Das mussten sie sich ansehen. Deshalb hatten sich Wolfgang und Anne Heinemann schon früh auf den Weg aus Berlin nach Eberswalde gemacht. "Wir waren die Ersten", sagen die beiden. Bereits um 13Uhr trat das ältere Paar durchs Tor zum Forstbotanischen Garten. In einer Ankündigung zur Waldweihnacht hatten sie gelesen, dass nur 2000 Besucher aufs Areal gelassen werden. Den größten Besucheransturm erlebte das Gelände aber erst bei Sonnenuntergang. Dann nämlich entfaltete der Garten seinen ganzen Zauber. Die Bäume wurden in verschiedenen Farben angestrahlt, Kerzen leuchteten am Wegesrand. Gäste versammelten sich ums Feuer, standen Schlange an den Buden und warteten auf die Aufführung "Die Königin der Nacht".
Zwei Euro kostete der Eintritt zum Spektakel. Mehr als 1300 Erwachsene allein am Sonnabend zahlten ihn gern. Kinder durften gratis zur Waldweihnacht. Ihre Zahl schätzt Karin Siegmund, Geschäftsführerin der Stiftung Waldwelten, auf 300. Damit besuchten schon am ersten Tag knapp 1700 Menschen den Forstbotanischen Garten. "Das ist die Zahl, die wir wollten", sagt Karin Siegmund. Es ist ein Spagat. Natürlich sollen möglichst viele an der Veranstaltung teilhaben, gleichzeitig aber genug Platz haben und das Programm sicher genießen können.
Dazu gehörte am Nachmittag das musikalische Duo Thalamus, bestehend aus Janana Klemm und Sascha Lej. Beide sind jedes Jahr maßgeblich an der Gestaltung der Waldweihnacht beteiligt und haben auch "Die Königin der Nacht" inszeniert - eine Mischung aus Musik, Tanz, Theater und Akrobatik.
Nach einer Showeinlage der Gruppe Vivante geht es pünktlich um 17 Uhr los. Seltsame Schatten tanzen hinter einem dreieckigen Leinentuch zu klassischer Musik. Dann treten die Wesen durch den Vorhang in die Welt des Publikums und studieren die Menge neugierig. Einige tragen gehörnte Masken, andere leuchten wie Glühwürmchen. Auch Menschen haben sich in den Wald verirrt. Als die Nachtgeister mit Fackeln und geschwärzten Gesichtern zu Heavy-Metal-Gitarren in die Mitte stürmen, flüchtet ein furchtsamer Waldbesucher in atemberaubender Geschwindigkeit auf einen hohen Baum. Es wird wild. Erst als die Königin der Nacht das an drei Holzstämmen befestigte Tuch erklimmt, kehrt Ruhe ein. Dann bittet ihre Hoheit im blau schimmernden Kostüm zum Tanz, wird umringt von Elfen, einer Fee auf Stelzen und auch die zuvor ungezügelten Waldgeister bewegen sich nun in höfischer Manier zum Takt der Musik.
Am Ende der fantasievollen Aufführung stehen mehrere Symbole in Flammen. Das Publikum applaudiert. Die Gäste dürfen nun vorsichtig über die Absperrung treten, um Geister und Königin aus der Nähe zu betrachten. Sascha Lej lädt sie ein, am großen Feuer miteinander zu singen.
Am Sonntag dann treten die Wesen noch einmal in Erscheinung und präsentieren Szenen des Stückes. Hinter den Masken vieler verbergen sich die Gesichter von Studenten - drei Viertel der Mitwirkenden besuchen die Hochschule. Aber auch andere Eberswalder helfen tatkräftig mit. Die abgefackelten Symbole wurden von Teilnehmern des Berufsorientierungsprojekts Perspektive Naturleute gefertigt. Sie betrieben auch den Flammekuchenstand. Mehrere Sponsoren unterstützen die Veranstaltung der Stiftung.