Wer mit Anna Kolossova und Cindy Richter durch einen Teil des 488 Hektar großen Naturschutzgebietes Nonnenfließ/Schwärzetal spaziert, lernt dabei wie nebenbei, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Die vor allem mit der Umweltbildung betrauten Stiftungsbeschäftigten weisen ihr Publikum auf Details am Wegesrand hin, die Nichteingeweihten verborgen bleiben. Zum Beispiel auf etliche Kräuter, die bereits so früh im Jahr gedeihen. Unter anderem auf den Giersch, der von manchem Kleingärtner als Unkraut verteufelt wird. "Die beste Möglichkeit, den Giersch loszuwerden, ist es, ihn aufzuessen", schlägt Anna Kolossova vor. Solange die Blätter noch frisch seien, biete sich die Pflanze als Zutat für Salat oder Suppe an. Früher stand der Giersch in dem Ruf, gegen Gicht und Rheuma zu wirken. "Heute ist entscheidender, dass er lecker schmeckt", findet die Umweltbildnerin, die am Ende der ersten Kräuterführung im neuen Jahr am 17. April auch wieder die berühmte Gründonnerstagssuppe servieren wird, in die neben dem Giersch acht weitere Kräuter kommen. Darunter das Scharbockskraut, dessen hoher Vitamin C-Anteil einst Skorbut-Kranken half, und das Bittere Schaumkraut, das im Geschmack an Senfkresse erinnert und für eine pikante Note sorgt.
Die Umweltbildung ist eine von drei Kernaufgaben der Stiftung WaldWelten, die 2010 von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung und von der Stadt Eberswalde gegründet wurde. "Wichtig sind uns überdies die Waldforschung und der Naturschutz sowie die Kulturförderung", sagt Professor Harald Schill, der als ehrenamtlicher Präsident der Stiftung in der Verantwortung steht. Sein Stellvertreter Bernhard Götz nennt einige der Höhepunkte, die im Jahreskalender notiert sind. "Am 18. Mai wird es einen WaldWelten-Lauf geben. Am 16. August sind unsere Waldgeister bei der Schlossparknacht in Bad Freienwalde zu erleben. Und am 13. und 14. Dezember steigt die vierte WaldWeihnacht im Forstbotanischen Garten", kündigt der Vize-Präsident an.
Für Anna Kolossova und Cindy Richter geht des Weiteren das Projekt "Blickwinkel - Inklusion macht Schule" in die zweite Runde, in dem bislang je eine Klasse aus der Nordendschule und aus der Karl-Sellheim-Schule ein Waldstück in Nordend betreuen, das ihnen vom Stadtförster zur Verfügung gestellt wurde.
Mit ein bisschen Glück wird bei der Kräuterführung am Gründonnerstag der Graureiher zu sehen sein, der sich im Naturschutzgebiet wohlfühlt. Auf alle Fälle sind die Hinterlassenschaften des Bibers zu beobachten.