Die Backstube der Privatbäckerei Wiese in Britz ist ein ungewöhnlicher Ort für eine Auszeichnungsveranstaltung. Wo sonst täglich zwischen 3000 und 6000 Brötchen, 200 bis 400 Brote und obendrein Kuchen und Torten gebacken werden, präsentiert Uwe Riediger, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Barnim, den Gastgeber der Feierstunde, Bäckermeister Björn Wiese, als leuchtendes Vorbild für erfolgreiche Unternehmertätigkeit.
"Der Mann bezieht anders als ich kein sicheres Gehalt als Angestellter. Er stellt sich jedem Tag neu den Herausforderungen des Marktes", lobt Uwe Riediger. Der Bäckermeister, der den 1998 gegründeten Familienbetrieb zusammen mit seiner Schwester Birte Wiese führt, beschäftigt 75 Mitarbeiter - in der Backstube und in einer Betriebsverkaufsstelle in Britz sowie im Café Gustav und in einer weiteren Filiale in Eberswalde.
Die vom Sparkassen-Vorstand gepriesene Unternehmerpersönlichkeit beantwortet beim Betriebsrundgang für die erfolgreichen Schülerfirmengründer Frage um Frage - zum Beispiel die nach seinem Jahresumsatz, der zwischen zwei und drei Millionen Euro schwankt.
Noch haben sich die Ausgezeichneten nicht entschieden, ob sie nach Abitur und Studium den Sprung in die Selbstständigkeit wagen werden. Vier spannende Monate lang hatten sie sich als Existenzgründer zu bewähren - und dabei eine Geschäftsidee mit Leben zu erfüllen, eine Marktanalyse vorzunehmen, Werbe- und Vermarktungsstrategien zu erarbeiten und die Finanzierung zu stemmen. Die drei fiktiven Firmen standen mit 1057 weiteren im bundesweiten Wettstreit.
Erfolgreichste Barnimer Vertreter waren Antonia Malchow (16), Stephanie Rünger (16), beide aus Eberswalde, Leonie Grebe (16) und Kristin Schünecke (16), beide aus Finowfurt. Die Schülerinnen des Gymnasiums Finow haben mit ihrer Firma Amazing 3485 Punkte erreicht. Besser hat in Brandenburg keine Sparkassen-Vertretung abgeschnitten. In der Gesamtwertung kam das Quartett auf den 141. von 1060 Schüler-Mannschaften. Ihr Produkt war eine Anti-Stress-Box, die unter anderem Murmeln, Bälle und Gummibändchen enthielt und einen beruhigenden Duft verströmte. "Die Holzbox hat uns die Tischlerei Killermann aus Lichterfelde entworfen", verriet Antonia Malchow, die den Rummel um das tolle Abschneiden ihrer Firma so locker wegsteckte, als sei sie selbst auf keinen Fall auf eine Anti-Stress-Box angewiesen.
Die Nummer Zwei im Barnim ging fürs Freie Gymnasium Joachimsthal ins Rennen. Deren Schülerfirma Pa.La.Ma.Mi.Ev schaffte es mit 3095 Punkten brandenburgweit auf den fünften und in der Gesamtwertung auf den 298. Platz. Michéle Wrensch (16) aus Golzow, Paula Hinz (16) aus Joachimsthal und Marie Gürtler (17) aus Templin hatten mit dem Konzept für ein umweltfreundliches Generationenhaus überzeugt, in dem eine Kita, eine Schule und betreutes Wohnen untergebracht sind. "Im Firmennamen sind die Anfangsbuchstaben unserer Gründerinnen versteckt. Wir sind dabei geblieben, obwohl es bei uns einen personellen Wechsel gab", berichtete Michéle Wrensch.
Barnimer Bronze holte sich das "Café Wonderland" aus dem Beruflichen Gymnasium des Oberstufenzentrums II, das 2595 Punkte einfuhr, was für den achten Platz in Brandenburg und den 521. Platz in Deutschland genügte. Sarah Cubeus-Köhler (18) aus Eberswalde, Andy Dewitz (18) aus Werneuchen und Anne Behnisch (18) aus Eberswalde haben ein Konzept entwickelt, das den Café-Besuch gründlich verändern könnte. Nicht die verzehrten Speisen und Getränke, sondern die im Café verbrachte Zeit werden in Rechnung gestellt. Bäckermeister Björn Wiese verriet nicht, ob er dieses kühne Geschäftsmodell prüfen wird.
Kostproben beim Backstuben-Rundgang: Bäckermeister Björn Wiese zeigt drei erfolgreichen Schülerfirmen den Betrieb und einige besonders schmackhafte Kreationen. Zu den Feiernden gehören auch Kristin Schünecke, Stephanie Rünger, Antonia Malchow und Leonie Grebe von "Amazing" (hintere Reihe von rechts). Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Drei von der Sparkasse Barnim betreute Schülerfirmen bewähren sich im Gründerpreis-Wettbewerb