Seelow (MOZ) Im voll besetzten Kreiskulturhaus haben am Freitag Schüler, Lehrer und viele Kooperationspartner das 50-jährige Bestehen der Seelower Förderschule gefeiert. Der Festveranstaltung folgte am Nachmittag im Schulhaus ein Tag der offenen Tür mit vielen Angeboten.
Strahlende Kleeblätter: Alle Klassenstufen hatten für das große Festprogramm im Kreiskulturhaus Stücke, Tänze und Musikdarbietungen eingeübt. Die Kleeblätter tauchten als Markenzeichen der Schule immer wieder auf.
Es wird erst einmal gespenstisch auf der Bühne. Anton und Andreas haben das Sagen. Sie klären die Gäste schnell auf: Zu jeder Schule gehört auch ein Schulgespenst. Anton geistert schon seit 51 Jahren durchs Haus. Er kam 1986 mit nach Seelow in die neue Schule unweit des Senders, die natürlich ihr eigenes Gespenst hatte - Andreas. Beide verstehen sich prächtig und sorgen immer wieder mal für einige Neckereien und merkwürdige Situationen.
Klar, dass sie beim Festprogramm nicht fehlen dürfen. Beide führen durch den Vormittag. Viele Tage haben sich die 125 Schüler und ihre 19 Lehrer auf diesen Höhepunkt vorbereitet. Jede Klassenstufe steuert etwas dabei. Es wurde geprobt, getanzt, gesungen, in Werkstätten gehämmert, gebohrt, geklebt. Alle Requisiten für die einzelnen Programmpunkte haben die Schüler selbst gebastelt.
Immer wieder taucht das vierblättrige Kleeblatt auf - das Markenzeichen und der Namensgeber der Schule. Das allein müsse einfach Glück bringen, ist der prominenteste Gast des Tages, Landtagspräsident Gunter Fritsch, überzeugt. Er verweist auf die besondere Aufgabe der Einrichtung, deren wichtigster Auftrag es sei, Kindern die Türen ins Leben zu öffnen. Er wisse um die Unsicherheit gerade in Förderschulen. Das Thema Inklusion (Integration) mache seit Monaten die Runde. Es sei keine Erfindung des Landes, sondern der Uno. Sie wolle, dass alle Kinder gleiche Bildungschancen haben, erklärt Fritsch. Das erfordere entsprechenden Rahmenbedingungen. "Darüber diskutieren wir jetzt im Land", sagt er. Dabei werde es keine Schablone geben "und die Schüler werden nicht einfach aufgeteilt", versichert Gunter Fritsch. Auch für Seelow werde sich eine für alle Schüler geeignete Form finden.
Nach ihrer kurzen Festrede schneidet Schulleiterin Simona Koß mit ihren Hostessen die Geburtstagstorte an. Auch Renate West bekommt ein Stück überreicht. Sie hatte 1960 als erste Lehrerin ihren Arbeitsvertrag für die damalige Zentrale Sonderschule Golzow unterzeichnet. Mit 48 Kindern in drei Klassen startete die Schule. Zu denen, die sie mit prägten, gehörte ebenso Annakatharina Schulz, die seit 1974 lehrte und von 1984 bis 2006 die Schule leitete. Ihr schönstes Erlebnis habe sie den Schülern schon in der Projektwoche ins Mikro diktiert, sagt sie. Das sei jener Tag gewesen, als der Kreistag Seelow nach der Wende den Beschluss fasste, dass die Förderschule in ihrem Schulhaus bleibt. Damals wurde über Nacht sowohl im Gymnasium als auch in der Grundschule der Platz knapp. Es wurde wochenlang heftig über einen Umzug debattiert.
Heute ist die Schule eine moderne sonderpädagogische Einrichtung mit besten Lehr- und Lernbedingungen. Der Landkreis als Schulträger hat in den letzten vier Jahren fast zwei Millionen Euro investiert - in die Fassade und in die Außenlagen einschließlich Sport- und Spielplatz. Derzeit wird für 150 000 Euro die Schulsporthalle saniert und im nächsten Jahr sind 250 000 Euro für Innenarbeiten geplant.
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