Cremefarben, babyblau oder mit grün-gelber Optik - schnell drängt sich auf dem Platz an der Ahrensfelder Ulmenallee der Eindruck auf, Bulli-Fahrer stehen auf ausgefallene Farben. So ganz falsch ist dieser Eindruck nicht, allerdings orientiert sich die Lackierung oft am Original. Von 1967 bis 1979 wurden die T2-Bullis durch VW millionenfach in Deutschland gebaut. In Mexiko lief die Produktion weiter, in Brasilien wurden die Bänder sogar erst 2014 abgestellt. "Offiziell wurde die Einstellung der Produktion mit fehlenden Sicherheitsfeatures wie einem ABS und einem Airbag begründet. Tatsächlich aber hätte VW die Werkzeuge an den Bändern erneuern müssen. Das wollte VW für einen derart alten Wagen nicht investieren." Roland Röttges sagt diese Sätze mit leicht knurrender Stimme, er ist der Vorsitzende des bundesweiten Vereins, der 700 Mitglieder zählt.
Im einem Bulli der damaligen Luxus-Variante "Berlin" wird einmal mehr über das Lieblingsthema der Technikfreunde diskutiert. "Der Bulli im Allgemeinen und Besonderen" könnte die Überschrift dieser Diskussion sein, die am Abend zuvor gegen 3 Uhr früh am Lagerfeuer ihr Ende fand und nun neu aufgenommen wird. "Bulli-Fahren bedeutet für mich Freiheit, Lebensgefühl, mit strahlendem Gesicht fahren, Urlaub haben", sinniert Stefan Mikus aus Berlin. Ihm gehört der cremefarbene Bulli, gerade kocht er mit seinem Alu-Topf Wasser für frischen Filterkaffee. "Im Bus gibt es immer Filterkaffee", bemerkt er verschmitzt. Der promovierte Biologe besitzt den Wagen seit 16 Jahren, damals kostete der Camper-Van mit Westfalia-Ausstattung 3000 D-Mark. "Heute habe ich ein Wertgutachten über 25 000 Euro, dabei ist der Bus nicht einmal besonders gut in Schuss. Wir nutzen ihn ständig zu fünft. Die zwei kleineren Kinder schonen das Fahrzeug nicht unbedingt", erzählt Mikus, während er den Kaffee in moderne Thermo-Becher umfüllt. Immerhin: Vier bequeme Schlafplätze bietet das Gefährt, das so gar nicht alt und abgewohnt erscheint. "Das Fahren ist schon etwas anstrengend. Das Getriebe hakelt, eine Servo-Lenkung gibt es nicht. Mit den 70 Pferdestärken kann ich mit Tempo 100 und 110 schön auf der Autobahn mitschwimmen", erzählt der Berliner.
Cheforganisator des diesjährigen Vereinstreffens ist mit Thomas Poltersdorf ein Ahrensfelder. Er ist der Besitzer eines cremefarbenen Bullis, der mit Blaulicht und Funkantennen sofort ins Auge sticht. "Dieser Bulli wurde 1973 an den Berliner Arbeiter-Samariter-Bund ausgeliefert und als Einsatzleitwagen der Fernmeldeeinheit genutzt", ruft Poltersdorf die Fahrzeugdaten auf. Seit 2000 ist er der Eigentümer, für 750 D-Mark hatte er den Bulli mit seinen mageren 47 Pferdestärken erworben. "Heute ist der Wagen nicht mehr bezahlbar, denn er ist ein Unikat", weiß der Ahrensfelder um den Wert des Fahrzeuges. Über die Jahre hat er die damalige Ausstattung des Fahrzeuges wieder zusammengetragen, das Sonnensegel wiederbeschafft, ebenso den Anhänger und die Funkantennen. Selbst der originale Sani-Kasten und die Uniform sind an Bord. "Ich vermute mal, der Wert liegt bei über 25 000 Euro, aber genau weiß ich es nicht. Wieder beschaffbar wäre er jedenfalls nicht."
Genau dieser explodierende Wertzuwachs sorgt dafür, das der T2-Verein nicht mehr jünger werden kann. "Natürlich haben wir Nachwuchsprobleme, wer kann sich denn noch so einen Wagen leisten", bestätigt Vereinsvorsitzender Röttges. In diversen Pkw-Verkaufsportalen gebe es maximal "T2-Leichen" zu kaufen. Hilfreicher sei es da schon, Bullis aus Brasilien, Mexiko oder den USA zu importieren.
Der Aufwand würde sich auf jeden Fall lohnen, sind sich alle Bulli-Fahrer einig. "Wenn wir kommen, drehen die Leute sich um und Kinder zeigen voller Freude auf uns. Bulli-Fahren ist Kult und macht Spaß", fasst Mikus zusammen. Poltersdorf ergänzt: "Der Bulli ist für mich eine Zeitkapsel."