Was die Stadtverordneten am Donnerstag so auf die Palme brachte, war Handkes Idee, einen Verwaltungsprofi aus Thüringen zum Bernauer Hauptausschuss zu bitten, mit dem Auftrag, vor den Mitgliedern des Gremiums über die „rechtlichen Grundlagen des Winterdienstes“ zu referieren. Ein untauglicher Versuch, die Gemüter zu beruhigen. Die verbaten sich den Vortrag und kamen gleich zur Sache. Einen Bericht des Bürgermeisters wollten sie hören.
Der glaubt: „Der Winterdienst ist zu 80 Prozent gut gelaufen“. Allerdings habe man „bezogen auf Fußgängerüberwege und Bushaltestellen Defizite festgestellt“. Zwei Ursachen hat Handke ausgemacht: Die technischen Voraussetzungen, beispielsweise um Schnee von den Straßenrändern wegzufräsen, seien nicht gegeben. Und per Hand habe die Stadt das mit der vorhandenen Mitarbeiterzahl nicht leisten können.
Sodann untermauerte Wirtschaftsamtsleiter Thomas Rebs die Einschätzung mit Zahlen. 16 Mitarbeiter hätten im Zwei- Schicht-System auf 180 Kilometer Fahrbahn, für 98 Bushaltestellen, 23 Fußgängerüberwege und für etwa 8,5 Kilometer Gehwege vor eigenen Liegenschaften Winterdienst zu leisten. Ihnen stünden dazu fünf Multicars und drei Kleintransporter mit Schneepflug und Streuaufsatz zur Verfügung. Zudem bediene sich die Stadt beim Winterdienst einer Fremdfirma. Deren Geschäftsführer Torsten Rahlf beschönigte nichts: „Die eine oder andere Bushaltestelle wurde nicht geräumt. Das will ich gar nicht bestreiten“, sagte er auf Nachfragen der Stadtverordneten. Er werde sein Personal verstärken.
Für den städtischen Winterdienst forderten die Stadtverordneten konkrete Maßnahmen ein. Klaus Geißler will mit einem Antrag einen Beschluss aus dem Jahre 1994 kippen, der die Verwendung von Salz bislang nur in absoluten Ausnahmen vorsah. Christine Poppitz (Linke) behaart auf einer „Winterdiensteinsatzleitung“ im Rathaus. „Mehr Technik, mehr Salz und mehr Kontrollen“, sind das Ansinnen von Othmar Nickel (CDU).
Die Anschaffung neuer Technik – da geht auch die Verwaltung mit. Was die Verwendung von Salz anbelangt, ist Wirtschaftsamtsleiter Rebs nicht so begeistert: „Sand stellt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ein Optimum dar“, ist er überzeugt. Doch besonders wichtig scheinen ihm und Bürgermeister Handke ein „externes Beschwerdemanagement“ zu sein. Zwei Sachbearbeiter seien diesen Winter nur mit Beschwerden beschäftigt gewesen, begründen sie. Offenbar will sich das Rathaus eines Callcenters bedienen, um die Anrufe der erzürnten Bernauer entgegennehmen zu lassen.
Hatte die Rathausspitze beim Winterdienst durchaus noch Defizite eingeräumt, so verlegte sie sich bei der Diskussion um das geschlossene Rathaus zwischen den Feiertagen auf eine andere Strategie. Neben dem Standesamt und dem Bauhof sei auch das Ordnungsamt mit zwei Mitarbeitern besetzt gewesen, behauptete der Bürgermeister. Bei letzteren meinte er die zwei Gerätewarte, die Bernau für die Freiwillige Feuerwehr hat und die „Am Angergang“ saßen.
Als das Geraune im Saal immer lauter wurde, sagte Handke, dass er selbst ebenfalls am 30. und 
31. Dezember anwesend gewesen sei. Was wiederum stimmt: Am Morgen des 30. Dezember hatte er zuhause in der MOZ gelesen, dass in Bernau statt seiner der Winter regiert und war in den Bauhof geeilt.
„Die Verwaltung war jederzeit einsatzbereit“, verstieg sich der Bürgermeister sogar. Was ihm nur noch fassungsloses Kopfschütteln einbrachte. Mehrere Stadtverordnete hatten in der „Urlaubswoche“ vergeblich versucht, in das Rathaus zu gelangen. „Die Tür war verschlossen“, so Burkhard Seeger (Linke). Adelheid Reimann (SPD) hatte sogar „alle Telefonnummern durchprobiert. Nirgends ging jemand ran“. Und auch Thomas Strese (Unabhängige) versuchte vergeblich, jemanden ans Telefon zu bekommen.
Als Ordnungsamtsleiter Swen Schwarz bemerkte, dies sei ein „üblicher Fall der auch am Wochenende auftritt“, verlor SPD-Fraktionschefin Elke Keil die Fassung. „Eine Stadtverwaltung hat werktags geöffnet zu sein – und basta!“
Vereiste Gehwege, spiegelglatte Fahrbahnen, ungeräumte Fußgängerüberwege und Bushaltestellen – mit Ruhm bekleckert hat sich die Stadt Bernau beim Winterdienst bislang nicht. Als das Chaos zwischen den Feiertagen dann seinen Höhepunkt erreichte, war das Rathaus geschlossen. Bis auf die Mitarbeiter des Standesamtes und des Bauhofes machten alle Urlaub – einschließlich der Führungsspitze um Bürgermeister Hubert Handke (CDU). Auf einer Sondersitzung des Hauptausschusses am Donnerstagabend ging es deshalb hart zur Sache. Doch ein Einsehen hatte das Stadtoberhaupt kaum.