Wenn Peter Peuker mit seiner Hündin Dascha durch den Wald marschiert, ist sein Blick fest auf den Boden geheftet. Der 52-Jährige sucht nach Wolfsspuren. "Dascha zeigt mir oft die Losung an", sagt Peuker. Die Hündin interessiert sich für die Spuren ihrer Verwandten. "Der Kot der Wölfe hat auch eine Markierungsfunktion", erklärt Peuker. Nach außen, zu den Reviergrenzen hin, werde er dichter. Wie ein unsichtbarer Zaun.
Peter Peuker, gelernter Forstwirt und studierter Agrarwissenschaftler, ist Wolfsbeauftragter im Osten Brandenburgs. Er arbeitet im Auftrag des Landesumweltamtes. Sein Revier ist der Landkreis Oder-Spree. Aber auch in Märkisch Oderland, Dahme-Spreewald und Spree-Neiße ist er unterwegs. Rund 1200 Quadratkilometer umfasst das Gebiet mittlerweile. Zwei Rudel hat er schon nachgewiesen. Jetzt gibt es den Verdacht, dass auch durch die Region nördlich der A12, zwischen Fürstenwalde und dem Dreieck Spreeau, Wölfe streifen.
Erstes handfestes Indiz waren zwei tote Lämmer, die Ende September 2015 in Kagel gefunden wurden. Der Kehlbiss, der aus den Tieren geschleuderte Magen-Darm-Trakt, die zerbissenen Knochen - das alles deutet auf den Wolf als Verursacher hin. Trittsiegel wurden allerdings nicht gefunden. Eine DNA-Analyse war nicht möglich. "Der Wolf ist nicht auszuschließen", stellte Rissgutachter Kay-Uwe Hartleb damals fest. Später erreichten Peter Peuker noch zwei unbestätigte Meldungen über Wolfsspuren.
Nun will er sich von Süden nach Norden durch das neue Gebiet vorarbeiten. Ein bis zwei Tage in der Woche hat er dafür Zeit. Die restlichen unterrichtet er am Oberstufenzentrum in Beeskow.
Doch wie sucht man den Wolf? "Der Wolf nutzt menschliche Strukturen, zum Beispiel Waldwege, weil das bequemer ist", sagt Peuker. Gibt es einen Anfangsverdacht, zieht er los, fährt die Wege mit dem Auto ab, sucht nach Spuren in Schnee oder Sand. "Man braucht einen langen Atem", hat Peuker gemerkt. Manchmal findet er auch wochenlang nichts. Gibt es dann eine Spur, bringt der Fachmann eine Wildkamera an, um die Tiere nachzuweisen. Drei bis vier dieser Fotofallen werden es wohl für das neue Suchgebiet sein, schätzt Peuker. Für die Standortwahl ist wichtig zu wissen, wie ein Rudel funktioniert. Wenn man wisse, dass die Jungen es nach spätestens 21 Monaten verlassen, könne man davon ausgehen, dass sie sich dann neue Territorien suchen.
Der Wolf breitet sich in Brandenburg immer mehr aus. Das lässt sich auf der Monitoringkarte erkennen. Das gesamte Land ist in zehn mal zehn Kilometer große Raster unterteilt. Gab es im Wolfsjahr 2010/11 nur 12 Zellen, in denen es eindeutige Wolfsnachweise gab, waren es 2014/15 bereits 61 Zellen. "Das entspricht 21 Prozent der Landesfläche", sagt Peuker. Ziel des Wolfsmanagements ist es, dass sich die geschützte Tierart weiter entwickelt. Im Mai 2016 gab es 13 Rudel, die ihr Territorium überwiegend im Land hatten.