Bernau (moz) In Biesenthal haben die Menschen noch Glück. Wenn sie zum Hausarzt wollen, müssen sie keine langen Wege in Kauf nehmen. Erst dieser Tage ist die Arztpraxis von Dr. Christa Reinhardt von der Ärztin Irene Warmuth übernommen und so eine Vakanz verhindert worden. Die Berlinerin hat sich eigentlich gleich in die Praxis verliebt, als sie sie sehen gesehen hat, sagt die junge Ärztin auf die Frage nach dem Grund für die Entscheidung zugunsten Biesenthals. Ihre Lage im ehemaligen Ambulatorium, die benachbarte Physiotherapie und auch die Apotheke im Ort – das fand sie schön. So habe man gute Voraussetzungen für die Arbeit. Dazu komme, dass Biesenthal, was sie vorher nicht kannte, eine reizvolle Kleinstadt sei. Gefallen habe ihr auch, wie sie von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg unterstützt worden sei.
Allerdings hat es auch fast zwei Jahre gedauert, bis Dr. Christa Reinhardt für ihre Praxis eine Nachfolgerin gefunden hat. Sie war schon fast am Aufgeben, weiß ihre Nachfolgerin, die im Übrigen fünf Jahre in England praktiziert hat. Auch in Finowfurt gebe es eine Praxis, für die händeringend ein Nachfolger gesucht werde. Vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Ärzte, die schon im Rentenalter sind oder kurz davor stehen, anteilig sehr hoch ist, wird sich das Problem auch in Regionen, die noch als gut versorgt gelten, verschärfen.
In Melchow beispielsweise hing die dortige Ärztin noch ein paar Jahre dran, fand aber trotzdem keinen Nachfolger für ihre Praxis, die Außenstellen in Grüntal, Tuchen-Klobbicke und Trampe hatte, berichtet Melchows Bürgermeister Wolfgang Lindt. Dabei würde die Gemeinde im Hinblick auf Wohnraum und Praxis unterstützend wirken. Doch als ein möglicher Nachfolger die Fallzahlen gesehen habe, nahm er Abstand. Ein anderer Versuch war, eine Nebenstelle einer Berliner Praxis einzurichten, doch hier hat die Kassenärztliche Vereinigung Berlin einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Zerpenschleuse hat schon seit wenigen Jahren nach der Wende keinen Arzt mehr im Dorf, klagt Ortsvorsteherin Margot Ziebarth. Die Patienten gehen darum nach Klosterfelde oder Groß Schönebeck. Ihrer Meinung nach seien daran letztlich auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen schuld. Noch schlechter findet sie die kinderärztliche Versorgung. Laut Verzeichnis der kassenärztlichen Vereinigung gibt es im Barnim elf Kinderärzte, davon sieben in Eberswalde, nur zwei in Bernau sowie je einen in Ahrensfelde und Panketal.
Bei den Hausärzten sind es im Barnim 104, die relativ gleichmäßig auf den Ober- und Niederbarnim verteilt sind. Von Unterversorgung kann hier laut Statistik und im Vergleich zu den dünnbesiedelten Regionen in der Prignitz oder in der Uckermark nicht gesprochen werden. Trotzdem hat auch der Barnim weiße Flecken.
Die Frage bleibt, wie dem Mangel an Ärzten auf dem flachen Land abgeholfen werden kann. Im Ärzteblatt ist jetzt eine Diplomarbeit zitiert worden, die die Einrichtung einer medizinischen Fakultät in Brandenburg fordert, so dass mehr Brandenburger Abiturienten Interesse an einer hausärztlichen Praxis entwickeln könnten. Peter Schmidt, Bürgermeister von Breydin, würde sich wünschen, dass es wie früher wieder „Schwester Agnes“ gibt. Die älteren Leute im Dorf brauchen nicht immer gleich einen Arzt, um den Blutdruck zu messen und nach dem Befinden zu fragen. Das habe einst doch immer gut geklappt.
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