Letschin (moz) Mit 40 Jahren hat Heike Ambos noch einmal umgeschult. Von der Restaurantfachfrau zur Bäckermeisterin. Seit sechs Jahren führt sie jetzt die Traditionsbäckerei Kummrow in Letschin. Gestern hatte die Inhaberin gleich zwei Gründe zum Feiern – ihren eigenen Geburtstag und den der Bäckerei. Das Geschäft wurde 110 Jahre alt.
Hand in Hand: So wird seit 110 Jahren in der Bäckerei Kummrow in Letschin gearbeitet. Ernst Kummrow (l.) übergab das Geschäft 2006 an seine Tochter – Bäckermeisterin Heike Ambos (M.).
Zum Glück hat niemand die über 100 Jahre alte Brötchenpresse entsorgt. Unverhofft wurde sie wieder gebraucht. Das war Ende 2009, als erst der altersschwache Backofen im Hof der Familie Kummrow/Ambos explodierte und kurz danach plötzlich auch die Brötchenpresse streikte. Die Bäcker hätten die Semmeln per Hand wiegen und formen müssen. Eine mühselige und zeitaufwendige Arbeit. Die alte Maschine auf dem Dachboden nahm den beiden Bäckern damals viel Aufwand ab.
Solche Geschichten erzählte Michael Ambos gestern. Er machte damit deutlich, dass die vergangenen fünf Jahre nicht immer einfach waren. So lange ist seine Frau Heike Ambos Bäckermeisterin und Inhaberin der Traditionsbäckerei Kummrow in Letschin. Sie führt das Geschäft in vierter Generation. Viel Geld hat die rührige Frau in die Hand genommen, um das Geschäft ihrer Vorfahren zu modernisieren. Zur großen Überraschung der Kunden gab es gestern wieder eine Veränderung: Der Laden war nicht wiederzuerkennen. Er ist komplett umgebaut. Mit viel Holz und Licht, Bodenheizung und Fliesen statt Dielen. Lange war der Umbau vorbereitet. In nur zwei Tagen stellte eine Firma Anfang der Woche die neuen Möbel nun auf – pünktlich zum Jubiliäum, das die Bäckerei Kummrow gestern feierte. Dort wurde mit den Kunden, die unentwegt mit Blumen und guten Wünschen kamen, das 110-jährige Bestehen begangen – und der 46. Geburtstag der Chefin.
Angefangen hat alles mit Ernst Kummrow. Er kam 1901 aus Vierraden in der Uckermark und kaufte das stattliche Haus an der Friedrichstraße. Noch im selben Jahr eröffnete er die Bäckerei und Konditorei. Ebenso wie sein Sohn Julius, der nach dem Ersten Weltkrieg bei ihm lernte und 1955 das Geschäft übernahm, versorgte der Vater Soldaten im Krieg. Beide waren in der Bäckerkompanie. Sie rettete ihnen vermutlich das Leben. Denn die Männer mussten nicht an die Front. Die dritte Generation leitete 1960 Ernst Kummrow ein, der Vater von Heike Ambos. Er lernte das Handwerk in Frankfurt (Oder), machte seinen Meister in Weimar. Dass er einmal Bäcker wird, sagte Kummrow, stand schon in der Schule fest. Die Letschiner Traditionsbäckerei führte er mehr als 40 Jahre. Inzwischen ist er 74 und noch immer zur Stelle, wenn seine Hilfe gebraucht wird. Ernst Kummrow hatte früher so viel zu tun, dass er mit der Arbeit kaum hinterher kam, sagte der Bäckermeister. „Zu Ostzeiten wurden Brot und Brötchen häufig verfuttert.“ Beides zu backen, darin bestand sein Tageswerk. Für feine Torte, auf die sich seine Tochter heute spezialisiert hat, blieb keine Zeit.
Dass Heike Ambos einmal in die Fußstapfen ihres Vaters treten wird, hat sie sich früher nicht träumen lassen. Seit 1989 arbeitete sie als Verkäuferin im Geschäft der Eltern. Mit 40 Jahren sattelte sie um, von der Restaurantfachfrau zur Bäckermeisterin. In ihrem Meisterkurs in Potsdam war sie nicht nur eine der Ältesten, sondern auch die einzige Frau. Dass der Beruf eher Männern zugetraut wird, erfährt sie immer wieder. Auf Märkten oder Messen, wo die Bäckerei die handgemachten Backwaren auch anbietet, wird stets ihr Mann als Chef angesehen. Heike Ambos nimmt es gelassen. „Es gibt ganz offensichtlich zu wenig Bäckermeisterinnen“, sagte sie und lachte. Den Schritt in die Selbstständigkeit, versicherte Heike Ambos gestern, habe sie nie bereut. „Weil neben den bösen Überraschungen vieles gut geklappt hat. Und das liegt vor allem an meiner Familie und meinem Team, auf das ich mich immer verlassen kann.“
Die Gemeindevertreter von Letschin haben den Weg für die Biomethan- und Photovoltaikanlage in Voßberg freigemacht. Sie stimmten der Änderung des Flächennutzungsplans... mehr
Rund 4700 Bücher stehen in dem nur 30 Quadratmeter großen Zimmer neben dem Neutrebbiner Gemeindebüro. Gemeindesekretärin Carola Kleinert ist nebenher... mehr
Der Höhepunkt des diesjährigen Dorffestes war der Stapellauf der „ MS Groß Neuendorf “. Der fand allerdings nicht im Hafen des Oder-Anlieger-Ortes,... mehr
