Florian Markus hatte eine wichtige Aufgabe: Zusammen mit dem Büffelpfleger Niels-Olaf Lüders und Julia Knipping vom Naturpark-Informationszentrum auf der Burg durfte der Zwölfjährige die neue Tafel mit den Namen der mittlerweile sieben Wasserbüffel enthüllen. Nachdem sich bei der Herde am 24. April das erste Mal Nachwuchs eingestellt hatte, war in Storkow öffentlich nach einem Namen für das kleine Kälbchen männlichen Geschlechts gesucht worden. Es sollte den gleichen Anfangsbuchstaben haben wie die Büffelmama Ana. Auch Florian Markus und seine Klassenkameraden hatten sich beteiligt. "Insgesamt sind nach dem Aufruf 47 Vorschläge bei uns eingegangen", sagt Julia Knipping. "Unter allen Einsendungen ausgewählt wurde der Name Artur, den Florian empfohlen hat."
Dem Sechstklässler hat der Termin am Weidezaun, zum dem ihn auch die Eltern begleitet hatten, sichtlichen Spaß gemacht. Und er weiß auch ganz genau, welches der inzwischen drei Kälbchen Artur ist. "Der mit der weißen Schwanzspitze", zeigte er auf einen kleinen Büffel. "Das ist richtig", bestätigte ihm Niels-Olaf Lüders, der sich als Landwirt im Nebenerwerb gemeinsam mit Michael Kurz um die Herde kümmert.
Vor einem reichlichen Jahr sind die drei Färsen Ana, Brenike und Ciara sowie der Bulle Jacob auf den in mehr als zwei Jahrzehnten verschilften Burgwiesen von Storkow angesiedelt worden, damit diese wieder ihren einst offenen Charakter bekommen, um mehr Artenvielfalt bei den Tieren und Pflanzen zu ermöglichen. Von der 14 Hektar großen am Fuße der Storkower Burg gelegenen Fläche ist momentan die Hälfte für die Beweidung durch die Wasserbüffel offen. Das Gelände ist mit einem Elektrozaun gesichert. Neben dem Tor der Koppel informiert eine Tafel über das Anliegen dieses Büffelprojektes, dessen Träger die Flächenagentur Brandenburg ist. Und was von der Straße aus gar nicht so genau sichtbar ist: In der Mitte des Schilfgürtels haben die Büffel schon eine ganz schöne Fläche frei gefressen. "Auf Luftbildern lässt sich gut erkennen, wie die Wasserbüffel den Schilfbestand von innen heraus reduzieren", sagt Martin Szaramowicz, der für dieses Projekt zuständige Mitarbeiter der Flächenagentur.
Dank der Büffel kehrt jetzt nach und nach wieder mehr Artenvielfalt auf die Burgwiesen ein. Das lasse sich schon jetzt beobachten, so Niels-Olaf Lüders. "In den ersten drei Tagen, nachdem die Büffel gekommen waren, hat es hier nicht einmal Fliegen gegeben", erzählt er. "Mittlerweile hat sich schon der Storch sehen lassen, Kraniche sind zu beobachten und auch Amphibien profitieren davon, dass die Büffel die Wasserlöcher freihalten, die sie selbst auch brauchen." Und just in dem Moment wo der Betreuer der Büffelherde diese Aufzählung macht, flitzt eine Feldmaus am Koppelzaun entlang. Lebendiger Beweis dafür, dass es voran geht mit der Artenvielfalt.
Den Wasserbüffeln ist das erste Jahr in ihrer neuen Heimat gut bekommen. Jede der drei Färsen hat ein Kalb zur Welt gebracht. Artur hat mit Bruno und Coco also noch zwei Geschwister bekommen. Die beiden männlichen Kälber werden etwa ein Jahr nach ihrer Geburt weggegeben, da in der Herde immer nur ein Bulle sein darf. Der Erlös dient zur Gegenfinanzierung des Projektes.
Die Storkower Wasserbüffel sind schon zur richtigen Attraktion geworden. Das Fernsehen war schon da, und auch viele Storkower und ihre Gäste machen gern mal Halt am Weidezaun zum "Büffelgucken". Eine der meistgestellten Fragen sei dabei, wie die Wasserbüffel mit der Kälte im Winter klarkommen, so Niels-Olaf Lüders. Die Antwort: Wasserbüffel halten tiefste Temperaturen aus.