"Von 1989 bis 1992 haben wir in dem Haus gewohnt", sagt Margot Blassikewitz, "und unsere Kinder sind hier in die Krippe und in den Kindergarten gegangen."Die Kinder von Georg und Margot Blassikewitz sitzen aufgereiht auf der Bank neben der Seniorin vor dem Schloss Neuenhagen: Tochter Sieglinde Wesner und Enkelin Ina Wesner, die heute in Beiersdorf lebt. Und sie hat nicht nur ihre Schwägerin Maria Nemitz mitgebracht, sondern im Kinderwagen auch die acht Wochen alte Lieselotte, die Urenkelin des Ehepaars Blassikewitz. "Ja, wir sind alte Neuenhagener, aber nicht hier geboren", bekennt der Uropa.
Lieselotte wird nicht im Schloss Neuenhagen die Kinderkrippe besuchen können, denn dort im Obergeschoss, wo die Knirpse in Dreiergruppen auf Klappstühlchen um runde Tische saßen, wohnen heute Christina Bohin und Andreas Unterberger mit ihren Kindern und dem Hund Gustav. Die neuen Eigentümer des Schlosses freuen sich über das Interesse von Dutzenden Besuchern aus nah und fern zum Tag des offenen Denkmals am Sonntagnachmittag. "Wir wollen ja das Schloss von Anfang an nicht zu unserem Privatrefugium unter Ausschluss der Öffentlichkeit machen, ganz im Gegenteil", sagt die professionelle Fotografin mit Wurzeln in Regensburg (www.glamour-rose.de). Daher beteiligen sich die neuen Eigentümer auch gern am Tag des offenen Denkmals, zumal sie sich dabei auf die Unterstützung des Schlossvereins und des Frauenvereins Neuenhagen verlassen können. Nicht nur beide Vorsitzende - Elvira Kleest und Nora Zeuge - sind in historische Trachten gekleidet. Sie führen die Besucher sachkundig durch das Gemäuer des ältesten festen Hauses der Neuenhagener Insel.
Auch Christina Bohin und Andreas Unterberger zeigen gern, welche interessanten baulichen Details im Zuge der Sanierung von den Mitarbeitern der Bad Freienwalder Baufirma Frank Seltenheim freigelegt wurden. Seit wenigen Tagen ist auch die ganze der Neuenhagener Kirche zugewandte Rückfront des Hauses eingerüstet. "Ja", bestätigt Christina Bohin, "wir beginnen doch jetzt schon mit der denkmalgerechten Fassadensanierung."
Die Gäste kommen nach Neuenhagen nicht nur zahlreich aus dem Dorf, sondern auch aus Berlin und dem Havelland. Das verraten die Kennzeichen der Autos, die sich auf dem Vorplatz drängen. Viele Besucher lassen sich den vom Frauenverein gebackenen frischen Blechkuchen schmecken. Und viele besuchen das Gemeindezentrum in der ehemaligen Schule in der Gorkistraße, wo die Räume der Dorfchronisten mit ihren Sachzeugen der Geschichte zu besichtigen sind. Der Gründungsvater des Schlossvereins, Siegbert Schulze, ist eigens aus seinem neuen Wohnort Meyenburg gekommen, um mit Susanne Hoffmann Interessenten Einblicke in die Chronik, die vor allem von vielen Fotos und Dokumenten lebt, zu ermöglichen.
Einblicke in die Geschichte der Ziegelproduktion erhalten wenige Kilometer weiter die Besucher des Hoffmannschen Ringofens von 1878 in Altglietzen. "Und wie viele Mitarbeiter waren zum Schluss hier beschäftigt?", fragt ein Gast den Leiter der Führung Klaus Hannemann. "Fünfundzwanzig", antwortet er ohne Zögern. Kunststück, er war der letzte Betriebsleiter, als 1985 das letzte Feuer in den Brennkammern des Ringofens gelöscht wurde. Bei schönstem Sommerwetter haben sich vor allem Radfahrer aus umliegenden Orten eingefunden, aber auch Berliner Besucher biegen von der Chaussee ab. Die allermeisten aber fahren über die Grenze zum Tanken.