Joachimsthal (moz) Beworben hatte sich die Schorfheidestadt nicht. Dennoch erhielt sie den Zuschlag. Am 11. September ist Joachimsthal Austragungsort für eine Weltmeisterschaft. Eine Box-WM im Schwergewicht. Aber nicht ein Klitschko wird in den Ring steigen, sondern Gene Pukall, Champion des völlig unbekannten Verbandes WAA.
Das hat Joachimsthal noch nicht gesehen: eine Weltmeisterschaft. Die Abgeordneten hielten es deshalb zunächst für einen Scherz, als Bürgermeisterin Gerlinde Schneider sie diese Woche über das Ansinnen des FSV Joachimsthal informierte, am 11. September im Fichte-Station einen Ring für eine Box-WM aufbauen zu wollen. Und zwar in der Schwergewichtsklasse.
Veranstalter seien die Boxverbände WAA&IBU. Im Gegensatz zu den vier Großen – WBA, WBC, IBF und WBO – handelt es sich dabei um zwei total nichtssagende und beinahe unwichtige Verbände. Ebenso unbekannt sind die Protagonisten: Gene Pukall (Berlin) und sein Herausforderer Roy Meissner (Leipzig).
Wie aus dem Rathaus Joachimsthal zu hören ist, habe Pukall Verwandte bzw. Bekannte in Joachimsthal. Deshalb sei die Wahl für den Kampf auf die Schorfheidestadt gefallen. Wobei zunächst ein Standort am Grimnitzsee im Gespräch war, wie Gerlinde Schneider sagte. Diese Variante habe der Veranstalter aber verworfen und stattdessen das Fichte-Stadion als Wettkampfstätte gewählt.
Geplant seien zwischen 18 und 23 Uhr ein Hauptkampf sowie etliche Vorkämpfe. Ab 17 Uhr sei Einlass. Erwartet werden wohl, so die Bürgermeisterin, zwischen 1000 und 1500 Fans. Das öffentliche Wiegen für den WM-Fight soll am selben Tag um 14 Uhr im Edeka-Markt stattfinden.
Der FSV benötige, da er nicht selbst Veranstalter sei, für die Ausrichtung des Profi-Box-Events die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. Dies sehe der Vertrag mit dem Sportverein so vor, erklärte die Bürgermeisterin den Abgeordneten, die noch immer ein wenig ungläubig und skeptisch dreinschauten. Sogleich kamen aber praktische Fragen auf. Etwa nach der Sicherheit, nach Sanitäreinrichtungen und nach Parkmöglichkeiten. Der Abgeordnete Jörg Masuch, gleichzeitig technischer Leiter beim FSV, erklärte, dass bereits Vertreter des Veranstalters, inclusive Sicherheitsleuten, vor Ort waren und sich mit den Gegebenheit vertraut gemacht haben. Vereinbart wurde das Aufstellen eines Toilettenwagens. Und auch eine separate Parkfläche werde zur Verfügung gestellt. Der betroffene Landwirt, so Masuch, habe schon sein Einverständnis gegeben. Der FSV zeichne nur für die gastronomische Versorgung verantwortlich.
Der Profi-Box-Kampf sei als Benefizveranstaltung deklariert, wusste Schneider zudem zu berichten. Der Veranstalter habe sie gebeten, selbst einen gemeinnützigen Zweck zu bestimmen. Vorzugsweise soll es sich um Jugendarbeit handeln. Die Abgeordneten nickten schließlich zustimmend und gaben somit ihr Okay für die WM.
Gene Pukall ist 35 Jahre alt. Laut Statistik hat der Berliner bislang 32 Kämpfe bestritten. 16 Siege konnte der Schwergewichtler für sich verbuchen, darunter 14 durch K. o. Sein Gegner Roy Meissner war hingegen bisher weniger erfolgreich. Bei insgesamt 24 Kämpfen, die für den 38-Jährigen vermerkt sind, musste er sich 20 Mal geschlagen geben. Lediglich vier Mal verließ der Leipziger den Ring als Gewinner.
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