Die Ankündigung einer Fusion - in den Amtsstuben der beiden Verwaltungen in der Oderbruchstadt Wriezen hatte erste Sorgenfalten verursacht. Würden die Arbeitsplätze erhalten bleiben? Diese Sorgen wollen die Verhandlungsführer aus Wriezen den Angestellten nehmen. "An der Personalstruktur wird sich nichts ändern. Wir sind alle daran interessiert, auch zukünftig Fachleute vor Ort zu halten", stellte Peter Küster, Stadtverordnetenvorsteher von Wriezen, klar.
Darüber hinaus aber gestaltet sich der lange Prozess eines Zusammenrückens als ein holpriger Weg. Darauf machten bei der zweiten Verhandlungsrunde vor allem auch die beiden Hauptverwaltungsbeamten, Bürgermeister Uwe Siebert und Amtsdirektor Karsten Birkholz, aufmerksam. "Wir wissen noch nicht, welche Schwierigkeiten im Detail auf uns warten. Daher werden wir ohne externen Rat vonseiten des Landes nicht auskommen", erklärte Karsten Birkholz. Einer der nächsten Schritte sei darum zwingend eine fachliche Beratung, die aufzeigen könnte, worauf zu achten sein wird, wenn aus zwei Verwaltungseinheiten eine werden soll.
Die Unterschiede oder gar die Schwierigkeiten wollte Wriezens Bürgermeister indes noch gar nicht betonen. Gemeindeübergreifend zusammenzuarbeiten sei das Gebot der Stunde, mit dem Amt werde es nun jedoch viel intensiver betrieben. Dass dabei weniger eine innige Zuneigung, sondern eher schlichte Notwendigkeit den Prozess in Gang hält, verschwieg Uwe Siebert nicht. "Es ist eine Vernunftehe, bei der der Amtsdirektor und ich vielleicht Trauzeugen sein werden. Aber die Abgeordneten legen den Weg fest, in welche Richtung die Ehe gehen wird", sagte er. "Zugewinngemeinschaft", nannte hingegen der Jurist und Amtsdirektor Karsten Birkholz das, was am Ende des Fusionsprozesses herauskommen soll. Beide Seiten sollen profitieren und sich in der neuen Verwaltungseinheit wiederfinden. Ob im Amt, in der Stadt oder gar in einer neu zu schaffenden Form, das bleibt auch nach der zweiten Verhandlungsrunde offen.
"Uns ist in dieser Sitzung bewusst geworden, dass bei dem Prozess der Teufel im Detail steckt. Auch wenn einige Abgeordnete so schnell wie möglich Fakten schaffen wollen, so wird noch eine Menge Arbeit, vor allem auf die Verwaltungen, zukommen", schätzte Amtsausschussvorsitzender Rudolf Schlothauer ein. Eine enge Zusammenarbeit, wie etwa bei der Feuerwehr, sei unkompliziert zu bewerkstelligen. Das neue Feuerwehrfahrzeug, das das Amt anschaffen werde, könne zukünftig gemeinsam genutzt werden. Schwieriger werde indes eine Zusammenlegung von Ämtern oder die gemeinsame Bearbeitung von Verwaltungsaufgaben. Unterschiedliche technische Voraussetzungen würden nur eine Hürde darstellen, so Schlothauer.
Bei den Bürgern seien die Beratungen zu einer Fusion positiv aufgenommen worden, berichteten die Verhandlungsführer. So sei man weiterhin bestrebt, sie aktiv in die Beratungen einzubeziehen. Im jetzigen Stadium der Verhandlungen sei das aber noch viel zu früh. "Wir sind noch längst nicht soweit, dass wir den Bürgern irgendetwas vorstellen können", sagte Bürgermeister Uwe Siebert. Bisher würden erst einmal die Grundlagen geschaffen. "Die Einsicht in die Notwendigkeit ist seit Langem bekannt, aber es wird auf die Umsetzung ankommen. Und das klappt nur, wenn der absolute Wille aller Beteiligten da ist", so Karsten Birkholz. Rudolf Schlothauer glaubt, dass die Menschen schon noch kommen werden. "Sie werden die Tragweite dessen, über das wir reden, erst richtig verstehen, wenn es für sie konkret fassbar wird."
Bereits im Juni wollen sich die Abgeordneten sowie Bürgermeister und Amtsdirektor, die nun fest zum Gremium zählen, wiedertreffen. Und sich unter anderem darüber austauschen, wie bestimmte Aufgaben in Stadt und Amt organisiert werden.