Die Dorfakademie Höhenland des Vereins Landblüte in Wölsickendorf ist das Demografie-Beispiel des Monats November des Landes Brandenburg. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) überreichte die Auszeichnung am Donnerstagnachmittag Ingrid Seiffarth, Gründerin der Dorfakademie.
Vor dem Gutshaus in Wölsickendorf, derzeit eine Baustelle, wurde es eng am Donnerstagnachmittag, als der Ministerpräsident und seine Begleiter mit ihren dunklen Limousinen vorfuhren. An einen Tisch im großen Saal warteten Ingrid Seiffarth und ihre Mitstreiter sowie Höhenlands Bürgermeister Helga Kowatzky und Ortsvorsteher Jörg Schleinitz gespannt auf den Landesvater, der zusammen mit Landrat Gernot (SPD), den Verein Landblüte im Gutshaus aufsucht.
Interessiert erkundigte sich Platzecknach den Anfängen der Dorfakademie. Die Kinder aus den Dörfern könnten an den Angeboten der umliegenden Städte nicht teilhaben, erklärte die Gründerin der Dorfakademie. „Eberswalde ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen, nach Bad Freienwalde fährt morgens ein Bus, man kommt aber abends nicht mehr zurück“, sagte Ingrid Seiffarth. In den Dörfern leben viele Menschen, die Spezialkenntnisse haben und sie gerne an Kinder und Erwachsene weitergeben. So hat Ingrid Seiffarth Dozentinnen gewinnen können, die ehrenamtlich Lehrgänge, Workshops und Seminare für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene anbieten. Darunter ist Rettungsassistentin Elke Meister, die den Kinder ein paar Erste-Hilfe-Tipps gibt oder die promovierte Chemikerin Ingrid Bock, die Schulklassen Kräuterkunde vermittelt.
Platzeck lobte das Engagement der Vereinsmitglieder. „Die Devise des Vereins ,Veränderung durch Handeln‘ bringt es auf den Punkt. Die Herausforderungen des demografischen Wandels können nur gemeistert werden, wenn die Menschen vor Ort selbst die Initiative ergreifen und ihr Lebensumfeld mitgestalten“, sagte der Ministerpräsident. Die Dorfakademie zeige beispielhaft, wie auch im ländlichen Raum durch Aktivierung der eigenen Ressourcen attraktive und für alle erreichbare Bildungsmöglichkeiten angeboten werden können. „Das ist ein wichtiger Ansatz, um junge Leute zum Bleiben zu motivieren“, betont Platzeck.
Er dankte der Vereinsvorsitzenden Ingrid Seiffarth für ihr unermüdliches Engagement: „Durch das Projekt Dorfakademie ist das Zusammengehörigkeitsgefühl gewachsen – zum Wohle für alle“, so Platzeck. Die Wölsickendorfer Initiative habe sich inzwischen sogar bundesweit herumgesprochen. Als einer von drei Finalisten sei die Dorfakademie für die Kategorie „Alltagshelden“ des Deutschen Bürgerpreises 2011 nominiert. Für die Entscheidung am 29. November drücke ich fest die Daumen“, so der Ministerpräsident.
600 bis 800 Menschen nutzen inzwischen jährliche das Angebot der 40 ehrenamtlichen Dozenten der Dorfakademie, das um die 60 Angebote umfasst. Wichtig für die Arbeit des Vereins ist die Kooperation mit Partnern wie den Grundschulen der Region, die Stephanus-Stiftung, die Stiftung sozialpädagogisches Institut (SPI) mit dem OFFI in Bad Freienwalde und der Gemeinde Höhenland, die dem Verein das Gutshaus Wölsickendorf kostenlos zur Verfügung stellt. Der Verein zog im 2004 von Fredersdorf nach Wölsickendorf, 2005 startete die Dorfakademie.
Ingrid Seiffarth nutzte die Gunst der Stunde, denn der Preis ist nicht mit Geld verbunden. Sie bat den Ministerpräsident um Lottomittel, damit sich der Verein einen gebrauchten Kleinbus kaufen zu könne, um Kinder aus dem umliegenden Dörfern besser an den Veranstaltungen teilhaben zu lassen. Platzeck schluckte zuerst ein wenig, sagte dann aber für das nächste Jahr spontan einen Beitrag von bis zu 5000 Euro aus Lottomitteln zu.