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Melanie Reinsch 08.11.2011 19:25 Uhr
Red. Eberswalde, eberswalde-red@moz.de

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Stiefeldehner und Spritzkuchen

Eberswalde (MOZ) Der Tag der Erfinder soll an die Erfinder der Vergangenheit erinnern und einen Blick auf aktuelle Schöpfungen werfen. Findige Geister mit Hang zum Experimentieren gab und gibt es auch in Eberswalde.

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Spritzkuchen eine Erfindung aus Eberswalde

© MOZ/Thomas Burckhardt

Der süße Leckerbissen hat sich längst über die Barnimer Grenzen einen Namen gemacht. Spritzkuchen sind mindestens so bekannt wie Pfannkuchen, Schweinsohr oder Bienenstich. Dass das leckere Gebäck vor 170 Jahren in Eberswalde erfunden wurde, wissen vermutlich nur alteingesessene Barnimer. Der Spritzkuchen ist nämlich eine Erfindung von Gustav Louis Zietemann. Mit dem Satz „Eberswalder Spritzkuchen gefällig?“, lief der Konditor im Jahr 1842 durch die Bahnabteile auf der Linie Berlin-Neustadt-Eberswalde und verkaufte sein Gebäck an die Reisenden – als essbare Werbeträger.

Nicht ganz so schmackhaft, dafür umso praktischer ging es bei der Schöpfung von August von Marquardt zu. Er erfand im Jahr 1797 in Neustadt-Eberswalde die Lötlampe – eine selbst blasende Lötlampe, die Goldschmieden und Glasbläsern die Arbeit erleichterte. Zuvor mussten diese mit der eigenen Luft aus dem Mund die Lampe anfeuern – den Arbeitern ging schnell die Puste aus.

Fast 50 000 bundesweite Patentanmeldungen verzeichnete das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) mit Hauptsitz in München im Jahr 2010 in Deutschland – nur 301 davon gingen allerdings auf Brandenburger Konten. Im Jahr davor waren es noch 354.

Die Wiege der Erfinder liegt wohl Baden-Württemberg: ?30 Prozent aller Patente kamen aus dem südlichen Bundesland.

Dabei sind die meisten Erfindungen aber für Laien lange nicht so spektakulär wie für diejenigen, die sie für ihre tägliche Arbeit einsetzen können.

In der Online-Datenbank des DPMA findet man auch zahlreiche Eberswalder Patentanmeldungen: 219 Einträge spuckt das System aus, wenn man unter Eberswalde sucht. Das heißt, dass der Erfinder oder Pateninhaber in der Stadt wohnt.

Da ist zum Beispiel die Patentschrift 1053544 aus dem Jahr 1956, die die Erfindung einer „Gleisbaumaschine zum Verlegen und Aufnehmen von Gleisjochen“ vermerkt – von Anton Ritter und Hermann Brandes, patentiert für VEB Kranbau Eberswalde.

Interessant für den Otto-Normalverbraucher dagegen ist die Anmeldung aus dem Jahr 1993: „Diebstahlsicherung für Personenkraftwagen und Nutzkraftwagen“, heißt es da. Der findige Geist Wolfgang Becker aus Finow hat sich eine Rücklehne für den Fahrersitz ausgedacht, die nach vorne klappt und mit einer Mechanik festgestellt wird. Ein Schloss verhindert, dass sie wieder zurückgestellt wird. Wer gewaltsam an ihr reißt, löst einen Alarm aus.

Trinkmüslitabs erfanden 2004 Jörn Albrecht aus Eberswalde und Oliver Fritsche aus Lichterfelde. Die „Tabs“ beinhalten gemahlenes Müsli, das sich unter der Beimischung von Flüssigkeiten auflöst – gesundes Fast Food sozusagen.

„Stiefelschaft zu eng oder Wade zu stramm?“, fragte der Eberswalder Erich Bindig vor drei Jahren und konstruierte einen sechsteiligen Stiefeldehner.

In diesem Jahr findet das System insgesamt sechs Patente unter dem Stichpunkt Eberswalde. Das jüngste Patent wurde im April von der Patentabteilung veröffentlicht. Ralf Domrös erfand eine „Vorrichtung und ein Verfahren zum Schmieren und/oder Kühlen von Aerosolverbrauchern“ – offensichtlich keine Erfindung für den täglichen Hausgebrauch.

Die letzten offiziellen Zahlen der Statistikabteilung des DPMA liegen ein paar Jahre zurück. So gab es im Jahr 2005 im Barnim 24 Patentanmeldungen, davon kamen sieben aus Eberswalde und Schwedt.

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