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Oliver Schwers 21.04.2017 07:00 Uhr
Red. Uckermark, schwedt-red@moz.de

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Chromglanz der Auto-Welt

Prenzlau (MOZ) Ein winziges Teil - und dennoch so wichtig: Ein Autotürgriff muss ein Leben lang halten. Er wird millionenfach produziert. Dahinter steckt Hochtechnologie. Wer eine neue Audi-Tür öffnet, hält ein Stück Uckermark in der Hand.

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Spricht fließend Deutsch mit seinen Prenzlauer Mitarbeitern: Jaroslaw Michniuk, Vorstand von Boryszew, unterhält sich bei der Inbetriebnahme des neuen Uckermark-Werkes mit einer Kollegin aus der Galvanikabteilung.

© dpa/Bernd Settnik

Lutz Suhrbier hat die Ruhe weg. Der Mann strahlt auch dann noch Gelassenheit aus, wenn die K... sprichwörtlich "am Dampfen" ist - wie der Uckermärker sagt. Suhrbier ist Geschäftsführer von Boryszew Oberflächentechnik Deutschland. Als das Prenzlauer Werk vor genau zwei Jahren in einer Schreckensnacht niederbrannte, setzte er schon am nächsten Tag alle Hebel in Bewegung, um den Produktionsstandort zu retten. Eine neue Fabrik hätte auch in Polen gebaut werden können, wo der Mutterkonzern zuhause ist.

Doch Lutz Suhrbier hat einen guten Namen bei Boryszew. Und bei den Automobilherstellern in Deutschland. Alle hielten zu ihm und zu den 350 Beschäftigten. Ergebnis: Seit wenigen Tagen läuft die bundesweit modernste Kunststoffproduktion und Galvanik wieder im Vier-Schicht-Betrieb. Ununterbrochen werden in den vier zusammenhängenden Hallen meist kleinere Autoteile produziert. Vor allem Türgriffe für Audi und Volkswagen, aber auch Chromteile, Typenschilder und Zierleisten für andere namhafte Marken.

Die Produktion eines solchen Türhebels ist komplizierter als gedacht. Als Ausgangsmaterial verwendet Boryszew ein Kunststoffgranulat. 150 Tonnen schluckt das Werk im Monat. Es wird über Druckluft in die 25 kleinen und großen Spritzgießmaschinen gepumpt, dort erhitzt und im flüssigen Zustand in Formen gepresst. 30 bis 90 Sekunden dauert ein solcher Vorgang, dann fahren die schweren Werkzeugteile auseinander. Eines kostet etwa soviel wie ein Auto. Automatisch wandern die abgekühlten Rohlinge auf den Bearbeitungstisch. Die Mitarbeiter von Boryszew - die meisten wurden im Werk direkt angelernt - nehmen jedes Teil in die Hand und bearbeiten es nach. Qualität hat in der Automobilproduktion höchste Priorität. Nur geringe Toleranzen sind erlaubt. Kein Türgriff soll ausfallen.

Die kleinen Hebel wandern anschließend in die Galvanik - das Herzstück der Produktion. Die mehr als 80 Meter lange Fertigungslinie ist so modern, dass Fachleute von einer "grünen Galvanik" sprechen, weil sie allen Umweltanforderungen überdurchschnittlich standhält. Hinter hohen Wänden befinden sich Galvanikbäder mit viel Chemie. Ein Ladegerät hebt die extra gefertigten stromleitenden Ständer mit den Türgriffen von Bad zu Bad. Dabei setzt sich der Chrom ab - hoch glänzend oder matt, wie der Kunde es wünscht. Über chemische Zusätze lässt sich das steuern.

Wieder nehmen die Mitarbeiter - darunter viele Frauen - jedes Teil mehrfach in die Hand. Qualitätskontrolle. In einem eigenen Labor prüft das Unternehmen die Schichtdicken, mögliche Risse. Außengriffe werden sogar mit Hagelkörnern beschossen.

Eine Halle weiter läuft die Montage. Auch hier erstaunlich viel manuelle Fertigung. Für den Einsatz in den Audi-Modellen lässt Boryszew mehrere Komponenten montieren, mit und ohne Beleuchtung. Das fertige Bauteil wird dann in sorgsam verpackten Einheiten in die Versandhalle geschoben. Stapler düsen durch das Hochregallager. 5600 Lagerplätze hält Steffen Raase in seinem Bereich vor. Der Abteilungsleiter für Logistik hat schon im Vorgängerunternehmen gearbeitet, wurde von Boryszew später übernommen. Wie bei den meisten hier schwingt auch bei ihm etwas Stolz mit über den Job in der Autoindustrie. "Manchmal sage ich beim Einsteigen in ein Auto, dass dieser Türdrücker bei mir durchs Lager gelaufen ist", erzählt er. "Das wissen ja die wenigsten Leute."

An den Brand erinnern sich die Mitarbeiter immer noch mit Schrecken. Einige mussten dadurch zwei Jahre lang in eine angemietete Galvanik an einem 500 Kilometer entfernten Ausweichstandort pendeln. Solche Treue zählt auch bei den Kunden. Denn ausfallen darf nichts. Höchstens zwei Wochen reichen die Lagerbestände. "Wenn es eng wird, bringen wir auch Türhebel oder Kleinteile zum Flugzeug oder zum Helikopter", berichtet Steffen Raase. Ein Stillstand der Autobänder durch Teilemangel wäre weitaus teurer.

Lutz Suhrbier denkt schon wieder weiter. Er will aus Prenzlau einen Innovationsstandort für Boryszew machen.

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