"Das war eine gelungene Premiere", sagt Wettkampfleiter Dietmar Liedtke vom ausrichtenden Berliner Sommerbiathlonverein. "Sowohl vom Weltverband als auch von den Sportlern gab es lobende Worte zur Veranstaltung und den Wettkampfbedingungen auf den Strecken im Wald und am Schießstand in Storkow." Rund 130 Sportlerinnen und Sportler aus sieben Nationen haben von Freitag bis Sonntag in der Storchenstadt um Titel und Medaillen gekämpft, wobei sich das Wettkampfzentrum mit Start und Ziel an der Schießanlage des Schützenvereins Storkow befand.
Biathlon-Orientierungslauf ist eine Sportart, die das aus dem Wintersport bekannte Biathlonschießen (5-er Schuss-Serie, Klappscheibe, Strafrunde oder Strafzeit) mit den Orientierungslaufen (Karte, Kompass, Punkte finden oder markieren) verbindet. Veranstalter ist die IBOF (International Biathlon Orienteering Federation), die seit 2006 Weltmeisterschaften austrägt.
Die Sportart ist vor allem in den Ländern Nordeuropas populär. Da wundert es auch nicht, dass die Aktiven aus dieser Region in Storkow in Sachen Medaillen am meisten absahnten. So gab es in den Disziplinen Klassik, Sprint und Staffel in den verschiedenen Altersklassen 13WM-Titel für Dänemark und 11für Schweden. Tschechien stellte vier Weltmeister, Finnland zwei - in den Eliteklassen M21 und W21 - sowie Belgien und Russland, die gemeinsam in der Mixed-Staffel antraten, einen.
Besonders erfreulich war die Bilanz aus deutscher Sicht, denn für das Gastgeberland standen am Ende fünf Weltmeistertitel zu Buche. Dazu kamen noch sechsmal Silber und fünfmal Bronze. "Das ist besonders schön und zugleich erstaunlich, da 19 der 21 deutschen Teilnehmer erst im vorigen Jahr bei uns mit dem Schießtraining begonnen haben", erklärt Dietmar Liedtke. "Sie sind unter Amateurbedingungen an den Start gegangen, mit zum Teil ausgeliehener Ausrüstung. Die Wettkämpfer aus Nordeuropa sind Halbprofis, meist Militärangehörige."
Die "Sportgeräte" der Biathlon-Orientierungsläufer sind neben entsprechender Wettkampfkleidung das Kleinkalibergewehr, mit dem am Schießstand möglichst alle fünf der 50 Meter entfernte Klappscheiben pro Serie zu treffen sind, sowie Karte, Kompass und ein kleiner elektronischer Speicher. "Mit dem sogenannten SI-Chip müssen die Sportler die im Gelände zu findenden Punkte oder Posten in der richtigen Reihenfolge anlaufen und diese berühren. Das wird am Ende zusammen mit der Zeit - inklusive eventueller Strafrunden beim Schießen - ausgewertet und so der Sieger ermittelt", erklärt Liedtke.
Nach seinen Angaben haben sich einige Sportler bei der WM in Storkow "auch ein wenig verirrt. Doch am Ende sind alle wieder wohlbehalten am Wettkampfzentrum angekommen." Dort gab es dann auch die Verpflegung für die Sportlerinnen und Sportler. Für diese haben die Mitglieder des Schützenvereins Storkow gesorgt. "Das hat prima geklappt, und der Storkower Vereins-Chef Michael Jungk stand persönlich an der Gulaschkanone", sagt Wettkampfleiter Liedtke.
Der Gros der 85 Mitglieder des Schützenvereins war an allen drei WM-Tagen eingebunden, zudem haben sie für Ordnung und Sicherheit am Schießstand gesorgt. "Das war schon eine Herkulesaufgabe, die wir zu bewältigen hatten. Dafür großer Dank an die Mitglieder", sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Jürgen Deneke. "Ebenso an die Familie Meerbeek von der Firma Friki, die Sparkasse Oder-Spree und Frau Gradhand von der Edeka-Filiale in Storkow, die uns dabei bei der Veranstaltung prima unterstützt haben." Der Storkower Verein hat sich zugleich über das öffentliche Interesse an diesen Weltmeisterschaften gefreut.
Und einen weiteren Effekt hat die WM für den Schützenverein gebracht. "Wir haben uns eine Biathlon-Anlage angeschafft", berichtet Jürgen Deneke. "Da können dann ab dem Herbst interessierte Sommerbiathleten bei uns für einen entsprechenden Obolus das Schießen trainieren." Und auch die Storkower Schützen selbst wollen diese Anlage nutzen.
Die Titelträger aus Deutschland bei der WM im Biathlon-Orientierungslauf in Storkow:
Klassik: Sven Karstädt (M40, Berliner TSC), Dmitri Popov (M45, SV Schorfheide), Katerina Wollmerstädt (W35, Berliner TSC)
Sprint: Sven Karstädt (M40, Berliner TSC), Claudia Becker (W35, Berliner Turnerschaft)