Das Bernauer Schwarzbier wurde einst in 
146 Hausstellen gebraut und war weit über die Grenzen Brandenburgs bekannt und begehrt. Nun geht eine lange Tradition zu Ende – die Produktion des Gerstensaftes wurde eingestellt.
„Die Nachfrage war leider zu gering“, begründet Marketing-Leiterin Bettina Pöttken die unternehmerische Entscheidung der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei. Diese hatte zum März 2010 die Marken- und deutschen Lieferrechte des Herstellers „Berliner Bürgerbräu“ übernommen. Der Familienbetrieb im grünen Friedrichshagen produzierte seit 1992 das süffige Getränk. „Wir haben alle Marken einer Analyse unterzogen und nun unser Sortiment auf Grundlage der Ergebnisse gestrafft“, sagt die PR-Frau. Ein „Opfer“ wurde letztlich das Bernauer Schwarzbier.
„Einfach bedauerlich“ findet Monika Ulbricht die jüngste Entwicklung. Die Chefin der hussitenstädtischen Tourist-Information verweist auf die lange Bierbrauer-Tradition in der Stadt – und die nicht zu unterschätzende Werbewirkung. „Auf dem Flaschenetikett war sogar unser Wappen abgebildet“, sagt Ulbricht. Noch im letzten Jahr warben die Briganten beim Schwarzbier-Anstich auf der Internationen Tourismus-Börse in Berlin für einen Besuch der Stadt. „Ich habe aber auch Verständnis für die Brauerei. Die Bernauer haben eben zu wenig ihr Bier getrunken“, findet die Tourismus-Fachfrau.
„Vom Fass habe ich es immer gerne getrunken“, bekennt Bernd Eccarius-Otto. Der Chef des Heimatmuseums ist etwas traurig. „Das Schwarzbier gehörte zu Bernau einfach dazu. Schade.“ Im Gasthof „Zum Zicken-Schulze“ floss schon vor Wochen der Traditions-Gerstensaft zum letzten Mal in die Gläser. „Vor allem Touristen fragen noch nach dem Bier“, berichtet Mitarbeiterin Elisabeth Kellermann.
Reinhard Neumann kann sich unterdessen ruhig zurücklehnen. Der Getränkehändler hatte die letzten 130 Kästen im Großhandel aufgekauft. „Rund 80 Kästen sind noch da“, sagt der Bernauer. Die Flaschen will Neumann vor allem beim bevorstehenden Hussitenfest unter die Besucher bringen. Wohl zum letzten Mal. „Eigentlich ist das Fest ohne das Schwarzbier überhaupt nicht denkbar“, sinniert Neumann und denkt schon mal laut nach. „Vielleicht sollte man einen Investor suchen, der die Tradition fortsetzt“. Aber das, so weiß auch Neumann, werde wohl ziemlich schwer.
Wenn es auch das Bier nicht mehr gibt – Flaschen, Krüge und Ausschankzeug sind weiterhin im Heimatmuseum zu bewundern.