Bohrgeräteführer Uwe Kletschkus hat an zwei Stellen je einen Pflasterstein aus der Parkplatz-Fläche entfernt und seinen Bohrer etwa zwei Meter tief ins Erdreich getrieben. An einer Stelle fördert er Sand zutage, an der anderen, vielleicht zehn Meter weiter, Bauschutt. Wichtig ist nur eins - es wird keine Leitung getroffen. Danach kann ein mobiles Labor anrücken, ein Lkw, durch dessen Boden eine Sonde in das vorgebohrte Loch eingelassen wird. Die Proben, die dabei entnommen werden, sollen ein Geo-Profil ergeben, das die unterirdischen Wanderungsbewegungen der Schadstoffe so genau wie möglich abbildet, erläutert Thomas Driebusch.
Der Sachgebietsleiter von der Bodenbehörde der Landkreises Oder-Spree ist der Experte für die immer noch erhebliche Schadstoffbelastung unter den alten Industrieflächen Erkners. Phenol, Teeröle und Benzol - alles hochgradig giftige Stoffe - sind im etwa 130-jährigen Betrieb des Teerwerks in Erkner in Wasser und Böden gelangt, in besonders großen Mengen beim Bombenangriff vom 8. März 1944 und bei einem Brand im Teerwerk im Jahr 1970.
Die Untersuchungen, die jetzt laufen, sollen dazu dienen, die Sanierungsmaßnahmen zu überprüfen und gegebenenfalls effektiver zu gestalten. Dabei ist die Bodensanierung weitgehend abgeschlossen, so Driebusch. Stärker im Fokus stehe jetzt das Wasser; dazu wurden Proben aus Pontons auf dem Flakenfließ entnommen.
Bisher wird das Grundwasser durch drei Brunnen, beidseits der Baekeland-Brücke, in die unterhalb der Stadthalle aufgebaute Reinigungsstation geleitet, dort aufbereitet und gesäubert ins Flakenfließ geleitet. Immer noch aber gibt es, vor allem in der warmen Jahreszeit, aufsteigende Blasen, die, wie Driebusch fein formuliert, "sich geruchsseitig manifestieren". Ob dieser in Erkner gut bekannte, sehr strenge Duft Ergebnis von einmaligen Schadstoff-Einträgen oder komplexerer, sich ständig wiederholender Prozesse ist, soll ebenfalls untersucht werden. Driebusch schließt nicht aus, dass am Ende der Untersuchungen die Empfehlung stehen könnte, die gesamte Sohle des Flakenfließes auszutauschen. Die Kosten wären gigantisch - "aber das Geld muss dann da sein". Gerade erst ist die Regelung zur Finanzierung der Altlasten-Sanierung um weitere 10 Jahre verlängert worden. 60 Prozent der Kosten trägt der Bund, 40 Prozent das Land. Rund 750 000 Euro werden derzeit jährlich für die Wasser-Sanierung aufgewendet. Bis zum Sommer soll Klarheit herrschen.