"Die glauben wohl, mit uns Rentnern können sie es machen", sagt Marga Bartz. Sie selber hat nicht gezahlt, ist aber davon überzeugt, dass sich viele Senioren überrumpeln lassen. Sie vermutet, dass es die Absender besonders auf Senioren abgesehen haben.
Das sei wie eine Welle, die seit Jahren und derzeit wieder verstärkt über die gesamte Region schwappe, sagt Harald Gräfe, Leiter des Regionalzentrums Nordost der Verbraucherzentrale Brandenburg mit Büros unter anderem in Eberswalde und Frankfurt (Oder). In zahlreiche Briefkästen, keineswegs nur von Senioren, flattern derzeit Schreiben mit derartigen Zahlungsaufforderungen. Viele von ihnen suchen den Rat der Verbraucherzentrale. Bereits 15 Vorgänge habe er bisher nur im September registriert.
Die Masche von "Euro Inkasso Solutions s.r.o.", sei bekannt. Die Briefkastenfirma, auf deren Briefkopf eine Adresse in Prag angegeben ist, fordert, das Geld zu einem Postfach in Petersberg, einem Stadtteil von Fulda (Hessen), zu schicken.
Marga Bartz habe richtig gehandelt, indem sie nicht zahlte, lobt der Verbraucherschützer. Die Rentnerin müsse aber damit rechnen, weitere Zahlungsaufforderungen zu bekommen. Die nächste über 135 Euro und dann über 190 Euro. Im zweiten Brief behauptet die Inkassofirma, der Empfänger des Schreibens habe erotische Telefondienstleistungen in Anspruch genommen, für die er nun zahlen müsse.
"Gerade junge Leute fallen darauf herein und zahlen", weiß Harald Gräfe. Sie wollen aus Scham die Diskussion mit dem Partner vermeiden, selbst wenn sie gar keinen solchen Anruf getätigt haben. "Ich kann nur empfehlen, nicht zu reagieren, nicht zu schreiben und nicht zu antworten", betont der Verbraucherschützer. Er rät den Empfängern, zu warten, bis der letzte Brief von einer Münchner Inkassofirma kommt und dann zu widerrufen. Außerdem sollten die Empfänger dieser Schreiben unbedingt Anzeige bei der Polizei erstatten. "Wenn man vom Widerrufsrecht Gebrauch macht, dann reagieren sie nicht mehr", weiß Gräfe. Es gelte das Widerrufsrecht für einen Fernabsatzvertrag am Telefon. Wer Hilfe braucht, könne sich auch direkt an die Verbraucherzentrale wenden. "Wir haben Musterbriefe parat", sagt Gräfe.
Die Unseriosität des Absenders der Briefe sei schon daran zu erkennen, dass eine ladungsfähige Anschrift ebenso fehlt wie die Beschreibung der Dienstleistung, die der Kunde angeblich erhalten haben soll. Ferner lassen die Briefe die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vermissen. Gräfe rät ferner, die Telefonrechnungen genau anzuschauen und aufzuheben, um nachweisen können, dass keine der angegebenen Telefonnummern angewählt wurde.
Unklar ist für die Seniorin, wie die Abzocker an die Nummer ihres Handys gekommen sind, die nur engsten Familienangehörigen bekannt ist. "Häufig ruft jemand unter einem Vorwand an, angeblich um ein Paket zu liefern, und will die Adresse bestätigt haben", berichtet Gräfe. Ein Anruf mit Folgen, an den sich bald keiner mehr erinnert. Es komme auch vor, dass Leute sich auf eine harmlose Anzeige melden, niemanden erreichen, aber dort die Nummer gespeichert wird. Handynutzer wie die Bad Freienwalder Seniorin sollten nicht zurückrufen, wenn eine Rufnummer auf dem Display erscheint, die sie überhaupt nicht kennen.
Auskunft: Verbraucherzentrale in Eberswalde, Heegermühler Straße 2 (alter Busbahnhof), Tel. 03334 23497, geöffnet: dienstags, donnerstags jeweils 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr, freitags nur nach Vereinbarung; landesweites Tel. 01805 004049 (1,4 Ct./Min. aus dem dt. Festnetz)