Seit einer Woche schon, jeden Morgen und jeden Nachmittag, schickt Wolfgang Arlt von der Führungsstelle der Polizeiinspektion Barnim seine Kollegen zum Bernauer Bahnhof. Sie sollen sich ansehen, was da so vor sich geht zu den Hauptverkehrszeiten, wenn Züge und S-Bahnen ankommen und die Menschen aus dem Bahnhof strömen, Radfahrer aus dem Parkhaus rollen, Busse im Zehn-Minuten-Takt Fahrgäste aus- und einladen und Taxen auf Kundschaft warten. Alarmiert worden war er durch ein Schreiben der Barnimer Busgesellschaft. Am Bahnhof herrsche Chaos, hieß es darin. Die Zufahrt für die Busse werde von Pkw blockiert, die in zwei Reihen stehenden Taxen sorgten für zusätzliche Enge und die Fußgänger und Fahrradfahrer bewegten sich kreuz und quer über den Platz. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis der erste unter einem Bus lande, befürchten die Busfahrer. Ihre Beschwerden, das ist nach einer Woche Kontrollen bereits sicher, sind aus Sicht der Polizei berechtigt.
"Dieser ganze Platz ist eine Fehlplanung", sagt Wolfgang Arlt. "Vor jedem Bahnhof, jedem Flugplatz kann man wenigstens zum Ein- und Ausladen vor dem Gebäude halten. Nur in Bernau nicht", stellt er fest. Die Folge: Trotz des Durchfahrtsverbotes benutzen Pkw die Zufahrt, die eigentlich nur für Busse gedacht ist, zum kurzzeitigen Halten und blockieren damit den öffentlichen Personennahverkehr. Eine Ausweichmöglichkeit haben sie nicht: "Die wenigen Parkplätze sind immer belegt", haben die Polizeibeamten bei ihren Kontrollen festgestellt.
Ein weiteres Problem stellen die Radfahrer dar. So einzigartig und modern das neue Fahrradparkhaus auch ist: "Offenbar hat niemand daran gedacht, dass die Radfahrer auch hinkommen müssen", bemängelt Polizist Wolfgang Arlt. Die Radfahrer-Ströme kommen nach den Beobachtungen der Polizei aus Bernau-Süd und aus Richtung Innenstadt. Letztere fahren quer über den Platz, der eigentlich Fußgängern vorbehalten ist. Und die Radfahrer aus Richtung Süd nutzen die Abkürzung über den Busbahnhof, um dann verkehrt in die Einbahnstraße vor dem S-Bahnhof einzubiegen und ebenfalls quer über den Platz zu radeln. Auch das gibt es zunehmend: Mittlerweile rollen Radfahrer ohne Halt direkt aus der S-Bahn, den Bahnsteig entlang, durch das Fahrradparkhaus die Rampen hinunter und quer über den Platz - ohne Rücksicht auf Fußgänger oder Pkw, die aus dem Parkhaus kommen.
Die Taxifahrer traf es am vergangenen Donnerstag besonders schlimm: Sie wurden von der Polizei verwarnt, weil sie in zweiter Reihe parkten. "Auch daran ist zu erkennen, dass die Planung nicht durchdacht ist", bemerkt Wolfgang Arlt. "Ein Verkehrszeichen, das Parken in zweiter Reihe erlaubt, gibt es nach der Straßenverkehrsordnung nicht. Dass die Stellflächen besonders gepflastert sind, ist völlig unerheblich."
In einer Woche will die Polizeiinspektion Barnim ihren Kontrollbericht der Straßenverkehrsbehörde zuleiten. "Normalerweise machen wir in solchen Fällen Lösungsvorschläge, wie die Probleme zu beheben sind", sagt Wolfgang Arlt. "Für Bernau sehe ich, ehrlich gesagt, keine. Mir fällt nur einer ein: Der Platz müsste noch mal umgebaut werden."