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21 Türme der Stadt Brandenburg und Umgebung stehen am Sonntag offen

Türmetag ohne Weitblick?

Selten begehbar, heute geöffnet: Der Rathaus-Turm. Da liegt einem die ganze Stadt zu Füßen.  Foto: tms
Selten begehbar, heute geöffnet: Der Rathaus-Turm. Da liegt einem die ganze Stadt zu Füßen. Foto: tms © Foto:
Thomas Messerschmidt / 09.09.2011, 15:30 Uhr - Aktualisiert 09.09.2011, 15:52
Brandenburg/Havel (MZV) Ob Wasserturm Kirchmöser, Altstädtisches Rathaus oder Kirchtürme - wie gewohnt geraten am zweiten Sonntag im September Stadt und Umland ins Blickfeld.

„Der Türme-Tag findet jährlich am zweiten Sonntag im September zusammen mit dem „Tag des offenen Denkmals“ statt. In diesem Jahr feiert der Türme-Tag am 11. September 2011 sein elftes Jubiläum. Die Besucher sind eingeladen, die faszinierenden Ausblicke auf die Stadt- und Umgebung zu genießen“, wirbt die STG Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft Brandenburg an der Havel mbH.

Die Einladung klingt so verlockend wie vertraut, würde nicht in 6.400 Kilometer Entfernung ein sogenannter „Türmetag“ ganz andere Emotionen hervorrufen. Weltweit, vor allem aber in New York, Washington und Pennsylvania wird heute der 3.000 Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 gedacht.

Sind weltweite Wut und Trauer mit den gutgelaunten Sonntagsausflügen in Brandenburg an der Havel vereinbar? Nein, meint CDU-Nachwuchspolitiker Jacob Schrot. In einem offenen Brief wandte er sich an Uli Krieg, den Vorsitzenden des Türmetag-organisierenden Stadtmarketing e.V.: „Dieser Tag ist emotional, gedanklich und symbolisch zu besetzt, als dass man eine solche Veranstaltung anbieten kann“, ist Schrot überzeugt und bittet darum, den Türmetag künftig nicht mehr auf den 11. September zu legen. Bürger aus Jena, Frankfurt/Oder, Stuttgart und München hätten ihn bereits darauf angesprochen und ihre große Verwunderung über diese Terminwahl zum Ausdruck gebracht. „Offensichtlich spricht es sich herum, dass Brandenburg an der Havel im Gedenken an 9/11 ausschert. Das kann nicht im Interesse der Stadtvermarktung sein.“

„Ja, im ersten Augenblick zuckt man, wenn man von einem Türmetag in Brandenburg am 11. September hört“, gesteht Uli Krieg. Im Vorstand habe man darüber diskutiert und sich dennoch für die Bewahrung der Tradition entschieden - „die wohlgemerkt nicht auf dem 11. September, sondern auf dem zweiten Sonntag im September und die Kopplung an den in Deutschland seit 1993 stattfindenden Tag des offenen Denkmals basiert. Der wiederum fußt auf dem vom Europarat 1991 ausgerufenen European Heritage Day, der die Öffentlichkeit fürs kulturelle Erbe und Belange der Denkmalpflege begeistern soll. Dem Ansinnen folgten letztes Jahr 49 Länder und bundesweit 4,5 Mio. Besucher. Würde der Terror solche Traditionen aushebeln, hätte der Terrorissmus ja doch irgendwie Siege davongetragen.“

Demnach bliebe der „Türmetag“ eine Frage der Begrifflichkeit, die sich zum 11. September 2011 stellt, abermals 2016 und 2022, „jedoch auch schon am 11. September 2005 hätte diskutiert werden müssen. Denn schon einmal fiel der sonntägliche Türmetag auf einen 11. September - ohne öffentliche Diskussionen.“ Was also tun? Den Türmetag umbenennen, umdatieren oder die Tradition akzeptieren?

Jacob Schrot schreibt: „Gleichzeitig bitte ich Sie darum, weiterhin so engagiert den Türmetag der Stadt Brandenburg an der Havel voranzutreiben, denn er ist mittlerweile fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Stadt.“ Nur soll er eben nicht am 11. September stattfinden. Uli Krieg verspricht: „Wir werden das nochmals im Vorstand besprechen. Die Mehrheit entscheidet.“

Vielleicht hinterlassen ja auch die Besucher des heutigen 11. Türmetages Hinweise, wie mit dem Datum umzugehen ist - möglich ist‘s an folgenden Orten (zumeist 10-18 Uhr: St. Gotthardtkirche und Dom (ab 12 Uhr), Rathenower Torturm, Altstädtisches Rathaus, Steintorturm, Alte Feuerwache, Zielturm Regattastrecke, FHB-Technikgebäude (ab 12 Uhr), Dom, Kirchen in Neuendorf, Kirchmöser West (ab 14 Uhr), Plaue (ab 12 Uhr), Lünow, Klein Kreutz und Saaringen (ab 12 Uhr), Brielow, Reckahn und Radewege (ab 11 Uhr), Ketzür, Butzow, Kunstmühle Mötzow (ab 12 Uhr).

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