Geht es um Wandlitzer Bauvorhaben, ist die Klage über das unter Volldampf stehende Bauamt nicht weit. Bis unters Dach stecken die Mitarbeiter in Projekten und Arbeit, zudem gibt es immer wieder mal zusätzliche Personalprobleme durch Fluktuation. Projekte im Wert von mehr als 30 Millionen Euro, so jüngst die Aussage im Bildungsausschuss, schiebt das Bauamt teilweise schon seit Jahren vor sich her. Dass diese Bugwelle tendenziell abnimmt, steht auch in der Zukunft wohl eher nicht zu erwarten. Kitas, Mensen und Schulanbauten sollen in den kommenden Jahren entstehen - bekanntermaßen also Großprojekte, die hohen Koordinierungsaufwand und Kostenkontrolle erfordern.
Da kommt es der Wandlitzer Verwaltung sehr gelegen, mit der Johanniter-Unfallhilfe einen Anbieter an der Angel zu haben, der den Bau einer Kita und die anschließende Betreibung zu bieten hat. "Wir brauchen diese Kitaplätze und können den Bau mit eigenen Kräften nicht stemmen", argumentierte der Wandlitzer Kämmerer Christian Braungard im Bildungsausschuss. Dort stand die Vergabe einer Teilfläche auf dem ehemaligen Polizeihochschulgelände zur Debatte. Mehr als 8000 Quadratmeter misst die Fläche, die im Erbbaurecht für 35 Jahre vergeben werden soll. Damit steht auch die Nutzungszeit fest. Laut Braungard übernimmt die Gemeinde dann die Fläche samt Gebäude zum Buchwert zurück, dieser läge dann vermutlich bei Null. Die Kosten der Investition werden in der Vorlage mit drei Millionen Euro angesetzt. Ausgegangen wird von einem zweigeschossigen Gebäude.
Als wichtiger Punkt der Vorlage und auch in der Debatte in den bisherigen Ausschusssitzungen gilt die Finanzierung der Investition samt der Mehrkosten, die durch die externe Leistung entstehen. Auf 100 000 Euro schätzt Kämmerer Braungard die jährlichen Mehrausgaben der Gemeinde. Knackpunkt der Debatte sind jährliche Finanzierungskosten von 46 000 Euro, die der JHU durch die auf 20 Jahre festgelegte Kreditaufnahme in Höhe von 2,7 Prozent entstehen. "Warum wollen wir die Finanzierungskosten der Johanniter tragen, wenn wir selbst über ausreichend Vermögen verfügen", fragte Frank Bergner (Linke) im Bildungsausschuss irritiert an. Über 35 Jahre gerechnet, ergibt sich nämlich ein Mehraufwand von 1,6 Millionen Euro.
Entscheidender dürfte allerdings der Zeitgewinn sein, den die Johanniter versprechen. "Wenn die Baugenehmigung vorliegt, dann brauchen wir ungefähr 15 Monate bis zur Inbetriebnahme der Einrichtung", sagte Ralf Opitz, Chef des für Barnim, Uckermark und Oberhavel zuständigen Regionalverbandes, jüngst im Basdorfer Ortsbeirat und am Donnerstag auch gegenüber der Märkischen Oderzeitung zu.
Als hilfreich erweist sich beispielsweise der Umstand, dass die Johanniter ihre Bauleistungen nach eigenem Ermessen vergeben können und eben nicht, wie eine Verwaltung es zwingend vorzunehmen hat, EU-weit ausschreiben müsste. "Wir profitieren von der Zusammenarbeit mit unserem Planer, der diesen Auftrag auch übernehmen würde", bestätigte Opitz. Zugleich können die Johanniter Referenzen vorweisen: In Finowfurt wurde die Leistungspaket Bau und Betreibung einer Kita bereits erfolgreich praktiziert, Vergleichbares wird gerade in Germendorf, Ortsteil von Oranienburg, umgesetzt.
Sowohl der Bildungsausschuss als auch die Mitglieder im Bauausschuss stimmten der vorgeschlagenen Variante bislang zu - getrieben von der Hoffnung auf einen Kita-Start zum Jahresanfang 2020.