Biesenthal (moz) Wer am Sonnabend im „Wukania-Kino“ einen Film sehen wollte, der musste aufs Rad steigen und selbst für den nötigen Strom sorgen. Erdmann Kunze absolviert gerade sein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf dem „Wukania“ Projekthof in der Ruhlsdorfer Straße in Biesenthal. Zu seinem persönlichen Projekt hat er das Fahrradkino auserkoren. Die Räder hat er aus Halberstadt ausgeliehen, wo sie bereits für das Fahrradkino präpariert und erprobt wurden. Am Sonnabend erläuterte Kunze Bewohnern des „Wukania“ und Besuchern das energieschonende Projekt: Zwölf Fahrräder sind im Halbkreis vor einer Leinwand aufgestellt. Das Hinterrad ist jeweils in einen Rollentrainer eingespannt. Auf den Felgen des Hinterrades läuft ein Riemen zu einer Lichtmaschine, die durch ein Kabel mit einem Spannungswandler erzeugt ist. Pausiert einer, müssen alle anderen dessen Leistung ersetzen. So wird das Fahrradkino schnell zu einem dynamischen Gruppensport.
Bevor es los gehen konnte, mussten vier Gruppen eingeteilt werden. Jede Gruppe muss fünf Minuten kontinuierlich treten, damit der Film nicht abbricht. Gewechselt wird in schneller Folge nacheinander, denn wenn alle zugleich absteigen, riskiert man das plötzliche Aussetzen des Films.
Auf einem kleinen montierten Brett am Lenker leuchtet eine grüne Lampe immer dann auf, wenn nicht genug gestrampelt wird. Dann heißt es: fester treten. Kleine Pannen, wie das Abspringen der ein oder anderen Fahrradkette, bleiben nicht aus.
Eine alternative Stromerzeugung für den privaten Haushalt stellt die Fahrrad-Lichtmaschinen-Konstruktion nicht dar und auch ein gemütliches Kinoerlebnis mag sich nicht so richtig einstellen, dafür ist es viel zu hektisch und bewegt. Dennoch waren alle Testfahrer am Sonnabend mit viel Elan und Euphorie dabei. Am Abend radelten sie noch einmal für den im Jahr 2003 produzierten Zeichentrickfilm „Das große Rennen von Belleville“.
Der „Wukania“-Projekthof direkt am Wukensee entstand im vergangenen Jahr. Die Bewohner, die zuvor in Börnicke lebten, wollen auf diesem Areal gemeinschaftliches Wohnen und Arbeiten mit ökologischen und sozialen Projekten verbinden. Es werden noch Ideen für den Ausbau der Anlage gesammelt.
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