Er kämpft. Wieder einmal. So, wie er es als Kind tat, als er auf die Liebe und Anerkennung seines Vaters hoffte. So, wie er es später als Erwachsener tat, als er auf der Abendschule sein Abitur nachholte, um zu studieren. Und so, wie er es in den vergangenen zwei Jahren tat, als über ihm das Damoklesschwert in Gestalt eines Chefs hing, der ihn loswerden wollte.
Ralf-Peter Hennig ist es gewohnt zu kämpfen, sein Leben lang. Und doch ist es diesmal anders. Er hat sich mit seiner Kandidatur für das Bürgermeisteramt auf ein Terrain begeben, das ihm vertraut und fremd zugleich ist. Eine Verwaltung zu leiten, das traut er sich zu - ohne Wenn und Aber. "Womit ich nicht klar komme, sind diese Intrigen, die Hinterhältigkeiten", sagt er.
Seit 15 Jahren ist Ralf-Peter Hennig Finanzdezernent in Bernau. Von Finanzen, das ist in der Stadt weitgehend unstrittig, versteht der 53-Jährige etwas. Dass Bernau schuldenfrei ist, ist in entscheidendem Maße seinem Wirken zu verdanken. Doch er fühlt sich um die Anerkennung dafür betrogen.
Die Liquidität der Stadt sei "überdurchschnittlich gut", sagt Ralf-Peter Hennig. 25 Millionen Euro auf dem Konto, 18 Millionen Euro in Wertpapieren angelegt. Letztere bringen Bernau allein 800000 Euro im Jahr an Zinsen ein. Das habe er veranlasst, "einen Dank dafür habe ich nie erhalten", bemerkt er. Zwischen acht und 13 Millionen Euro verbucht Bernau pro Jahr als so genannten Jahresüberschuss. Es ist Gewinn, den die Stadt macht und der im Eigenkapital "geparkt" wird, wie der Finanzdezernent es nennt. Zur Zeit liegen dort rund 45 Millionen Euro. Für Ralf-Peter Hennig ist das eine "haushaltsrechtliche Schieflage". "Wir nehmen den Menschen zu viel weg", stellt er fest.
Die Schuld daran hat für ihn Bürgermeister a.D. Hubert Handke. Wieder und wieder habe er gefordert, "entweder Konzepte zu erstellen, die diesen Überschuss nachhaltig mindern oder aber nachzujustieren durch die Senkung von Gebühren und Beiträgen", erzählt Ralf-Peter Hennig. Er sei auf taube Ohren gestoßen. Mitarbeiter mit einem eigenen Kopf zum Denken seien bei Hubert Handke nicht erwünscht gewesen, Widerspruch schon gar nicht. "Wir waren nicht mehr als Befehlsempfänger", ist der 53-Jährige überzeugt. Irgendwann war das Tischtuch zwischen dem Bürgermeister und seinem Dezernenten zerschnitten. Die Auseinandersetzungen führten beide bis vor das Arbeitsgericht. Für den Dezernenten war klar: "Ich sollte rausgemobbt werden." Schon lange bewarb er sich deshalb in anderen Kommunen um eine Stelle - teilweise weit weg von Bernau und weit weg von Berlin, wo er mit seiner Familie lebt.
Bereits Anfang des Jahres hatte sich Ralf-Peter Hennig dem Bündnis für Bernau angeschlossen. Die Abwahl von Hubert Handke Ende März ging ihm "runter wie Öl". Dass er nun selbst als Bürgermeister kandidiert, hängt auch mit Hubert Handke zusammen. Er will ihm, durchaus aber auch sich selbst beweisen, dass er der Bessere ist. Dabei sieht er sich nicht als Kommunalpolitiker. "Der Souverän ist die Stadtverordnetenversammlung. Sie muss wissen, was sie will und die Entscheidungen treffen. Unsere Aufgabe als Verwaltung ist es, diese Entscheidungen umzusetzen", erklärt Ralf-Peter Hennig. "Ich sehe mich als Stadtmanager."
"Wir haben nicht nur Bürgerunruhen in Bernau, sondern auch eine Verwaltungskrise, über viele Jahre hinweg", sagt der BfB-Kandidat. "Logistische Defizite in der Stadtverwaltung" macht er aus, Mitarbeiter, die über Jahre hinweg "Null-Eigenverantwortung" hatten. Das will er ändern. Er will einen Neuanfang für Bernau. Und: "Der Anfang für den Neuanfang ist der Verwaltungsumbau", steht für ihn fest.
Dafür kämpft Ralf-Peter Hennig - auch wenn der "klassische Wahlkampf" überhaupt nicht seine Sache ist. Als "Medienspektakel" bezeichnet er schon mal Veranstaltungen von Vereinen und Verbänden, zu denen die drei Bürgermeisterkandidaten eingeladen sind, um sich den Wählern vorzustellen. Anfangs hat sich der 53-Jährige dem verweigert. Zu tief sitzt das Misstrauen gegenüber seinen Mitbewerbern. Letztlich kann er sich solchen Diskussionsforen aber doch nicht entziehen. Und so hat er sich in sein Schicksal gefügt. Letztlich, findet Ralf-Peter Hennig, bleibt es so oder so die Entscheidung der Bernauer. "Sie müssen wissen, wollen sie Veränderung oder den Status Quo beibehalten".