Eberswalde (moz) Die Kreisstadt hat sich im Boxsport internationalen Ruf verschafft. Der derzeit amtierende Junioren-Weltmeister im Weltergewicht des Verbandes IBO kommt mit Rico Müller aus Eberswalde. IBO-Weltmeister im Schwergewicht ist der Ukrainer Wladimir Klitschko.
Glücklicher Sieger: Rico Müller aus Eberswalde hat es geschafft. Seit zwei Wochen trägt er den Gürtel des IBO Youth Champion im Weltergewicht. Seinen Gegener aus Uruguay bezwang er nach zwölf Runden nach Punkten.
„Boxen ist mein Leben“, sagt der 22-Jährige. Stolz schwingt in seiner Stimme. Seit gut zwei Wochen trägt er den Gürtel des IBO-Verbandes. Die International Boxing Organization, so der vollständige Name, wurde 1988, im Geburtsjahr von Rico Müller, gegründet. Zu den aktuellen Titelverteidigern gehören neben Wladimir Klitschko beispielsweise Danny Green, Jhonny Gonzalez, Lovemore N‘dou, Isaac Chilemba und Jean Pascal. In diese Reihe namhafter Profiboxer möchte sich Rico Müller einreihen. Den ersten Schritt hat er geschafft. Mit dem Kampf um den IBO Youth Champion im Weltergewicht am 18. Januar in Berlin hat der Eberswalder das bisher wichtigste Duell seiner Laufbahn bestritten. Die Punktrichter hatten nach 12 Runden auf Punktsieg für Müller entschieden.
„Man braucht viel Disziplin, eine gesunde Portion Selbstbewusstsein und Talent“, nennt Rico Müller sein Erfolgsrezept. Sein Talent hatte Vater Norbert Müller schnell entdeckt. Schon als kleiner Steppke zog sein Sohn die Boxhandschuhe sämtlichen Spielsachen vor. „Mein Vater wollte früher selbst boxen. Aber sein Vater wollte das nicht“, verrät der Junior. Als Siebenjähriger wird er zum Training geschickt. Übungsleiter Hartmut Münder vom ESV nimmt den Jungen unter seine Fittiche. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten. 1999 wird Rico Müller Berliner Meister seiner Altersklasse, 2000 Landesmeister.
Inzwischen 13-jährig wechselt er an die Sportschule Frankfurt (Oder). Mit ihm seine drei Klubkameraden Oliver Dremel, Edward Korby und Marco Waldvogel. Mit Oliver Dremel teilt er zwei Jahre das Zimmer. „Olli hat den Übergang zum Profi-Sport geschafft. Die anderen beiden haben mit dem Boxen aufgehört. Ich bin geblieben“, erklärt Rico Müller. An der Sportschule beendet er auch die zehnte Klasse. Die ersten Sporen als Amateur-Boxer verdient er sich unter Trainer Rainer Phillip. 2002 wird der Eberswalder Nachwuchskämpfer deutscher Vizemeister und Landesmeister. Den Titel Landesmeister kann er sich auch in den folgenden beiden Jahren holen. 2004 wird er dafür als Nationalkader aufgestellt.
Ein Jahr später entschließt sich Rico Müller zu einer zweijährigen Pause. In der Zeit beginnt er eine Lehre als Konstruktionsmechaniker. Dann holt ihn Box-Manager Mario Pokowietz in den Profisport. Ausbildung und Training lassen sich zeitlich nicht mehr unter einen Hut bringen.
Den ersten Kampf 2007 in München gewinnt der Eberswalder in der dritten Runde mit einem K.O.-Schlag. Sein zweiter Kampf bringt ihm sein bislang einziges Unentschieden. Die meisten der nachfolgenden Box-Duelle enden frühzeitig. Rico Müller hat eine ausgesprochen starke rechte Schlaghand, die er einzusetzen weiß. Die bisher einzige Niederlage hat er in Polen einstecken müssen. Das soll eine Ausnahme bleiben, sagt Müller. „Ich will einfach nur gewinnen. Diesen Siegeswillen muss man auch haben, sonst braucht man erst gar nicht in den Ring zu steigen. Man muss an sich selbst glauben, eine gute Kondition haben und auf jeden Kampf gut vorbereitet sein“, lautet der Anspruch, den der 22-Jährige an sich selbst stellt.
Mit Kondition und Training nimmt es Rico Müller sehr genau. Jeden Morgen geht es für mindestens anderthalb Stunde im Laufschritt durch die Brunnenberge. Die Nachmittage verbringt der Weltergewichtler, im Profiboxen ist das ein Körpergewicht bis zu 66,678 Kilogramm, in der Trainingshalle in Berlin-Hellersdorf. Mindestens zwei Stunden wird dort täglich, auch im Sommer, trainiert, teils mit dem Sandsack, teils mit Sparringspartnern. Sport bestimmt zudem Rico Müllers Freizeit. Zu den Hobbys gehören Fahrradfahren und Schwimmen. Partys und Alkohol sind tabu.
„Im Moment bin auch auf der Suche nach Sponsoren, die meine Profikarriere finanziell unterstützen“, hofft der Junior-Weltmeister auf das Quentchen Glück, das ihm ein sorgenfreies Training beschert. Einen Vertrag mit einem Boxstall hat er noch nicht, dafür aber ehrgeizige Ziele. Bis zum Ende des Jahres will er seinen IBO-Gürtel mit dem IBF (International Boxing Federation) -Gürtel vereinen. Wann er dazu die Gelegenheit bekommen wird, steht allerdings noch nicht fest.
Die Musik in Müllers Gewichtsklasse spielt allerdings in Amerika. Dort wird er auch seinen nächsten Kampf bestreiten. Bis jetzt weiß der Eberswalder nur, dass es auch ein junger Boxer sein wird, gegen den er im März in Las Vegas anzutreten hat. Und schon jetzt hat der 22-Jährige den festen Willen, seinen Gegner auf die Bretter zu schicken. Ob Vater Norbert und Freundin Julia, die bei allen Kämpfen mitfiebern und natürlich kräftig die Daumen drücken, dabei sein werden, ist noch ungewiss.
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