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Rheinsberg: Reste einer Handwerkersiedlung gefunden

15.04.2011, 06:13 Uhr - Aktualisiert 15.04.2011, 06:13
rheinsberg () Rheinsberg (hr) – Gut erhaltene Reste einer mittelalterlichen Handwerkersiedlung haben Archäologen im Erdreich unter der Rheinsberger Remise gefunden. Seit Montag untersuchen sie den Boden, um die Funde zu dokumentieren, bevor das Gebäude saniert wird.

Archäologe Peter Lutz vom Büro ABD-Dressler aus Glienicke/Nordbahn ist erstaunt: „Wir haben hier fast ungestörtes Mittelalter gefunden.“ Oft sei es so, dass Leitungen die ursprüngliche Situation verändert haben. Doch unterhalb der Remise sei offensichtlich seit Jahrhunderten nichts passiert.

50 bis 60 Zentimeter tief fanden die Fachleute dunkle bis fast schwarze Schichten. Die Färbung verrät ihnen, dass Material mit Hitze bearbeitet und Holzkohle eingesetzt wurde. Dass dort im Zeitraum zwischen 1200 und 1500 ein Ofen stand, steht für den Archäologen Matthias Pytlik fest. Nicht absolut klar ist, um welches Handwerk es sich handelt. Ein aufgefundener Kalkbrocken deutet aber darauf hin, dass es Kalkbrenner gewesen sein können. Gefunden haben die Forscher auch einen fast komplett erhaltenen Topf aus dem Mittelalter.

In der kommenden Woche wollen die Archäologen das restliche Erdreich unter der Remise untersuchen. Sicher sind sie sich bereits, dass die Herdstellen zur Handwerkersiedlung der damaligen Burg Rheinsberg gehörten, die etwa dort stand, wo sich heute das Schloss befindet. Pytlik: „In der Nähe einer Burg fielen immer Arbeiten für Handwerker an.“

Wenn der gesamte Boden untersucht ist, wird er exakt vermessen. Alle Fundstellen werden kartografiert. Wie schon beim Schlossvorplatz, für dessen Untersuchung ebenfalls ABD-Dressler verantwortlich zeichnet, wird auch diesmal mit Lasertechnik das gesamte Gelände im aufgebuddelten Zustand für die Nachwelt als dreidimensionales Video erhalten. Lutz: „Das ist das Neuste auf diesem Gebiet. Die Fundstelle lässt sich praktisch virtuell begehen.“

Außerdem machen die Archäologen Fotos, ehe das Gelände mit einer Schicht Sand verschlossen wird. Auf sie soll schon bald der neue Fußboden aufgetragen werden. Bis zum Jahresende wird die Remise, in der sich bis vor wenigen Jahren die Feuerwache befand, umgebaut werden. Es ist geplant, dort die Tourist-Information und einen Ausstellungsraum für verschiedene ortsansässige Vereine unterzubringen.

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