Schwere Vorwürfe gegen den von der Stadt finanzierten Jugendklub „Dosto“ erhob Péter Vida (Unabhängige Fraktion) in der Stadtverordnetenversammlung. Er und andere würden von den Mitgliedern verfolgt und diffamiert.
Es sei nicht mehr hinzunehmen, wie seine Vereinigung und ihre Familien vom Dosto, „denunziert, bespitzelt, verleumdet und psychisch verfolgt würden“, führte Vida am Mittwochabend vor dem Gremium aus. Als Beispiel nannte er eine Broschüre der Antifa Bernau/Barnim, die laut Vida „mit dem Dosto personengleich ist“, mit dem Titel „Nazi-Aktivitäten im Landkreis Barnim“.
Auch der Unabhängigen Fraktion wird darin eine Seite gewidmet und ein Zusammenhang hergestellt zwischen der Kandidatur von Dirk Wesslau und Thomas Strese in der Schill-Partei im Jahr 2001 und der danach entstandenen „Unabhängigen Fraktion“.
Der Versuch sei klar, so Vida, man wolle die Unabhängigen, samt der sachkundigen Einwohner und der Kandidaten mit „springerstiefeltragenden, glatzköpfigen, rassistischen Schlägern und Mördern“ in einen Topf werfen. Dabei würden krasse Unwahrheiten, Falschbehauptungen und Erfindungen verbreitet. „Diese Broschüre ist die Spitze des Eisbergs an Verleumdungen und Denunziationen, die wir und unsere Familien seit Jahren zu ertragen haben“, so Vida weiter. Er berichtet von anonymen Hetzschriften, die an Freunde und Arbeitgeber verteilt würden und von Anpöbeleien auf der Straße.
Auch das Hussitenfest kommt in der Broschüre nicht gut weg. Zwar sei nicht jeder Besucher ein Nazi oder Rassist, es bestehe aber eine gewisse Nähe, ist dort zu erfahren. „Die Ablehnung der Moderne, die Romantisierung rückständiger Bräuche,... die Chance, Met-saufend in Ritteroutfit und mit Schwertern rumzulaufen, eint die Besucher des Festes.“
Dosto-Mitarbeiterin Katrin Schudde weist die Vorwürfe gegen den Jugendklub zurück. „Ich kenne diese Broschüre gar nicht und sie wurde auch nicht hier gefertigt.“ Die Antifa sei nicht gleichzusetzen mit dem Dosto, versichert sie. Doch ein Blick auf die Internetseiten verdeutlicht, wie eng die Zusammenarbeit ist. Auf der Internetseite der Bernauer Antifa wird das Dosto im Impressum als Kontaktadresse aufgeführt.
Péter Vida ist nicht der einzige, der die Arbeit des Dosto kritisiert. Am 13. September lud die Polit-AG des Dosto zu einem „Infoabend zu Religionskritik anlässlich des Papstbesuches ein. In der Ankündigung werden Gläubige als „hundert Millionen Verblendete“ bezeichnet. Und weiter: „Denn wer auf eine Belohnung im Jenseits spekuliert, mit dem/der ist der Kampf für Emanzipation und befreite Gesellschaft im Diesseits nicht zu machen.“ Unterzeichner der Einladung: Die Polit-AG des Dosto.
Die Einladung bekam auch Lutz Reimann von der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal. „Der Text trieft vor fundamentalistischer Ablehnung und Gleichmacherei aller Katholiken“, schreibt er den Unterzeichnern zurück. Eigentlich schätze er das Dosto, „aber das macht mir Angst, wenn dort junge Menschen so auf einen Blick über den Tellerrand geprägt werden.“ „Das war ein blöder Fehler“, so Katrin Schudde. „Der Text stammt nicht vom Dosto. Wir haben ihn leider unreflektiert weitergeleitet.“
Der Ärger der Unabhängigen Fraktion richtet sich vor allem dagegen, dass der Jugendklub, der sich in Trägerschaft des Vereins „Jugend- und Bildungsinitiative Bernau“ befindet, finanziell von Land, Kreis und Stadt Bernau unterstützt wird. Und das nicht zu knapp. Über 80 000 Euro zahlen sie an den Klub. Rund ?33 000 Euro davon trägt die Stadt Bernau. Erst im März bewilligte der Kultur-Ausschuss 11 500 Euro für Projektförderung.
Betroffenes Schweigen herrschte am Mittwochabend im Anschluss an den Vortrag von Péter Vida in der Stadthalle. „Die Stadtverordnetenversammlung wird sich damit zu beschäftigen haben, ob städtische Gelder verwendet werden für etwas, was sich nicht mit unserer Auffassung von Jugendarbeit deckt“, kündigte Bürgermeister Hubert Handke (CDU) an.