinab und wieder hinauf.

Das klingt alles ziemlich umständlich, doch manch ein Forstbediensteter verbrachte seine Tage durchaus gerne auf dem Turm. "Es gab Arbeiter, die es sich dort oben ein bisschen wohnlich gemacht haben - mit Radio und Kreuzworträtsel", sagt Wosnizek. Alle paar Minuten mussten sie dann aufblicken und das Umfeld in Augenschein nehmen.

Doch die Zeiten, in denen ein Mitarbeiter der Försterei dort oben Wache gehalten hat, sind mittlerweile seit 15 Jahren vorbei. Seither hat eine Kamera diesen Dienst übernommen. "Sie stammt aus der Weltraumforschung und kann bis zu 16 000 verschiedene Grautöne erkennen", erklärt Wosnizek. Im Laufe von sechs Minuten dreht sich die Kamera einmal um die eigene Achse, macht Fotos der Landschaft und "vergleicht den Ist-Zustand mit dem Soll-Zustand", wie er es ausdrückt.

Kommt es zu Abweichungen, hält ein Mitarbeiter in der Waldbrandzentrale in Eberswalde die Kamera an, zoomt rein ins Bild und schaut sich die Sache genauer an. Meist ist es nur eine Staubwolke oder der Rauch eines Gartenfeuers. Manchmal jedoch wird Alarm geschlagen: Im Bereich der Oberförsterei ist es im vergangenen Jahr zu acht Waldbränden gekommen. Zum Vergleich: Im Landkreis Oberhavel, für den die Waldbrandzentrale ebenfalls zuständig ist, waren es im gleichen Zeitraum 65.

Erhöhte Wachsamkeit lassen Ulf Wosnizek und seine Kollegen schon jetzt wieder walten. "Vom 1. März bis zum 30. September ist Waldbrandsaison", erklärt der Förster. Etliche Vorkehrungen sind also bereits getroffen, auch rund 40 Warnschilder hat die Oberförsterei im Barnim wieder angebracht.

Da in der vergangenen Woche die Gefahrenstufe drei gegolten hat - "mittlere Gefahr" -, ist auch die Waldbrandzentrale besetzt worden. Aktuelle Bilder aus den Wäldern um Groß Schönebeck bekommt der dortige Mitarbeiter nach wie vor, auch wenn der Feuerwachturm nicht mehr steht. Vor zwei Jahren ist die Kamera auf einen Funkturm im Wildpark Schorfheide gewechselt. Dort dreht sie nun ihre Runden - ganz ohne Hilfe eines Waldarbeiters, der in luftiger Höhe mit Radio und Kreuzworträtsel Wache hält.

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