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Renate Meliß 21.03.2017 05:03 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Ein dunkles Kapitel Geschichte

Bernau (MOZ) Hexenjagd im Mittelalter, Folter und Verbrennungen - das war in Deutschland und auch in Bernau ein Kapitel dunkler Geschichte. Am Sonntag trafen sich die Bernauer Stadtführerinnen Hannelore Eberlein und Beate Modisch mit rund 30 interessierten Besuchern, um in diesen Zeitabschnitt einzutauchen.

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Spezielle Stadtführung: Die Tour führte unter anderem am Marktplatz und der Marienkirche vorbei.

© Renate Meliß

Treffpunkt war auf dem Marktplatz - ein Ort, an dem mit großer Wahrscheinlichkeit in der Zeit von 1617 bis 1622 vor allem Frauen und Mädchen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden - weil sie angeblich Hexen waren. Die meisten von ihnen waren zuvor unsäglichen Qualen der Folter ausgesetzt worden. Allein noch größere Schrecken, wie der 30jährige Krieg (1618-1648) und die infolge dessen auftretenden Pestjahre, verhinderten wohl eine weitere Eskalation der Hexenverfolgung.

Verantwortlich für alle Hexenprozesse, die damals in Bernau stattfanden, war nach Angabe des ersten Bernauer Chronisten Tobias Seiler, Stadtsekretär Thomas Böllig. "Wenn man sich vor Augen führt, dass es in Wien zur selben Zeit gerade eine Hexenverbrennung gegeben hat - so ist das doch sehr erschreckend, was bei uns passiert ist", erzählt Beate Modisch. Doch wie konnte es überhaupt zu so einem Hexenwahn kommen? Krankheiten, schlechte Ernten und andere negative Ereignisse erklärte man sich damals mit Hexerei und Ketzerei. Auch die immer weiter wachsende Selbstständigkeit von Frauen konnte nur wahres Teufelswerk sein. Aus diesem Grund entstand die Hexenverfolgung - man wollte die alte Ordnung aufrecht erhalten, dem Teufel keine Chance lassen. Auch Tobias Seiler (1681-1740), der damals 2. Pfarrer in Bernau war, habe an Hexen geglaubt und ihre Verfolgung für rechtens befunden.

Die Besuchergruppe, die nach ihrem ersten Stopp an der Bernauer Marienkirche weiterwandert, lauscht den Geschichten, die sich so oder ähnlich zugetragen haben könnten. Inzwischen ist man am Katzenellenbogen angekommen. Auch Katzen, vornehmlich schwarze - was die Farbe des Todes symbolisiert - oder Kröten, waren in der damaligen Zeit Negativzeichen. "Vier Elemente waren es, die eine "Hexe" ausmachten", informiert nun Hannelore Eberlein: "Zauberei, Teufelsbuhlschaft, Hexensabbat und die so genannte Sagung - das Anschwärzen und Aussagen zu angeblicher Untugendhaft durch Nachbarn. Nicht selten wurden Dinge - mitunter auch aus Neid, weil es jemand in seinem Handwerk zu mehr gebracht hatte als der andere - in Beobachtungen oder Handlungen der betroffenen Frauen hineininterpretiert.

Anna Mund soll solch eine Hexe gewesen sein. Sie wurde einst beschuldigt "den bösen Geist gehalten zu haben". Nach zweimaliger Folterung habe sie entkommen können, sich in ihrem Hause versteckt, sei dann aber von ihrem eigenen Ehemann wieder der Gerichtsbarkeit zugeführt und in Ketten gelegt worden. Sie befreite sich abermals und floh mitsamt Ketten, kam aber schließlich doch zu Tode. Sie hatte, wie viele andere, keine Chance auf Gerechtigkeit, denn die Gerichtsbarkeit war damals nicht auf der Suche nach der Wahrheit. Ging es doch einzig und allein um das Erzwingen eines Geständnisses, was durch grausame Folter und Torturen letztlich wohl jede betroffene Frau auf sich nahm. "Hexenkräuter", wie beispielsweise Zimbelkraut, aber auch Mistel, Blaukraut, Dill, die auch heute noch in der Kücher oder Medizin verwendet werden, finden sich auch zwischen den Feldsteinen der Bernauer Stadtmauer.

Inzwischen am Schwanenteich angelangt, folgt eine weitere Schilderung damaliger Grausamkeiten durch die Stadtführerinnen. An Händen und Füßen gefesselt und ins Wasser geworfen, galt dies damals als Probe und "Beweis" für Schuld oder Unschuld. "Blieb die Frau oben, so war sie schuldig. Ging sie jedoch unter, war damit zwar ihre Unschuld bewiesen - die Frau allerdings ertrunken. Ein Buch namens "Hexenhammer", das im Jahre 1486 von dem Dominikaner Heinrich Kramer veröffentlicht wurde und bis ins 17. Jahrhundert in 29 Auflagen erschien, war ein Werk zur Legitimation der Hexenverfolgung. Von vielen weiteren Vorfällen, die einst auf angebliche "Hexerei" zurückgeführt wurden, berichteten die Stadtführerinnen.

Der Rundgang endet vor dem Denkmal für die Opfer der Hexenverfolgung der Wandlitzer Glaskünstlerin Annelie Grund, eingeweiht 2005. Leider ist es derzeit aufgrund von Sanierungsarbeiten eingehüllt. Hierauf befinden sich die Namen aller Opfer der Hexenverfolgung.

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