Es ist wohl der Alptraum eines jeden Hundebesitzers. Der Hund läuft weg und irrt nun irgendwo umher. Für Timm Tiller und dessen Freundin geht dieser Alptraum nun schon seit drei Monaten.
Die beiden bringen ihren einjährigen Hund Elvis, eine italienische Bracke, Mitte Juli in eine Hundepension nach Schmetzdorf, als sie im Sommer in Urlaub fahren. Doch schon am nächsten Tag erhalten sie auf Mallorca einen traurigen Anruf. Elvis ist von dem Grundstück entlaufen.
Noch von Mallorca aus organisieren die beiden die Suche. Sie alarmieren Polizei, Ordnungsamt und die Tierheime der Region. Und kontaktieren Birke Inka Bürger, eine Hunde-Trainerin, die sich auf "Pet-Trailing" spezialisiert hat, das Auffinden von entlaufenen Tieren mit einem Hund.
Die Expertin fährt mit ihren spezial ausgebildeten Hunden nach Schmetzdorf, um sie die Spur von Elvis aufnehmen. "Die Hunde sind so trainiert, dass sie einem Individualgeruch folgen. Sie können sogar das Alter der Spur erkennen und folgen nur der neusten Spur."
Die Tiere können Elvis verfolgen und der junge Rüde ist sogar in Sichtweite, lässt sich aber nicht einfangen. Ein nicht ungewöhnliches Verhalten.
"Wenn ein Hund einige Zeit allein in der Fremde unterwegs ist, dann schaltet er um auf Überlebensmodus", erklärt die Expertin. "Er denkt dann nur noch an sich. Der Mensch ist für ihn unwichtig. Sein Verhalten zielt einzig und alleine darauf ab, sein Überleben zu sichern." Dieses Verhalten würden auch die größten Schoßhunde an den Tag legen. "Die laufen vor ihrem Herrchen dann eher weg."
Elvis Besitzer setzen alle Hebel in Bewegung, um ihren Hund wieder zu finden. Sie brechen den Urlaub ab, drucken tausende Zettel, die überall in Bernau und Umgebung angebracht werden. Darauf war auch notiert, dass eine Belohnung von 1000 Euro für den Hund ausgesetzt wird. Die Zettel mussten sie auf Anweisung des Ordnungsamtes inzwischen wieder entfernen. Aber viele Bernauer werden damals aufmerksam auf den entlaufenen Vierbeiner und meldeten sich bei seinen Besitzern. "Die Hilfsbereitschaft der Bernauer ist wirklich toll", freut sich Timm Tiller. "Wir bekamen zahlreiche Hinweise von Leuten, die Elvis gesehen haben."
Der einjährige Rüde wurde in der Innenstadt gesichtet, im Stadtpark, auf dem Platz am Steintor, in den Nibelungen und im dem Gelände bei McDonalds. Zuletzt dehnte er seinen Radius weiter aus, wurde in Börnicke entdeckt.
Sowohl die Hundetrainerin als auch Elvis Besitzer sind sich jedoch sicher, dass der Hund auch jetzt - fast vier Monate später, noch lebt. "Er wird immer mal wieder gesehen", sagt Timm Tiller. Birke Inga Bürger glaubt, dass der Hund sich nachts einen trockenen, halbwegs warmen Schlafplatz sucht. "Er könnte in einem leer stehenden Gebäude, einem Gehöft oder ähnlichem leben", schätzt sie. Offenbar sei der Vierbeiner sehr schlau und komme gut zurecht, ernähre sich von Abfällen oder erbeutetem Wild.
Keinesfalls sollten Menschen versuchen, den Hund einzufangen, warnt Birke Inka Bürger. "Sie würden ihn nur verscheuchen", weiß sie und erläutert das richtige Verhalten. "Wer den Hund sieht, der sollte am besten aus der Entfernung ein Foto mit dem Handy machen und die Besitzer anschließend sofort kontaktieren Nicht in die Hocke gehen, locken oder ähnliches, sondern einfach beobachten, in welche Richtung Elvis verschwinden." Man brauche möglichst viele "Sichtungen", um den Standort des Hundes zu lokalisieren und ihn dann mittels Fallen einzufangen. Sie ist sich sicher: "Wir finden Elvis."
Wer Elvis sieht, sollte sich melden unter Tel.: 0176 27620206 oder 0178 4686642