Zu der Kundgebung hatte das Bernauer Netzwerk für Weltoffenheit aufgerufen. Viele Demonstranten trugen Kopftücher. Auf Plakaten und Transparenten hieß es "Flüchtlinge willkommen im Barnim" sowie "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen". Der Protest richtete sich gegen die "rassistische Stimmungsmache" des einstigen Deutsche Bank-Vorstandes und Berliner Finanzsenators, wie es im Aufruf hieß. Die Polizei war mit drei Fahrzeugen sowie mehreren Beamten in Uniform und Zivil im Einsatz. Zu Zwischenfällen kam es nicht.
"Rassismus führt zum Verlust des Mitgefühls", sagte Dieter Gadischke. Der Jugendwart des evangelischen Kirchenkreises Barnim erinnerte auch daran, dass die Bundesrepublik Deutschland vom Anti-Rassismus-Ausschuss der Vereinten Nationen für entsprechende Äußerungen Sarrazins gerügt worden war. "Der Fremde soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer und du sollst ihn lieben wie dich selbst", zitierte Gadischke aus dem 3. Brief Mose der Bibel.
"Ich möchte ein Zeichen setzen", begründete Dagmar Enkelmann ihre Teilnahme an der Kundgebung. Sarrazin bediene allgemeinen Rassismus in der Gesellschaft. Auch die jüngsten Erfolge der AfD müssten beunruhigen", so die Bernauer Stadtverordnete. Marieta Böttger ärgert sich "seit Jahren über Sarrazin und die Machtlosigkeit der demokratischen Gremien".
Im Saal verfolgten später rund 170 Zuhörer die Lesung des Autors aus Berlin. Von den Protesten vor der Tür dürfte Sarrazin so gut wie nichts mitbekommen haben. Nach einem kleinen Rundgang durch Bernau hatte er die Stadthalle kurz vor 19.30 Uhr durch einen Seiteneingang betreten.
Friedlich: Unter dem Motto "Wir sind Sarrazins Alptraum" demonstrierten 30 Bernauer gegen den Autor. Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Netzwerk für Weltoffenheit und Toleranz Bernau hatte zu Kundgebung aufgerufen