Wie schnell man vom Brandenburgischen Viertel im Grünen ist! Ein paar Schritte und schon steht der Spaziergänger im Wald. In der ersten Frühlingssonne ein wunderbarer Anblick. Und diese Stille! Doch was ist das? Kinderstimmen? Der Nachwuchs hat eine Lichtung in Beschlag genommen. Die Kleinen schleppen Hölzer hin und her und erkunden die Umgebung. Alles natürlich unter Aufsicht. Ihre Eltern sind dabei, eine Erzieherin - und zwei Mitarbeiterinnen der Stiftung WaldWelten, die diesen Ausflug in die Natur organisiert hat.
Alle zwei Wochen, jeweils am Mittwoch, trifft sich die Projektgruppe "Wald-Familientage". Sie richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen vier und zwölf Jahren und ihre Familien. Die Gruppe ist bereits gut besucht, bisher ausschließlich durch die Schüler der Schwärzesee-Grundschule, die in der Kita "Arche Noah" den Hort besuchen.
Die Stiftung WaldWelten hat es sich zur Aufgabe gemacht, Jung und Alt für die Belange des Lebensraums Wald zu sensibilisieren. Genau das leistet auch die Gruppe: Die Kleinen arbeiten mit den Materialien, die sie im Wald finden.
Dann wieder sitzen sie zusammen, trinken Tee und lauschen Projektleiterin Daniela Stöckhardt, wie sie ihnen die Himmelsrichtungen erklärt und zeigt, was man so alles in der Natur finden kann: einen vom Biber angefressenen Ast, eine Muschel und den Unterkiefer eines Rothirschs. "Hier können die Kinder Spaß haben", sagt Daniela Stöckhardt, "das Lernen passiert nebenbei."
Jede Woche steht unter einem neuen Motto. So soll es eine Schnitzeljagd geben, die Kinder werden Feuer machen und eine Kräuterwanderung unternehmen. Das alles im Beisein ihrer Familie. Denn das ist ein weiteres Ziel des von der Aktion Mensch unterstützten Projektes: Dass die Kleinen eine aufregende Zeit mit ihren Eltern und Geschwistern verbringen.
Ein Dutzend Kinder sind zum ersten Treffen gekommen. Die andere Hälfte der Hortkinder macht bei einem zweiten Projekt mit, das gleichzeitig stattfindet: "Bunt statt grau - eine Wiese fürs BV", wobei BV für Brandenburgisches Viertel steht. Kinder und Jugendliche aus dem Viertel - vor allem jene aus Zuwanderer- und Flüchtlingsfamilien - sollen aus der Brache vor der Kita eine blühende Wiese machen. "Wir wollen richtig viel buddeln", sagt Projektleiterin Anna Kolossova zu den Kleinen. "Das wird ganz bunt hier werden."
Zusammen mit ihr und einer Landschaftsarchitektin werden die Kinder den Aufbau der Wiese planen, die Kräuter und Blumen aussuchen und sie anschließend pflanzen. Auf diese Weise sollen sie auch Verständnis dafür entwickeln, was Vielfalt bedeutet. "Wir wollen zeigen, dass jeder anders ist, und dass es schön ist, dass jeder anders ist", sagt Stiftungsleiterin Karin Siegmund.
Dabei spielt die lokale Verortung eine besondere Rolle. "Die Wiese soll auch ein Beitrag für die Nachbarschaft sein", sagt Anna Kolossova. Wenn das Projekt, das von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert wird, im Sommer ausläuft, werden die Kinder das blühende Biotop an die Bewohner des Viertels übergeben. Alle gemeinsam sollen sich dann um die weitere Pflege der Wiese kümmern.
Die Kinder jedenfalls sind voller Tatendrang. Als das erste Treffen zu Ende geht, freut sich Tabea Noack schon aufs nächste Mal: "Ich wünsche mir, dass es wärmer wird, damit wir dann auch pflanzen können."
Beide Projekte finden alle zwei Wochen statt, mittwochs, 14 Uhr. Treffpunkt: Kita "Arche Noah", Kontakt: Telefon 03334 657476