Wenn Eisenhüttenstadt im Jahr 2030 nur noch 20200 Einwohner hat, dann wird eine Altersgruppe vom allgemeinen Bevölkerungsrückgang nicht betroffen sein, sondern die Jahre über sogar zulegen: Fast die Hälfte (43 Prozent) der Einwohner wird dann älter als 65 Jahre sein, heißt es in einer sogenannten Bevölkerungsvoraussschätzung des Landesamtes für Bauen und Verkehr. Nicht nur für Eisenhüttenstadt bedeutet dies, dass spezifische Bedürfnisse, die sich aus diesem demographischen Wandel ergeben, bei den Planungen mit berücksichtigt werden müssen.
Mit einem Senioren-Einkaufs-Mobil, das über Fördermittel finanziert wird, reagiert die Stadt auf die Erkenntnis, dass viele Ältere, vor allem auch Alleinstehende, nicht mehr ohne Auto einkaufen können. "Die durchschnittlich ältesten Bewohner hat der V. Wohnkomplex. Hier liegt der Altersdurchschnitt bei 54,4 Jahren", sagt die Seniorenbeauftragte Andrea Peisker. "Auch der Anteil der Einwohner, die 75 Jahre und älter sind, erhöht sich vor allem im Stadtzentrum, insbesondere in den Wohnkomplexen III und IV überproportional." Im IV. WK, wo fast jeder fünfte Einwohner älter ist als 75 Jahre, wohnen überwiegend allein lebende Ältere.
"Das ist nichts, was schlimm ist", sagt Andrea Peisker. Dass der Anteil der Älteren zunimmt, sei ein gesellschaftliches Phänomen. Wie weit Eisenhüttenstadt auf diesen Wandel vorbereitet ist - vor allem, was den Bereich der Pflege und der Altenhilfe betrifft -, wollte jüngst die CDU-Fraktion in einer Anfrage von der Stadt wissen.
Für Eisenhüttenstadt, so Andrea Peisker, gibt es keine eigenen Planungen. Lediglich für den Sozialraum Eisenhüttenstadt, zu dem auch die Umlandgemeinden gehören, hat der Landkreis Oder-Spree Prognosen erstellt. Demnach wird sich der Bedarf nach stationärer Altenhilfe laut einer Sozialplanung der Landkreises auf 657 Plätze im Jahr 2030 erhöhen, 2008 lag der Bedarf bei 424 Plätzen. Vor allem beim betreuten Wohnen gehen die Zahlen in den folgenden Jahren deutlich nach oben. War im Jahr 2008 der Bedarf noch mit 93 Plätzen beziffert, werden 2020 schon 408 Plätze genannt. Auch wird die Zahl derer steigen, die an Demenz erkrankt sind. "Für das Jahr 2030 kann von 1224 demenziell Erkrankten ausgegangen werden", erklärt Andrea Peisker, wobei diese Zahl auch für Eisenhüttenstadt und die Umlandgemeinden gilt.
Die Seniorenbeauftragte macht darauf aufmerksam, dass die Altenhilfe laut Gesetz nicht zu den unmittelbaren Aufgaben der Stadt gehört. Dennoch, so die Seniorenbeauftragte, werden verschiedene Ansätze in der Stadt verfolgt, um der demographischen Herausforderung gerecht zu werden. Sie selbst sieht die bisher aufgebauten Strukturen beispielgebend. Diese sollen auch erhalten werden. Örtliche und regionale Angebote für Senioren sollen gebündelt werden. Was das Angebot an altersgerechten Wohnungen anlangt, sieht sie die Wohnungsunternehmen in einer wichtigen Rolle.