Ist es Liebe, die Amt und Stadt näher zusammenrücken lässt? Nein, aber Sympathie untereinander. Und sicher auch die Gewissheit, dass in Zeiten knapper Kassen und schrumpfender Förderungen von Land und Bund nur gemeinsam die Region zukunftsfähig ist. Das jedenfalls geben die Verantwortlichen, Amtsausschussvorsitzender Rudolf Schlothauer und Stadtverordnetenvorsteher Peter Küster, als Gründe für den neuen Fusionsvorstoß an. "Bevor wir vom Land eine Struktur aufgezwungen bekommen, wollen wir rechtzeitig und unter unseren Bedingungen zusammenfinden", sagt Peter Küster. Und Rudolf Schlothauer ergänzt: "Wir arbeiten bereits auf vielen Gebieten erfolgreich zusammen. Abgesehen von Sparzwang und Finanznot sind wir uns einig darüber, dass wir das ausbauen müssen."
Bei Abgeordneten und inzwischen auch in der Bevölkerung ist vermehrt der Wunsch zu hören, das Amt und die Stadt sollten sich vereint den Herausforderungen der Zukunft stellen. Als Beispiel nennt Schlothauer die beiden Verwaltungssitze, die nur wenige hundert Meter voneinander entfernt in Wriezen angesiedelt sind. Die beiden Häuser in der Frankfurter Straße sind dabei zu einem Symbol geworden. Uneffektiv und damit überflüssig, sind die Vokabeln, die von vielen Seiten genannt werden. Zwei Amtsstuben, die mit ihrem Personalstamm rund 7000 Einwohner aus dem Amt und knapp 8000 Wriezener verwalten, bergen Sparpotenzial.
Doch eine Fusion, das wissen insbesondere die Verhandlungsführer, ist ein steiniger Weg. Drei Stunden haben die Mitglieder der Gremien kürzlich darüber beraten. Die Verwaltungsbeamten, Amtsdirektor Karsten Birkholz und Bürgermeister Uwe Siebert, blieben erst einmal außen vor. Frei und ungezwungen sollten sich die Lokalpolitiker äußern können. "Und nicht ein einziger von ihnen ist gänzlich anderer Meinung gewesen", berichtet Schlothauer. Als konstruktiv und positiv bezeichnet auch Küster das erste Treffen dieser Art. "Wir haben bewusst keine Entscheidung darüber treffen wollen, in welcher Form wir gemeinsam firmieren wollen, ob als Stadt oder als Amt. Da wird es in der Folge der Verhandlungen noch Kompromisse geben müssen", so der Stadtverordnetenvorsteher von Wriezen. Denn ob Stadt oder Amt - für die jeweiligen politischen Vertreter würde das Einschnitte bzw. neue Verantwortung bedeuten. So haben die Bürgermeister der sechs amtsangehörigen Gemeinden von Barnim-Oderbruch bisher Finanz- und Satzungshoheit, sie können in den Gemeindevertretungen die Geschicke ihrer Gemeinden direkt lenken. Wird das Stadtmodell favorisiert, würden sie zu Ortsvorstehern degradiert, die der Stadtverordnetenversammlung unterstellt wären. Befürworter des Stadtmodells hingegen argumentieren mit einer strafferen Organisation und höherer Effektivität, wenn Entscheidungen nicht in kleinteiligen, stufenförmig angeordneten Gremien, sondern lediglich in einer demokratischen Institution, der Stadtverordnetenversammlung, getroffen würden. Eine Entscheidung für das eine oder das andere Modell, werde also erst einmal ausgeklammert und am Ende des Fusionsprozesses stehen.
Wie eine gemeinsame Entwicklung, mit dann einer Verwaltungsspitze, darüber hinaus aussehen soll, das werden ebenfalls die nächsten Beratungsrunden ergeben. Über einige Schwerpunkte ist man sich bereits einig: "Wir wollen etwas für junge Familien tun, um sie hier zu halten oder neu anzusiedeln. Und zum Beispiel Veranstaltungen so organisieren, dass sie effektiv und professionell sind, Spaß für alle bringen und auch ein Anlass für auswärtige Besucher sind", fasst Schlothauer wenige Stichpunkte zusammen. Wie Peter Küster ist er sich sicher, dass den Menschen dabei einiges abverlangt wird. Nicht mehr jedes Gemeindehaus, nicht mehr jedes Dorffest wird mit finanzieller Hilfe am Leben erhalten werden können. Kompromissfähigkeit und Weitblick seien notwendig, ebenso wie das klare Bekenntnis aller, dass kein Ort gänzlich abgehängt werden soll.
Nicht nur deshalb steht für die Verhandlungsführer bereits fest: Die Bürger sollen mit ihren Ideen, Wünschen, Bedürfnissen und Ansichten aktiv in den Prozess miteinbezogen werden. Sie sollen sich äußern und werden dazu im Laufe der kommenden Monate eine Gelegenheit bekommen. "Derzeit überlegen wir noch, wie eine Bürgerbeteiligung auch möglichst unkompliziert zu organisieren ist", sagt Peter Küster. In der nächsten Beratungsrunde im April soll es dazu Festlegungen geben.
Bis dahin erhofft man sich auch konkrete Hinweise von den Brandenburgischen Ministerien, die die Fusion professionell begleiten sollen. Bürgermeister und Amtsdirektor nebst ihren Mitarbeitern sind ebenfalls unverzichtbar für die Fusion. Sie müssen und werden, so zumindest die ersten Signale aus den Verwaltungen, das Vorhaben auch unterstützend begleiten.
Wann die Fusion zum Abschluss kommen könnte, ist derzeit noch völlig offen. "Vielleicht sind wir uns schnell einig, und schaffen es schon zur Kommunalwahl nächstes Jahr", so Küster. Gründlichkeit und eine breite Mehrheit seien aber wichtiger als Schnelligkeit.