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Einkaufen mit Dolmetscher

Julia Knurr (li.) und Christina Müller (re.) boten kürzlich im Havelpark kostenfrei ihre Dienste als Gebärdendolmetscher beim Einkauf an. Darüber freute sich nicht nur die gehörlose Corinna Michelly (Mitte).
Julia Knurr (li.) und Christina Müller (re.) boten kürzlich im Havelpark kostenfrei ihre Dienste als Gebärdendolmetscher beim Einkauf an. Darüber freute sich nicht nur die gehörlose Corinna Michelly (Mitte). © Foto: Egbert Neubauer
Egbert Neubauer / 07.10.2017, 08:24 Uhr
Dallgow-Döberitz (MOZ) Im Havelpark Dallgow-Döberitz standen kürzlich zwei Dolmetscherinnen der Gebärdensprache für Gehörlose kostenlos bereit. Ausgedacht wurde sich diese Aktion im Berufsverband der Gebärdensprachdolmetscher Berlin/Brandenburg e.V.. Dieser bot vom 18. bis 24. September, während der "International Week of the Deaf", kurz "Deaf Week" (Gehörlosenwoche) genannt, Gebärdensprachdolmetscher für kostenlose Einsätze an.

Bis heute gibt es kein Budget, aus dem Gebärdensprachdolmetscher im privaten Bereich finanziert werden können. Somit stehen gehörlose Menschen weiterhin vor kommunikativen Barrieren, wenn sie sich zum Beispiel beim Kauf eines Kühlschrankes oder was auch immer, beraten lassen möchten.

Im Bereich des Haupteingangs im Einkaufspark hatten sich die Dolmetscher für Gebärdensprache, Christina Müller und Julia Knurr, einen Stehtischstand aufgebaut, um von hier aus mit Gehörlosen zum gemeinsamen Einkauf zu starten.

Corinna Michelly ist eine junge Frau, die diesen kostenlosen Service an diesem Tag nutze. Corinna ist gebürtige Hamburgerin und war in ihrer Familie die einzige Gehörlose. In Berlin konnte Corinna ihre Ausbildung zur Dozentin für Gebärdensprache absolvieren. Mit diesem Berufsabschluss fiel es Corinna leicht, in der Hauptstadt Fuß zu fassen. Am Mittwoch im Einkaufspark nahm sie das kostenlose Angebot der Dolmetscherinnen an, um unbeschwert zu shoppen. "Sonst gehe ich allein einkaufen und verständige mich unter Zuhilfenahme von Händen und Füßen. Wenn ich dabei an Grenzen stoße, nehme ich Zettel und Stift zur Hand. Heute benötige ich das nicht, das finde ich einfach toll", erklärte sie in Gebärdensprache.

Für Christina Müller und Julia Knurr ist es wichtig, ihren Klientel in der "Deaf Week" etwas zu geben. "Wir wissen aus unserer Arbeit, dass mit einem Dolmetscher für alle Beteiligten die Situation einfach entspannter abläuft", erklärten die beiden. Darum boten sie an diesem Tag kostenlos ihre Dolmetscherdienste an. Aber nicht nur das, es kamen auch gehörlose Menschen, um sich mit ihnen auszutauschen. Eine interessante Diskussion entspann sich zum Beispiel um die Finanzierung von Dolmetschern bei Führungen in Museen.

Seit 2002 ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS) in Deutschland rechtlich anerkannt. Wer nachschlägt, liest auf Wikipedia, dass in Deutschland und in Luxemburg gehörlose und schwerhörige Menschen mit Hilfe der DGS untereinander und mit Hörenden kommunizieren und etwa 200.000 Menschen dauerhaft oder gelegentlich diese Sprache verwenden.

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