Zehn Jahre lang blieben die Wandlitzer Kitagebühren vor Erhöhungen verschont, obwohl bundesweit sämtliche Kosten nach oben schnellten. Der Betreuungsschlüssel wurde verändert, die Vollverpflegung gilt mittlerweile als Standard, weitere Gesetze sorgten für höhere Kosten bei der Gemeinde. Von 350 000 Euro Zuschuss im Jahr 2006 stieg dieser aktuell auf 1,4 Millionen Euro an. "Der Landkreis hat uns jetzt aufgefordert, die Gebührensatzung zu aktualisieren", argumentierte Andrea Tiepelmann, Sachgebietsleiterin für Bildung, Sport, Familie, am Montagabend vor den Ausschussmitgliedern und gut 35 Wandlitzer Eltern, die eigens zur Sitzung ins Rathaus gekommen waren.
Die in der Vorlage aufgelisteten Höchstbeiträge zeigen, die anvisierten Belastungen der Eltern bleiben teilweise deutlich unter den möglichen Höchstbeiträgen. In der Krippe bleiben die Kosten unverändert bei 230 Euro, möglich wären aber 300 Euro. In der Kita steigt die Höchstbelastung um zehn Euro auf 140 Euro, möglich wären knapp 170 Euro. Unverändert bleiben auch die Hortkosten bei 80 Euro. 2006 trugen die Eltern 86 Prozent der Aufwendungen, nunmehr fällt dieser Anteil auf 77 Prozent. Die Gemeindekosten sinken entsprechend.
Und trotzdem: Angesichts der Tatsache, dass bundesweit über kostengünstige und gar kostenfreie Kinderbetreuung diskutiert wird, musste die Wandlitzer Verwaltung mit Widerstand rechnen. So sollen in Berlin ab 2018 Eltern lediglich noch die Verpflegungskosten ihrer Kitakinder bezahlen.
Überraschenderweise dauerte es trotzdem eine Stunde lang, bis ein Vater diesen Sachverhalt zu Sprache brachte. "Wenn ich mich recht erinnere, gibt es deutschlandweit doch eher die Entwicklung, Kitagebühren ganz entfallen zu lassen. Warum muss denn in Wandlitz alles teurer werden, zumal die Gemeinde gutes Geld einnimmt", wollte der Mann wissen. Und ein Basdorfer Vater monierte anhand der baulichen Gegebenheiten in der Basdorfer Kita die geplante Erhöhung. "Seit drei Jahren müssen unsere Kinder den Baulärm ertragen und mit Einschränkungen leben. Der kleine Spielplatz ist nur zu Hälfte nutzbar. Und trotzdem zahlen wir voll für zwei Kinder. Dabei erhöht die Gemeinde die Grundsteuer, bekommt immer mehr Gewerbesteuer und verlangt nun auch noch mehr für die Kinderbetreuung", kritisierte der Basdorfer.
Hauptamtsleiterin Gisela Peter zeigte Verständnis für die Anfrage nach kostenloser Kinderbetreuung, lehnte dieses Ansinnen trotzdem ab. "Es ist die Kassenlage, die uns zwingt, Gebühren zu nehmen."
Andrea Tiepelmann versuchte darzustellen, dass es keine wesentlichen Erhöhungen geben werde. "Der Elternbeitrag reduziert sich in der neuen Satzung für jedes unterhaltspflichtige Kind um zehn Prozent. Ist also ein Geschwisterkind bereits in der Schule oder in der Ausbildung, dann müssen für das Kitakind nur noch 90 Prozent bezahlt werden."
Dass genau diese Regelung zu einer Reduzierung der Kosten führen würde, bestritten die Eltern vehement. Und auch der Hinweis der Verwaltung auf die nur geringe Erhöhung der durchschnittlichen Kosten pro Kind und Monat traf auf skeptische Gesichter. "Wir hatten im Jahr 2006 pro Kind und Monat eine durchschnittliche Gebühr von 62 Euro im Monat. Nach der neuen Satzung läge dieser Betrag bei 63,68 Euro", versuchte Andre Tiepelmann die Eltern zu überzeugen.
Angeregt wurde schließlich, die einkommensabhängige Staffelung der Beiträge zu überprüfen. Die endet derzeit bei 4000 Euro Familieneinkommen. Dann würden die Eltern mit einem Kind 140 Euro für eine sechsstündige Betreuung bezahlen. "Es gibt wirklich viele Wandlitzer Familien, die gut betucht sind. Lässt sich das zu Gunsten mittlerer Einkommensgruppen nicht anders staffeln?" wurde folglich gefragt.
Als weiteres Thema brachten die Eltern die Personalpolitik der Gemeinde zur Sprache. Gefühlt herrsche nämlich der Umstand, dass die Erzieherinnen für immer größere Gruppen zuständig seien. "Die Motivation ist dahin, das Personal arbeitet an der Belastungsgrenze", hieß es beispielsweise bei Basdorfer Eltern. Hauptamtsleiterin Peter hielt entgegen, die Gemeinde habe allein in diesem Jahr zwölf Neueinstellungen bei Erziehern vorgenommen.
Überprüft werden soll, ob Eltern bei längeren Streiks Anspruch auf Gebührenrückerstattungen haben sollen und ob sich der Elternfreibetrag von 300 auf 375 Euro anheben lässt. Auch der Freibetrag Selbstständiger solle von 30 auf 35 Prozent angehoben werden.