Seit Juli haben die Stadtwerke Eisenhüttenstadt einen neuen Geschäftsführer. Er heißt Armin Baumgärtner (45), ist vom Saarland in die Stahlstadt gekommen und hat einige Pläne. Eisenhüttenstadt soll, wenn es nach ihm geht, zu einer "solaren Stadt" werden.
"Es war ein herzliches Willkommen von allen Seiten", erzählt Armin Baumgärtner, der nach der Stadtwerke-Ära Bernd Rothe-Sallmann sicherlich keinen leichten Job übernommen hat. Das weiß er auch, aber der Saarländer nimmt die Herausforderung gern an und hat sich offensichtlich schon gut eingelebt. Zunächst einmal habe er mit den Kollegen gesprochen, "um ihnen die Angst vor dem Neuen zu nehmen", sagt er. Jetzt komme er ins Büro, mache seine Arbeit, "als wär' es schon immer so gewesen". Sogar sein Auto trage bereits das LOS- statt das SLS-Kennzeichen. SLS steht für den Kreis Saarlouis, wo er jahrelang lebte.
Bereits im Juni sind der 45-Jährige, seine Frau und das gemeinsame Baby in die Stahlstadt gezogen. Mitten im Zentrum wohnen sie, gleich an der Ecke zur Saarlouiser Straße. Über diese Tatsache muss er selbst schmunzeln. Durch die Städtepartnerschaft mit Saarlouis sei Eisenhüttenstadt für ihn übrigens kein "unbekanntes Städtchen" mehr gewesen, als er sich für den Posten des Stadtwerke-Geschäftsführers beworben hatte. Es gibt aber noch eine Verbindung hierher. Vor Jahren hatte das Energieversorgungsunternehmen Enovos den Bau eines Kraftwerkes in Eisenhüttenstadt geplant - das Projekt ist mittlerweile vom Tisch. Aber damals liefen alle Anfragen dazu bei ihm auf, erzählt Baumgärtner, der zuletzt als Vertriebsleiter bei der Enovos Deutschland AG zuständig war.
Der Umzug nach Eisenhüttenstadt bedeutet aber nicht nur einen Karrieresprung zum Geschäftsführer, sondern hat auch positive persönliche Aspekte. Seine Frau stammt aus Polen. Einmal im Jahr steht deshalb ein Besuch im Nachbarland an. Nun seien aus 1240 Reisekilometern 420 geworden, freut er sich über die Grenznähe.
Die Arbeit bei den Stadtwerken hingegen wird kein Urlaubsvergnügen. Das ist ihm klar. "Herr Rothe-Sallmann hat das Unternehmen sicherlich mit einer glücklichen Hand dorthin gebracht, wo es heute steht. Da bin ich auch dankbar für." Weil man heutzutage selten ein 100 Prozent kommunales Unternehmen mit gesunden Zahlen finde. "Das ist ein Vorteil, aber auch absolut notwendig", betont der Diplombetriebswirt mit Blick auf die Zukunft, in der man mit Vorsicht und Weitsicht agieren müsse. Die geschaffenen Rücklagen seien wichtig, weil nicht sofort, aber in planbarer Zeit "Investitionen in nicht unerheblicher Höhe" anstehen würden. Baumgärtner spricht von siebenstelligen Beträgen. Diese werden fällig, um beispielsweise alte Fernwärmeleitung zurückzubauen, Energieleitungen und Anlagen zu erneuern und Sicherungsmaßnahmen durch Ringleitungen in einzelnen Wohnkomplexen durchzuführen. Seine Strategie sei es, die jetzige Wärmeversorgung zu sichern - auch im Hinblick auf einen weiteren Einwohnerschwund.
Er wolle das Unternehmen nicht von A nach B umbauen, plane auch keinen Kraftwerksbau, sagt Baumgärtner. "Aber ich möchte, dass sich das Unternehmen weiterentwickelt." Vor allem das Thema erneuerbare Energien hat es ihm angetan - wie schon seinem Vorgänger. "Eisenhüttenstadt - die solare Stadt", etwas in der Richtung klingt gut in seinen Ohren. "Hoffentlich sehen wir hier auf dem ein oder anderen Dach bald noch mehr Photovoltaikanlagen", sagt er. Daran werde gearbeitet - gemeinsam mit der Gebäudewirtschaft und der Wohnungsbaugenossenschaft. Sogar auf denkmalgeschützten Gebäuden seien Solarmodule nicht mehr unmöglich. Priorität sei es jetzt, dass man unkompliziert und schnell ans Netz kommt, auch um die bereits stark geschrumpften Vergütungssätze über das Erneuerbare-Energien-Gesetz noch zu nutzen, um Investitionen abzufedern. "Ich möchte, dass wir das gemeinsam machen - für Eisenhüttenstadt." Sogar die Bürger würde er einbeziehen und beteiligen - beispielsweise durch Solaraktien, die man ausgeben könnte. Deshalb müsse man die Kapazitäten schnell ausfindig machen. Solarenergie könnte zudem den Standort Eisenhüttenstadt attraktiver machen, glaubt er.