Fünf Euro bezahlen Camper aktuell, die in Ratzdorf auf dem Parkplatz am Michael-Jackson-Spielplatz ihr Wohnmobil über Nacht abstellen. Dafür bekommen sie zusätzlich kostenfrei Trinkwasser. Die Möglichkeit, ihr Grauwasser zu entsorgen oder ihre Toilette zu entleeren, und auch Strom gibt es bisher nicht.
Das soll sich künftig ändern. In ihrer Sitzung am Mittwoch beschlossen die Gemeindevertreter von Neißemünde, dass im Bereich der Parkflächen eine Ver- und Entsorgungsanlage gebaut werden soll und zudem eine Standsäule für Strom aufgestellt. Damit erhoffen sie sich, dass Gäste über einen längeren Zeitraum bleiben beziehungsweise neue Gäste angelockt werden.
"Bisher können sie maximal drei Tage bleiben, dann müssen sie zum Entleeren der Fahrzeuge weiterfahren", erklärt Gemeindevertreter Manfred Rösler, der für die Camper im Ort der erste Ansprechpartner ist und auch jeden Tag nach dem Rechten sieht. "Viele würden gern auch länger bleiben", weiß er.
Er ist daher sicher, dass sich die Aufrüstung lohnt. Immerhin 150 Wohnmobile konnte er hier im vergangenen Jahr von Anfang Juni bis Anfang Oktober zählen. In Zukunft rechnet er im Durchschnitt mit fünf bis sechs Fahrzeugen täglich. "Das wäre vollkommen ok, denn Massentourismus wollen wir ja gar nicht", berichtet er. Die Besucher wären vorrangig ältere Leute, die aus ganz Europa stammten und die sich an der Natur erfreuten.
Bis den Gästen die Neuerungen zur Verfügung stehen, wird es aber noch einige Zeit dauern. Nach dem einstimmigen Beschluss vom Mittwoch könne er die Bestellung für die notwendigen Anschaffungen zwar noch in dieser Woche vornehmen, sagte Bauamtsleiter Thomas Tavernier, bis zur Lieferung müssten aber um die sechs Wochen gerechnet werden.
Im Vorfeld war bereits abgeklärt worden, dass eine am Stellplatz vorhandene Grube sich zur Aufnahme des Grauwassers und der Fäkalien eignet. Diese Abfälle sollen dann mittels eines Einlaufes, der durch einen Münzautomaten geöffnet wird, eingeleitet werden können. Auch Strom und Frischwasser werden gegen Münzeinwurf erhältlich sein.
Die Anschaffungen und die Installation werden 17 000 Euro kosten. Als der Haushalt beschlossen wurde, war noch mit ungefähr 8 000 Euro kalkuliert worden. Diese Zahl sei aber erst einmal nur zur groben Orientierung gewesen und habe auch die Installation der Elektrostandsäule noch nicht enthalten, erklärte Thomas Tavernier am Donnerstag. Erst jetzt habe man daher eine belastbare Zahl vorlegen können, in der beispielsweise auch das notwendige Pflastern der Stellfläche enthalten ist.
Da den Gästen somit in Zukunft ein höherer Komfort geboten wird, beantragte Gemeindevertreter Dietmar Helm gleich, die Stellgebühren entsprechend anzupassen. Kämmerin Andrea Fronzeck wird daher eine Kalkulation erarbeiten, die im September zunächst dem Bauausschuss und anschließend den Gemeindevertretern vorgelegt wird.