Biesenthal (moz) Seinen Führerschein hat er erst mit Ende 30 gemacht. Kein Wunder. Schon als Kind schwärmte er für das Radfahren. „Und irgendwann habe ich dann einmal ein Rennrad geschenkt bekommen und blieb dabei“, sagt Martin Schulze. Der Organist und Kirchenmusiker ist deswegen auch Träger des weltweit wohl einzigartigen Titels „Fahrradkantor“. Am heutigen Mittwoch, 30. Juni, wird er um 19 Uhr ein Orgelkonzert in der Evangelischen Kirche Biesenthal geben.
Freut sich auf das Orgelkonzert: Kirchenmusiker Michael Schulze startet am 30. Juni in Frankfurt, um am Abend in Biesenthal ein Konzert zu spielen. Foto: promo
Der Fahrradkantor legt alljährlich rund 15 000 Kilometer seiner Konzertreisen auf dem Fahrrad zurück. Auch nach Biesenthal wird er heute Abend mit dem Fahrrad anreisen – von Frankfurt (Oder). Locker legt er auf diese Weise vor seinen Auftritten 170, 180 Kilometer zurück. Eine Regel – die er nur manchmal bricht – hat er sich allerdings gesetzt: Vor einem Konzert sollten es nicht mehr als 200 Kilometer sein.
Martin Schulze ist Jahrgang 1967 und wuchs in Erkner auf. „Ich gehöre heute sicherlich zu den schnelleren Radfahrern“, sagt er. Früher ist er auch Rennen gefahren. Allerdings bevorzugt er unterwegs kleinere Straßen durch die Landschaft, wo Sport und Spaß zusammenkommen.
Nicht nur auf dem Rad, auch als Organist hat er es weit gebracht. So ist er Kirchenmusiker an der Stadtkirche St. Severi in Otterndorf bei Cuxhaven. Damit spielt er auf einer der bedeutendsten Barockorgeln Norddeutschlands (1744). Seinen beruflichen Werdegang setzte er mit einer Ausbildung zum Orgelsachverständigen fort. Anschließend folgte ein postgradualer Studiengang „Schutz europäischer Kulturgüter“ an der Viadrina. „Da geht es ganz einfach um Denkmalschutz“, sagt er – und zwar in Verbindung mit seinem Stammgebiet, der Orgel. So wurde er auch als Autor in das Projekt „Orgelhandbuch Brandenburg“ berufen.
Wer dann nicht mit dem schnellen Auto von Konzertort zu Konzertort reist, sondern auf das Fahrrad setzt, muss viel planen. „Man kann ja unterwegs auch mal eine Panne haben“, sagt er. Und äußerst ungern fährt er auch bei Regen. Der Grund: „Ich bin Brillenträger, da stören Regentropfen auf den Gläsern doch schon sehr.“ Doch nur im äußersten Notfall steigt er auch mal auf die Bahn um.
Auch sein Reisegepäck kriegt er auf dem Fahrrad unter. „Ich nehme nicht unbedingt den Konzertfrack mit, da passt schon alles auf das Rad, auch ohne Anhänger.“ Nach den Konzerten fährt er im Gegensatz zu vielen Kollegen, die mit dem Auto oder Minivan unterwegs sind, nicht gleich weiter. Recht unkompliziert kommt er auch mal mit einer ISO-Matter, einem Schlafsack aus. Allerdings lehnt er auch ein Gästezimmer mit Bett für die Übernachtung nicht ab.
Auf das Konzert heute in Biesenthal freut er sich. „Die Orgel in der Kirche ist ein wertvolles Instrument. Darauf kann die Gemeinde schon stolz sein.“ Passend zur Entstehungszeit der Orgel hat er Werke aus dem 19. Jahrhundert ausgewählt.
Der Eintritt für das Konzert heute Abend, 19 Uhr, ist frei. Am Ausgang wird um eine Kollekte gebeten.
Morgen geht es dann von Biesenthal aus weiter zum nächsten Konzert. Mit dem Rad nach Wittenberge.
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