Der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, verspätete sich zu der feierlichen Abnahme des Einleitbauwerks durch Brandenburgs Agrar- und Umweltstaatssekretär Dietmar Schulze. "Ich kam vier Minuten zu spät, weil ich an der Alten Oder entlang fuhr und über die Sorgen von 1997 nachdachte", erklärte Matthias Freude augenzwinkernd bei seiner kurzen Begrüßungsrede vor rund 50 Gästen am Deich. "Ich dachte: Schön, dass wir das Oderbruch dicht haben. Das hat uns Sicherheit gebracht." Freude bekräftigte, dass mit der Aufhebung der 177 Jahre währenden Trennung des Hauptstroms von seinem Nebenarm auch mehr Lebensqualität ins Oderbuch käme.
Von einem historischen Moment sprach Umweltstaatssekretär Dietmar Schulze. "Wir schreiben hier Geschichte. Über viele Jahre war es kein Thema die alte Oder anzuschließen. Für die Leute gab es keinen Grund dazu." In einem mehrjährigen Planungsprozess hatte das Land Brandenburg die Baumaßnahmen mit der Republik Polen abgestimmt. Schulze erinnerte an die Befürchtungen im Nachbarland. "Es gab nicht immer Einigkeit", so der Staatssekretär. Doch die Bedenken habe man ausräumen können, auch die Angst, dass durch das Einleitbauwerk Niedrigwasser im Hauptstrom entstehen könne, so Schulze.
Nach der Planung des brandenburgischen Umweltministeriums waren für das Werk rund 500 000 Euro und eine Bauzeit von neun Monaten veranschlagt worden, doch am Ende kostete es dreimal so viel und die Errichtung dauerte ein Jahr länger. Der Geschäftsführer der Bauausführenden Firma Ingenieur Wasser und Tiefbau, Kai Hermann, begründete die zeitliche Verzögerung durch schlechte Witterung und hohe Wasserstände. "Wir hatten deshalb rund zwei Monate Stillstand", erklärte Hermann. Dem Ingenieur, der zudem Ortsvorsteher von Groß Neuendorf ist, stand die Freude über die bevorstehende Inbetriebnahme förmlich ins Gesicht geschrieben. "Ich bin stolz auf das Werk, weil wir so etwas in dieser Form das erste Mal gebaut haben und alle beteiligten Firmen vor Ort sehr gut zusammen gearbeitet haben." Deshalb bezeichnete er das Einleitbauwerk auch als "Edelstein auf der Spur der Steine", die seine Firma erbaut habe.
Bei dem "Edelstein" handelt es sich um drei durch den Oderdeich getriebene 39 Meter lange Röhren. Sie münden jenseits des Dammes in die sogenannte Schiebekammer, in der durch einen Verschlussmechanismus bis zu 1200 Liter Wasser pro Sekunde in die Alte Oder fließen können. "Die Regulierung ist abhängig vom Wasserstand", erklärte Oberbauleiter Günter Wartenberg vom Landesumweltamt.
Die Trennung der Alten Oder im Jahre1832 von der Hauptoder bewirkte, dass sie allmählich verlandete. Durch die neue Verbindung will man erreichen, dass durch die zusätzliche Wasserzufuhr aus dem großen Strom in den Seitenarm die Natur im gesamten Gebiet bis nach Beauregard und Altwriezen wiederbelebt wird. "Es geht hierbei nicht nur um die Verbesserung der Wassergüte", so Reinhard Marschler, Leiter des Umweltamtes Märkisch-Oderland. "Die Durchströmung hat enormen Nutzen für den Radtourismus. Es entstehen attraktive Landschaften." Marschler stellte sogar in Aussicht, dass eines Tages wieder Kanufahrer auf der Alten Oder unterwegs sein könnten.
Nachdem Staatssekretär Schulze, die SPD-Landtagsabgeordnete Jutta Lieske, der ehemalige Landrat Jürgen Reinking und Matthias Freude die Startknöpfe drückten, konnten die Anwesenden sehen und hören, wie erstmals seit 177 Jahren wieder Wasser in die Alte Oder floss.