Jungs im Schlabberlook oder in Niethosen und blau-weißen Knöchelturnschuhen, die auf Rollbrettern immer wieder an Trabi, Wartburg und Moskwitsch vorbeidüsen. Und junge Mädchen, die mit rosa Rock und Karo-Hose Marke Nähmaschine über den Platz der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (DSF) schlendern. Ein Spaziergang durch die Eichendorffstraße im I. Wohnkomplex ist an einem Nachmittag in dieser Woche zu einer Reise in die Vergangenheit geworden. Aus gutem Grund: Ein Filmteam des Berliner Unternehmens Wildfremd Production war für einen Tag vor Ort.
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„Wir drehen einen Film über Skateboarder in der DDR, über die Anfänge, als die ersten Kids begannen, sich Germina-Rollschuh-Achsen unter irgendwelche Holzbretter zu schrauben, und über die Entwicklung“, erzählt Aufnahmeleiter Oliver Nitz. In den 1980ern sei das alles losgegangen. Der Film, der als Doku-Geschichte angelegt ist und in Zusammenarbeit mit Arte, RBB und MDR entsteht, erzähle von Freunden, die gemeinsam skaten, die damit groß werden und die Wende erleben.

Warum das Filmteam mit all den Laien-Darstellern für „This Ain’t California – Skateboarding in der DDR“ (dt. „Das ist nicht Kalifornien – Skateboarden in der DDR“) nach Eisenhüttenstadt gekommen ist, beantwortet Nitz wie aus der Pistole geschossen: „Wir waren auf der Suche nach historischen Hindergründen, wo ein solcher Dreh noch halbwegs realistisch möglich ist, nach Häusern wie diesen und so einem Platz“, sagt er und zeigt auf die Wohnblöcke in der Eichendorffstraße und auf den Platz der DSF, der heute Platz des Gedenkens heißt. In Berlin oder anderen Städten finde man so etwas kaum noch. Dass Eisenhüttenstadt – wo vom stalinistischen Wohnblock bis zur Platte noch alles an DDR-Architektur steht – eine gute Filmkulisse abgibt, spricht sich offensichtlich herum. 2009 wurden hier auch Szenen für „Go West – Freiheit um jeden Preis“ gedreht. In Frankfurt (Oder) ist Wildfremd Production ebenfalls fündig geworden. „Dort haben wir vier Tage erfolgreich gedreht“, erzählt Nitz, während die Skateboarder, pardon die Rollbrettfahrer, wie sie im DDR-Jargon genannt wurden, die Zeit bis zur nächsten Szene mit ein paar Manövern auf der Straße überbrücken.

Die ersten Bilder und Töne des Films „It Ain’t California“, der 2012 im Kino und 2013 im Fernsehen laufen soll, sind bereits in einem kurzen Internet-Trailer zu finden. Da heißt es unter anderem: „Spaß? Dit ging einfach vielen im Osten nich in die Birne. Wenn de als Jugendlicher auf einmal sagst: ,Ick mach hier nich mehr mit bei dem ganzen Gruppenscheiß, den ihr euch hier ausdenkt‘, dann kann dit och ganz schön ungemütlich werden. Uns hat dit aber eher zusammengeschweißt. Wir waren Außerirdische in der DDR, waren och nich politisch. Wir waren Skater.“