"Wir haben mit der Eingemeindung der einst kreisfreien Stadt Eisenhüttenstadt bitter durch, was es heißt, Aufgaben zu splitten", erinnert Manfred Zalenga an die Kreisreform im Jahr 1993. Der größte Fehler sei gewesen, dass Eisenhüttenstadt unbedingt Aufgaben behalten wollte und behalten durfte. Dazu gehörten ein eigenes Jugendamt, ein Bauordnungsamt und die Ausländerbehörde. Inzwischen erledigt die Arbeiten der Kreis. Nur ein Straßenverkehrsamt betreibt die Stadt noch selbst. Und ob das sinnvoll ist, bezweifelt Zalenga. "Wir sollten daraus lernen", findet der Landrat.
Bevor eine Kreisreform stattfinde, wie sie die Landesregierung plane, müsste es eine Gemeindereform geben, zumindest müsste sie gleichzeitig erfolgen, um die Aufgabenverteilung zu ordnen. Wichtiger als die Zusammenlegung von Gemeinden und Kreisen findet Zalenga jedoch die Bildung von politisch unabhängigen Verwaltungsgemeinschaften. Nicht jede Gemeinde müsse alles selber erledigen. "Was spricht dagegen, dass sich zum Beispiel drei Gemeinden, die einzeln unter 5000 Einwohner haben, gemeinsam eine Kämmerei zulegen, die die Geldangelegenheiten verwaltet?" Beispiele dafür gebe es bereits. So haben die Stadt Friedland und die Gemeinde Rietz-Neuendorf kein eigenes Standesamt mehr, die Aufgaben werden von der Stadt Beeskow miterledigt.
Denn kaum vorstellbar ist für Zalenga, dass Gemeinden sich freiwillig - so sieht es das Leitbild des Landes bis 2030 vor - zu Einheiten mit 10 000 Einwohnern zusammenschließen sollen. "Wie soll das gehen, dann ist eine Gemeinde so groß wie früher ein Altkreis?", fragt er. Die Schaffung von Verwaltungseinheiten sei der bessere Weg, als diese Riesengemeinden.
Dass die kreisfreie Stadt Frankfurt und der Landkreis Oder-Spree sich vereinigen werden, "wird so kommen", prophezeit Zalenga, auch wenn er die Notwendigkeit anzweifelt. Träte der Fall ein, sollte Beeskow Kreisstadt und Hauptsitz der Verwaltung bleiben, denn die räumlichen Bedingungen seien vorhanden. Natürlich würden die publikumsträchtigen Bereiche wie Jugendamt, Sozialamt und das Jobcenter als Außenstellen vor Ort bleiben, genauso wie jetzt in Eisenhüttenstadt und in Fürstenwalde Regionalstellen vorgehalten würden. "Jetzt fahren auch 150 000 LOS-Bürger nach Beeskow, dann können es auch die 50 000 Frankfurter", findet Zalenga. Praktisch würde das ohnehin nicht vorkommen, denn statistisch gesehen würde der Bürger nur einmal in acht Jahren einen Fuß über die Schwelle der Kreisverwaltung setzen. In Zeiten des Internets sei zu erwarten, dass weitere Online-Dienste angeboten werden.
Dass über den Kreissitz durch einen Bürgerentscheid entschieden werden soll, lehnt er ab. "Damit würde lediglich erreicht, in die neu gebildeten Landkreise dauerhaft Streit hineinzutragen", heißt es in der Stellungnahme des Landkreistages zum Leitbild für die Verwaltungsreform 2019, an deren Erarbeitung auch der Landkreis Oder-Spree beteiligt war. Es wird davor gewarnt,die bestehenden Landkreise zu zerschlagen, "da ansonsten langwierige und schwierige Vermögensauseinandersetzungen drohen."
Nicht zuletzt habe die geplante Vergrößerung der Kreise - geplant sind Einheiten bis zu 5000 Quadratkilometer mit mindestens 175 000 Bewohnern - auch eine verfassungsrechtliche Dimension. Denn um die kommunale Selbstverwaltung zu garantieren, müsse das Kreisgebiet überschaubar sein, damit die Mandatsträger, die Abgeordneten, verantwortliche Entscheidungen zum Wohle des gesamten Kreises treffen könnten. Hierzu bedürfe es zumutbarer Wegstrecken, heißt es in der Begründung des Landkreistages. Allein eine umfassende Funktionalreform (Aufgabenübertragung an andere Verwaltungseinheiten) könnte Eingriffe in die Gebietskulisse der Landkreise rechtfertigen. Eine Meinung, die auch von Landrat Zalenga getragen wird.