Beeskow (moz) Der Bauer zählt zwar erst im Herbst seine „Schäfchen“, aber so viel ist schon klar: Die Ernte wird besser als noch vor einigen Wochen erwartet. Bei den meisten Kulturen sind durchschnittliche Erträge absehbar, Einbrüche gibt es bei Roggen – die Erträge liegen etwa 30 Prozent unter den Erwartungen –, bei Mais und Kartoffeln. Letztere werden im Kreis allerdings nur noch auf 228 Hektar angebaut. Dagegen hat die Maisanbaufläche seit 2009 enorm zugenommen: um rund 1500 Hektar. Grund ist die Zunahme der Biogasanlagen, die zur Stromerzeugung auch mit Grünzeug gefüttert werden.
Noch acht bis zehn Tage, dann ist das Getreide vom Feld. Das regenfreie und sonnige Wochenende haben die Bauern bis tief in die Abende genutzt, um möglichst viel vom Halm zu holen. Ununterbrochen zogen Mähdrescher ihre Runden. Die Wintergerste ist zu hundert Prozent abgeerntet, Winterroggen etwa zur Hälfte. Beim Brotgetreide werden die Bauern jedoch größere Verluste einstecken müssen, glaubt Max Krüger, Leiter des Kreis-Landwirtschaftsamtes. „Abhängig von den Standorten bleiben die Erträge etwa 30 Prozent unter den Erwartungen.“ Geschätzt werden zurzeit 31 Dezitonnen je Hektar. Ein erhebliches Defizit zum Vorjahr: 43,7 Dezitonnen.
Auch beim Mais wird mit Verlusten gerechnet, allerdings habe der Regen Ende Juli einiges wieder ausgeglichen, sagt Krüger und spricht von „Rettung in letzter Stunde. Der Mais war ja teilweise schon bläulich gefärbt, die Pflanzen standen kümmerlich.“
Max Krüger verweist auf die Wetterkapriolen in diesem Jahr. Im Mai sei es so kalt und feucht gewesen, dass sich Pflanzen nur spärlich entwickeln und die Maschinen kaum auf die Felder kommen konnten. Dann wurde es im Juni und Juli extrem heiß, und es gab kaum Niederschläge. „In sechs Wochen fielen im Durchschnitt nur elf Liter pro Quadratmeter. Normal wären 60 bis 70 Liter“, so der Amtsleiter. Mit einer Grafik, die die Hektarerträge der letzten vier Jahre vergleicht, demonstriert er, dass alle drei, vier Jahre die Kurve nach unten geht. 2000, 2003 und 2007 waren solche dürren Jahre, 2010 sieht anhand geschätzter Erträge auch nicht optimal aus.
Schlechte Erträge sind auch bei Kartoffeln zu erwarten, die werden aber nur noch selten angebaut – so in Neuzelle, Rieplos oder Görzig. Bei Mais hingegen ist die Anbaufläche um zirka 1500 Hektar (insgesamt 10 917 Hektar) gewachsen. „Wir haben inzwischen im Kreis zwölf Biogasanlagen am Netz. Es macht sich bemerkbar, dass sie Mais als Input brauchen“, sagt Krüger. Die momentane Lage ist für ihn noch nicht bedenklich, weitere Biogasanlagen seien zum Beispiel in Wellmitz und Oegeln (hier werden auch Innereien bzw. Hühnerkot verarbeitet) im Entstehen. Für Krüger machen Biogasanlagen nur Sinn, wenn sie an landwirtschaftliche Strukturen gekoppelt sind und nicht zwangsläufig Monokultur entsteht.
Auch wenn landwirtschaftliche Nutzfläche immer weniger wird, zum Beispiel durch Windkraftanlagen und Radwegebau, wird auf rund 3538 Hektar gar nichts angebaut. „Das sind Flächen, die stillgelegt sind, aber von den Landwirten noch gepflegt werden.“ Dramatisch findet Krüger diese Größe nicht, sie sei „normal“. Stillgelegt würden sie, weil Arbeitsaufwand und Erträge in einem schlechten Verhältnis stünden. Nur ab dem 1. Juli dürften die Landwirte diese Flächen bearbeiten, mähen oder mulchen. „Das ist ein wichtiges Stück Landschaftspflege“, informiert der Amtsleiter.
Er ist froh, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Unternehmen im Kreis (467 – alle Eigentumsformen) über Jahre relativ konstant ist. „Die Produktion ist auf einem niedrigen Lohnniveau stabil organisiert.“
Investitionsanträge für rund sechs Millionen Euro liegen derzeit dem Amt vor. Unter anderem plane die Agrargenossenschaft Ranzig die Erweiterung ihrer Landfleischerei, und die Agrargenossenschaft Neuzelle baut einen Schweinestall.

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