Mallnow (moz) Haupthund Jette reagiert blitzschnell auf jedes Kommando seines Herrchens. Michael Winz dirigiert den Vierbeiner. Der erfahrene Hütehund weiß, was jeweils zu tun ist. Mal lenkt er mit Beihund Zwiebel die 500 Schafe umfassende Herde um ein imaginäres Hindernis, mal sorgt er für eine freie Gasse, damit der eigens für den Wettbewerb vorbeifahrende Jeep ungehindert passieren kann.
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Nach gut einer Stunde hat der 29-jährige Schäfer den Wettbewerb absolviert. Er ist zufrieden mit den Leistungen seiner beiden Altdeutschen Hütehunde. Die Familie hat sie selbst gezüchtet. Auch Bruder Christian ist wiederholt mit dabei beim Leistungshüten des Schäfervereins Kurmark in Brandenburg. Die beiden kommen aus Sachsen-Anhalt. So sind es zumindest fünf Teilnehmer bei dem traditionellen Wettbewerb. Schäfermeister Wilfried Vogel aus Dolgelin hat den Wettbewerb vorbereitet und auch die Schafherde gestellt. Dem Wettbewerb stellen sich auch Sven Holland und Anne Jakimow aus Altlandsberg. Dirk Schulz aus Altbarnim sagte kurzfristig ab. Er betreibt auch Ackerbau, muss den Sonnentag nutzen.
„Es sind leider immer dieselben, die mitmachen“, bedauert Wilfried Vogel. 30 Mitglieder gehören zum Verein. Viele seien schon älteren Semesters. Der Nachwuchs fehle. Dabei meint er nicht Beschäftigte in Landwirtschaftsbetrieben, die morgens Schafe irgendwo einkoppeln und alle paar Tage mal umsetzen. „Es gibt kaum noch junge Leute, die richtig hüten können“, so der Altmeister. Die Schafhaltung habe sich drastisch geändert.
„Schafehüten gehört zur Landschaftspflege“, macht Jan Paepke, Leiter des kreislichen Landwirtschaftsamtes, deutlich. Für viele Pflanzen und auch die Grasnarbe sei es wichtig, dass es schnelle Überweidungen gibt. Wenn immer weniger das Hütehandwerk beherrschen, sterbe diese Form der Landschaftspflege aus. Der Kreis unterstützt deshalb auch jedes Jahr den Wettbewerb, wofür Wilfried Vogel dankbar ist.
Der Dolgeliner sieht vor allem den Schafzuchtverband des Landes in der Pflicht. Der verteile z.B. Zuschüsse nach dem Gießkannenprinzip, nicht danach, ob ein Betrieb hütet oder nur Schafe hält. Dass nicht ein Vertreter an diesem Tag vor Ort ist, ärgert ihn. Denn im Land gebe es ohnehin nur noch den Verein Niederlausitz, der wie der Kurmarkverein ein Leistungshüten durchführt. Landesmeisterschaften seien fast nur noch Etikettenschwindel, denn da treten letztlich alle an, die sich überhaupt noch mit dieser Urform der Schafhaltung beschäftigen.
„Wir wollen mit diesem Wettbewerb der Öffentlichkeit unser Berufsbild zeigen und dafür werben“, begründet Vogel den Aufwand, den man jährlich betreibt. Vor der Wende gab es in fast jedem Dorf Schäfer und in jedem Kreis Vergleiche. Heute ist das Leistungshüten eine Ausnahme geworden. Rund 17 000 Schafe werden im Kreis gehalten, Jahr für Jahr werden es weniger. Vor sechs Jahren gab es noch 20 000, im Jahr zuvor knapp 23 000. Das Problem für die Schäfer sind die Weideflächen. Wer keine Vereinbarungen zum Vertragsnaturschutz hat, braucht keine Schäferei aufbauen. Hinzu kommt das jährliche Gerangel mit dem Land um Zahlungen.
Dabei, so sieht es auch Paepke, sei das Hüten eine ganz wichtige Form, um wertvolle Landschaft, die es in Märkisch-Oderland reichlich gibt, zu erhalten. Der jährliche Vergleich ist immer auch eine gute Gelegenheit, um die eigenen Leistungen zu bewerten. Die drei Hüterichter Ortwin Loewe aus Wriezen, Günter Deutschmann aus Hermersdorf und Richard Rudolf – allesamt Schäfermeister – bewerten streng und fair.
Dass nicht ein Ausbildungsbetrieb vor Ort ist, um seinen Lehrlingen zu zeigen, wie es funktionieren sollte, sieht die Runde als bedenklich. Das alte Hütehandwerk – das noch dazu auch als älteste Form der Hundeausbildung gilt– droht auszusterben.
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