Auf dem genannten Papier sind alle Bahnhöfe notiert, kategorisiert in Gruppen von A bis D -auch der Medewitzer. "Er wird unter D geführt, aber ziemlich weit oben", so der Landespolitiker. Damit gehört der Haltepunkt zu den mehr als 60 Bahnhöfen im Land, die als "nachfrageschwach" klassifiziert wurden.
Zuvor hatten mehr als 150 Einwohner aus Medewitz und Medewitzerhütten den Bündnisgrünen Politiker punkt 16.28 Uhr vom Bahnhof abgeholt und setzten damit ein deutliches Zeichen für den Erhalt der Station.
Jungclaus ist derzeit auf Brandenburger-Bahnhofstour unterwegs und plant bis zum Jahresende die über 60 Bahnstationen im Land zu besuchen, die mit weniger als 50 Ein- und Aussteigenden pro Tag durch die Landesregierung als nachfrageschwache Bahnstationen deklariert wurden - und deren Zukunft damit in Frage gestellt ist.
In Medewitz sind es nach Aussage des Politikers an Wochentagen konkret 51 Ein- und Ausstiege und an den Wochenenden 25, die zur Einstufung geführt haben. Derzeit dürften jedoch noch weniger Menschen den Bahnhof nutzen, weil die letzte Zählung vor der Abschaffung des Stundentaktes erfolgte. Und genau diese Entscheidung sorgt seit Dezember 2013, als mit dem Fahrplanwechsel die Einführung des Zweistundentaktes erfolgte, für Verärgerung unter den Bahnnutzern. Viele von ihnen sind dadurch gezwungen, auf die Nachbarbahnhöfe in Wiesenburg/Mark oder Jeber-Bergfrieden ausweichen.
Jungclaus zeigte sich während der 90-minütigen Gesprächsrunde mit den Einwohnern als sehr aufmerksamer Zuhörer, der das Gespräch mit Anwohnern, Bürgermeistern und Ortsvorstehern sucht.
"Man muss die Situation vor Ort kennen, Statistiken helfen nicht weiter", sagt er über die Hintergründe seiner Bahnhofstour - fernab des Berlin nahen Raumes. Auf den Hinweis eines Anwohners, dass der Bahnhof Medewitz der letzte vor der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt sei und die Einwohner die keinen PKW besitzen ohne die Bahn von allem abgeschnitten sind - weil nur der Schulbus die Orte anfährt - bemerkte der Landespolitiker: "Diese Randlage war bislang noch gar nicht so bewusst". Damit die Lebensader Bahnhof erhalten bleibt und der Stundentakt wieder eingeführt wird, wollen die Einwohner der beiden Dörfer auch in den kommenden Tagen und Wochen Unterschriften sammeln. Michael Jungclaus ermunterte sie dazu.