Es war eine Äußerung am Rande. Moderator Jörg Kopec war schon bei vorherigen Veranstaltungen durch seine laxen Sprüche aufgefallen. Da hieß es dann schon mal, die Stadt solle aufpassen, dass nicht jemand den Inhalt der Kläranlagen auf dem Marktplatz entleere. An Seitenhieben auf Stadtverordnete, die nicht der Meinung der Initiative sind und den Bürgermeister wurde ebenfalls nicht gespart und auch Homosexuelle fühlten sich von einer Äußerung angegriffen.
Mit seinem jüngsten Spruch ist Kopec offenbar zu weit gegangen. Auf dem Podium wandte er sich vor der versammelten Menge an Andreas Neue, den Sprecher der Initiative, und zeigte diesem ein Kondom mit den Worten, dieses könne man doch an einige Stadtverordnete verteilen, damit diese sich nicht weiter vermehrten.
Eine Äußerung, die einigen Stadtverordneten nicht nur deshalb nicht gefällt, weil sie diese nicht lustig finden, sondern weil sich die Bürgerinitiative damit ihrer Meinung nach Worten bedient habe, mit denen rechtsgerichtete Parteien Wahlkampf machen.
"Wir hatten gerade Post von der NPD im Briefkasten unseres CDU-Büros", erklärt Frank Goral. "Ein Kondom, auf dem stand: Für Ausländer und einige Deutsche, damit sie sich nicht vermehren." Die Ähnlichkeit zum Kopec-Spruch sei groß.
In der Tat springt die rechte NPD auf den Zug der Bürgerinitiative auf. Auf ihrer Internetseite zeigt sie "Solidarität mit den betroffenen Bürgern" und verkündet, sie sammele "fleißig Unterschriften zur Einleitung des Bürgerentscheids".
"Diese Demonstration mit dem Hetzgeschrei wird enden wie der Zauberlehrling: Die Geister, die ich rief, werd ich nicht mehr los", prophezeit Frank Goral.
"Diese Aussage ist ein weiterer Tiefpunkt in einer Kette von Äußerungen, die sich von Anfang an durch diese Demonstrationen ziehen", findet Carsten Schmidt (Linke). Unzählige Sprüche seien unter der Gürtellinie gewesen.
Nach dem Kondom-Vorfall setzte sich am Freitagabend die Fraktion der Linken zusammen und positionierte sich zum von der Initiative eingeleiteten Bürgerbegehren gegen Bürgermeister Handke. "Wir unterstützen das Bürgerbegehren in seiner jetzigen Form nicht", so das Ergebnis. Auch, wenn man mit einigem nicht einverstanden sei - Hubert Handke sei während seiner Amtszeit ein verlässlicher Ansprechpartner, heißt es in der Erklärung. Ein Personalwechsel im Rathaus sei kein Garant dafür, dass das Altanschließer-Problem grundlegend anders gelöst werde. Und der jüngste Vorfall stimmt die Fraktion offenbar nachdenklich. "Das berechtigte Anliegen vieler Bürgerinnen und Bürger Bernaus wird von rechten Trittbrettfahrern missbraucht", heißt es in der Erklärung weiter.
Kritik kommt auch aus den Reihen der SPD. "Die Schmerzgrenze ist erreicht", findet Adelheid Reimann. Das Anliegen der Bürgerinitiative sei eigentlich in Ordnung. "Aber das, was sich da Dienstags in Bernau abspielt, geht am guten Benehmen vorbei", sagt die Schönowerin und berichtet von Bedrohungen und anonymen Schreiben, die sie selber erhalten hat. "Ich bin entsetzt, dass so etwas bei uns überhaupt möglich ist." Die Demonstration sei verkommen zum Schauspiel. "Das ist keine Demokratie mehr."
Gemeinsam mit Vertretern der SPD, der Freien Fraktion und der Linken will die CDU am Donnerstag zu einem Pressetermin einladen. "Wir wollen mit einigen der Lügen aufräumen, die auf den Dienstags-Demonstrationen verbreitet wurde", erklärt Frank Goral. Als Beispiel nennt er die Behauptung, für einen Verbandsvorsteherposten sei ein monatlichen Gehalt von 16 000 Euro ausgeschrieben worden. "Das ist frei erfunden."
Die Initiatoren der Bürgerinitiative haben sich inzwischen von der Kondom-Äußerung ihres Moderators distanziert. Erste Konsequenzen: Jörg Kopec wird künftig keine der Veranstaltungen mehr moderieren. Offiziell, weil man diese zeitlich mehr straffen und auf Moderation verzichten wolle. "Auf der nächsten Dienstag-Demonstration werden wir außerdem eine Entschuldigung vortragen", kündigte Sprecher Andreas Neue an. Die Aktion sei unabgestimmt gewesen. "Ich wusste davon vorher nichts", beteuert er.