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Kreisligist Potzlower SV empfängt sechs Klassen höher spielende Hauptstadt-Vertretung des BFC Dynamo und unterliegt mit 0:18

Übers Resultat spricht hinterher fast keiner

Jörg Matthies / 06.07.2016, 20:55 Uhr
Potzlow (MOZ) Auch nach einer 0:18-Niederlage kann man durchaus zufrieden den Fußballplatz verlassen - so geschehen beim Freundschaftsspiel des Kreisligisten Potzlower SV gegen den BFC Dynamo. Es war ein Ereignis für das uckermärkische 600-Seelen-Dorf.

Nach 72 Minuten erlöste Coach Bernhard Wilski seinen Mittelstürmer Candy Siebert - der hat sich (oft allein auf weiter Flur in der Gastgeber-Offensive) fast die Hacken abgerannt und klagt über Krämpfe. Doch aufgeben gilt nicht: "Ich will aber nochmal rauf - ich bin so voller Adrenalin, es ist einfach ein geiles Spiel", ruft er dem Übungsleiter zu, als er hinter der Seitenlinie entkräftet zu Boden sinkt. Und Wilski erfüllt ihm wenige Minuten später genauso diesen Willen wie er für einen besonderen Auftritt von Torwart Michael Vetter (50) sorgt. "Er steht eigentlich bei den Alten Herren, hat uns bei unserer Torsteher-Misere aber in der Kreisliga diese Saison oft aus der Patsche geholfen." Vetter bekommt am Ende seinen Fünf-Minuten-Einsatz.

Über eines wird nach dem Abpfiff von Referee Eric Tegge am wenigsten gesprochen: das Resultat. Nur ein Fan erwähnt beiläufig: "1999 hat hier schon mal der 1. FC Magdeburg gespielt, ebenfalls ein Regionalligist. Da hat unsere Mannschaft 0:25 verloren. So hoch sollte es diesmal nicht werden." Wurde es letztlich beim 0:18 auch nicht, aber die Hauptstädter hängten sich schon voll rein, wollten sich doch alle Spieler - darunter etliche, die noch um einen Vertrag kämpfen - dem neuen Coach René Rydlewitz präsentieren. Der einstige BFC-Spieler, der bei Bayer Leverkusen Bundesliga-Luft schnupperte und später unter anderem bei Arminia Bielefeld und Hansa Rostock kickte, hat das Dynamo-Team zur neuen Saison übernommen und sagte nun nach dem Testspiel: "Resultat und Gegner sind zweitrangig. Ich wollte, dass Dinge aus dem Training hier im Spiel umgesetzt werden - da habe ich viel Ordentliches gesehen, aber auch etliche Sachen, die mir nicht so gefallen haben." Sein Gegenüber Bernhard Wilski, der Anfang der 90er-Jahre eine Saison für Oberligist Victoria Frankfurt und später für den FSV Prenzlau auf dem Platz stand, freute sich insbesondere für seine Spieler: "Eine super Erfahrung für die Jungs - sonst sehen sie solch fußballerisches Niveau ja nur im Fernsehen. Natürlich wurde die Unterlegenheit total deutlich, aber das ändert überhaupt nichts an dem Spaß, den die Mannschaft heute erlebte." Da spricht es dann auch für sich, wenn Christian Buttig strahlt und ausruft: "Ich habe einen Zweikampf gewonnen!" Eine Extra-Erwähnung verdiente sich sein Teamkamerad Christian Schröder, denn er war in der 74. Minute tatsächlich der einzige Potzlower Akteur, der einen Schuss abgab, der auf das BFC-Gehäuse kam.

Er und seine Teamkameraden verdienten sich letztlich sogar die Anfeuerungsrufe der wenigen aus Berlin angereisten Dynamo-Fans, die leider auch mit Abbrennen von Pyro-Technik auf dem Dorf-Sportplatz für negative Erinnerungen sorgten. Dem Gastgeber aber wünschten sie in Sprechchören zehn Minuten vor Ultimo: Auf geht's Potzlow, schieß' ein Tor!" Es sollte den Mannen um Kapitän Nils Wesslowski nicht gelingen.

Über die offiziell gut 300 zahlenden Zuschauer freute sich auch Potzlows Vereinschef Wilfried Schrot. Schon vor der Partie hatte er verraten, dass die Einnahmen aus dieser - durch die Bekanntschaft eines Potzlower Fußballers mit einigen BFC-Akteuren zustande gekommene - freundschaftlichen Partie zur Mitfinanzierung für ein dringend benötigtes neues Vereinsgebäude am Sportplatz verwendet werden sollen. Dem jetzigen sieht man zweifellos das halbe Jahrhundert seines Bestehens an. Mit dem sehr gut präparierten Hauptplatz sowie einem kleinen, sogar mit Flutlicht ausgestatteten Trainingsgelände sind die Potzlower schon äußerst zufrieden - nun soll also die Sportanlage im Dorf in den nächsten Jahren weiter aufgewertet werden.

Potzlower SV: Meinke, Müller, Fischer, Wesslowski, Siebert, Gnauck, Müller, Kiehle, Dittmer, Schröter, Dekarz, Christian Buttig, Schuch, Al Ahmar, Martin Buttig, Gast, Vetter; Übungsleiter: Wilski

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