Anika Gutknecht hat - nach dreijähriger Ausbildung in Lobetal - im Juni ihr Zeugnis als staatlich anerkannte Erzieherin erhalten. Und seit 1. Juli arbeitet sie im "Kinderparadies Nord-end". Sie habe sich bei der Stadt Eberswalde beworben, und es habe auf Anhieb geklappt. "Im September übernehme ich die Gruppe der Zweijährigen", freut sich die 29-jährige Eberswalderin, selbst Mutter zweier Kinder.
Anika Gutknecht gehört zu jenen acht Erziehern, die die Stadt in den vergangenen Wochen neu eingestellt hat, wie Jan König, kommissarischer Leiter des Sozialdezernats im Rathaus Eberswalde, auf Anfrage sagt. Sechs Kollegen aufgrund wachsender Kinderzahlen in der Stadt sowie zwei aufgrund der gesetzlichen Neuregelung zum Betreuungsverhältnis. Einige traten ihren Dienst zum 1. Juli und zum 1. August an. Einige folgen per 1. September.
Bislang hat ein Erzieher in der Kita im Kindergartenbereich (drei bis sechs Jahre) zwölf Schützlingen betreut. Laut Kita-Anpassungsgesetz, so der sperrige Titel der Novelle, soll der Schlüssel nun bis 2018 in zwei Schritten auf eins zu elf verbessert werden. Seit 1. August gilt die Quote 1:11,5. Woraus für Eberswalde besagter Mehrbedarf von zwei Kollegen (bei jeweils 32 Wochenstunden) resultiere.
Trotz allgemeinen Fachkräftemangels, Probleme mit der Stellenbesetzung habe die Stadt nicht, sagt Jan König. Es gebe ausreichend Bewerbungen, auch immer wieder initiativ. Dank der regionalen Ausbildung, etwa in Lobetal oder in Templin, würden viele Schüler Praktika in Eberswalder Einrichtungen absolvieren. "Dadurch lernen wir die Frauen und Männer schon sehr gut kennen", so der Dezernent.
Aktuell werden in den 13 städtischen Kitas und Horten mehr als 1500 Schützlinge betreut - vom Krabbler bis zum Grundschüler. Bei einer Kapazität von um die 1600 Plätzen liege die Auslastung momentan bei fast 97 Prozent. Gleichwohl gibt es bekanntlich hier und da Engpässe. Um den Bedarf zu decken, erhöht die Stadt die Kapazität kurzfristig um 140 Plätze. Zum 4. September soll der neue Zentralhort an der Eisenbahnstraße 100 in Betrieb gehen. Mit dem Umzug von Grundschülern in die frühere Realschule werde Platz für weitere Krippen- und Kindergartenkinder im "Sonnenschein" sowie im "Haus der kleinen Forscher" geschaffen. Der Zentralhort selbst, für den die künftigen Nutzer einen Namen aussuchen dürfen, sei mit 100 Plätzen konzipiert.
Eine weitere Aufstockung sei für das Brandenburgische Viertel geplant, bestätigt König auf Nachfrage. Die Stadt sei dort auch mit freien Trägern im Gespräch. Die Verhandlungen seien bereits recht weit vorangeschritten, so dass "wir hoffentlich im Spätherbst eine Lösung für dieses Quartier präsentieren können". Womit der Dezernent, wie er bekräftigt, ein "reguläres Kita-Angebot" meint - und keine weitere Eltern-Kind-Gruppe. Ein Angebot, mit dem der Rechtsanspruch von Eltern auf Kita-Betreuung ihres Nachwuchs erfüllt wird.
Die Stadt Eberswalde beschäftigt aktuell 194 Erzieher, darunter etwa zehn Prozent männliche Kollegen. Bei den jetzigen Neueinstellungen handelt es sich sowohl um Berufsanfänger, also ganz junge Mitarbeiter, als auch um bereits etwas ältere. König spricht von einem "guten Mix". Für Anika Gutknecht war es bereits die zweite Ausbildung. Ursprünglich war sie in der Gastronomie tätig. Doch als damals alleinstehende Mutter waren für sie Beruf und Familie schwer vereinbar. Deshalb orientierte sie sich neu. Die Kita "Kinderparadies Nordend" sei zwar die zweitgrößte Einrichtung der Stadt. "Aber ich bin total glücklich hier", freut sich Gutknecht über den Neustart in der Heimat.